Kapuzineraffen entführen Babys einer anderen Affenart offenbar aus Langeweile. Genau diese Beobachtung haben Wissenschaftler vom Max-Planck Institut in Konstanz und Radolfzell gemacht. Sie konnten das Verhalten bei Tieren auf einer Insel vor dem mittelamerikanischen Panama entdecken.
Kapuzineraffen klauen über Monate Affenbabys
Über 85 Kameras zeichnen auf der Insel das Verhalten von Kapuzineraffen auf. Beim Durchsehen von Aufnahmen machte die Wissenschaftlerin Zoë Goldsborough, die am Max-Planck Institut für Verhaltensbiologie an ihrer Disseration arbeitet, die ungewöhnliche Entdeckung: Ein männlicher Kapuzineraffe trug ein Brüllaffenbaby auf dem Rücken.
„Es kam mir so merkwürdig vor, dass ich direkt ins Büro meines Betreuers gegangen bin, um ihn nach seiner Einschätzung zu fragen“, wird die Wissenschaftlerin in einer Pressemitteilung zitiert. Beim Durchforsten von zehntausend weiteren Bildern und Videos fiel auf, dass die Kapuzineraffen dies über mehrere Monate immer wieder getan haben.
Kidnapping bringt Kapuzineraffen keinen Nutzen
Insgesamt sind es fünf männliche Kapuzineraffen, die insgesamt rund elf Brüllaffenbabys jeweils für wenige Tage mit sich trugen. Für die Affenbabys ein tödlicher Trend. Mehrere von ihnen wurden tot gefunden. Zwar hätten die Kapuzineraffen den Babys nicht wehgetan, aber sie hätten keine lebensnotwendige Muttermilch für die Säuglinge bereitstellen können, heißt es von den Wissenschaftlern.
Sie gehen davon aus, dass die Kapuzineraffen die Babys, der eigentlich deutlich größeren Affenart, aus Langeweile entführt haben. Denn ein Vorteil aus dem Handeln ließ sich nicht erkennen. Das Leben sei für die Tiere auf der Insel einfach, da es kaum Feinde und daher viel Freizeit gebe, so die Forscher. Aus ihrer Sicht zeigt der Fall, dass auch Tiere kulturelle Traditionen entwickeln können, die zwar keine klaren Funktionen, aber eventuell schädliche Auswirkungen auf ihre Umwelt haben.