Ausstellung im Napoleonmuseum zeigt historische Fotografien

Als der Kaiser den Ausflugsdampfer über den Bodensee nahm

Ein französischer Kaiser am Bodensee - alte Fotografien zeigen, wie dieser die Bodenseeregion im 19. Jahrhundert erlebte. Schauplätze von damals haben sich zum Teil sehr verändert.

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Von Autor/in Steffen Mierisch

Den Bodensee durch die Augen eines Kaisers erleben, das können Besucherinnen und Besucher des Napoleonmuseums derzeit auf dem Arenenberg bei Salenstein im Kanton Thurgau. "Was der Kaiser noch sah", heißt die Ausstellung, in der historische Fotografien aus der Zeit von Napoleon III. ausgestellt werden. Gleich am Eingang der Ausstellung hängt ein lebensgroßes Portrait, aus dem heraus schaut er die Besucherinnen und Besucher an. Charles Louis Napoleon Bonaparte, nicht der Napoleon, aber immerhin sein Neffe, der von 1852 bis 1870 ebenfalls französischer Kaiser war.

Landschaften, Dampfer und geschmückte Kühe - Fotografen hielten Bodenseeregion fest

Um ihn herum hängen Fotos aus seiner Zeit, Stadtansichten, Landschaften aber auch Dampfschiffe und Landwirtschaft. Die Fotografie war damals ein relativ junges Medium. Festhalten, was den Fotografen oder die Fotografin umgibt und auch Selbstdarstellung, beides finde man aber schon auf den Bildern im Arenenberg, sagt Gügel. Der moderne Dampfer "Arenaberg" wird genauso stolz mittig im Bild platziert wie eine geschmückte Kuh.

Der Hafen von Friedrichshafen im 19. Jahrhundert.
So sah es am Hafen in Friedrichshafen zur Zeit Napoleons III. aus. Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Der Hafen von Friedrichshafen
Nicht nur die Hafenmauer mit dem Moleturm sieht heute anders aus. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen

Wer sich in der Bodenseeregion auskennt, trifft auf viele vertraute Motive. Gebäude wie das Konzil in Konstanz waren damals schon alt, auch das Schloss in Friedrichshafen stand bereits seit langem. Dominik Gügel, Direktor des Museums auf dem Arenenberg, weiß: Nicht nur seit der Zeit Napoleons III. hat sich viel verändert in der Bodenseeregion. Zu dessen Lebzeiten fanden große Veränderungen statt.

Die Eisenbahn verändert das Bild am Bodenseeufer

Durch Ufer und historische Ortschaften hindurch schnitt der Bau der Eisenbahn. Heute steht das Konstanzer Konzilsgebäude ganz selbstverständlich isoliert und mächtig neben dem Konstanzer Hafen - auf den älteren Fotos der Ausstellung ist es Teil einer Häuserreihe. Auf den neueren schneidet die Trasse durch die Altstadt. In Allensbach (Kreis Konstanz) reichte die Altstadt bis ans Wasser, bevor die Gleise wie an vielen Orten den Zugang zum See abschnitten.

Das Konstanzer Konzil im 19. Jahrhundert
Vor dem Bau der Eisenbahn sah es rund um das Konstanzer Konzilsgebäude noch so aus Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Das Konzilsgebäude in Konstanz
Die Eisenbahnlinie durchschnitt die Häuserreihe, die früher zum Konstanzer Konzil führte. Steffen Mierisch Bild in Detailansicht öffnen

Hübsche Dampfer und Ruderboote auf anderen Bildern können nicht darüber hinwegtäuschen: Der Bezug zum Bodensee war für die Menschen damals ein anderer, erklärt Gügel: "Segeln, Baden, Tretbootfahren: das machte man damals noch nicht. Die meisten Menschen konnten gar nicht schwimmen, das Freizeitverhalten war ein ganz anderes. Der See war eher eine Bedrohung und gefährlich". Auch das Dampfschiff, mit dem der Kaiser den See befuhr, war ein ernstzunehmendes Transportmittel.

Die Bodenseeregion war schon damals international geprägt

Die Eisenbahn war modern und das konnte die Bodenseeregion brauchen: weder das Herzogtum Baden noch das Königreich Württemberg erachteten die Region als sonderlich zentral: "Das war ein Gebiet, das man vielleicht sogar abtreten könnte - das war eigentlich schon fast Österreich". Was machte dann aber ein französischer Kaiser am Bodenseeufer?

Die Konstanzer Innenstadt im 19. Jahrhundert
Eine historische Aufnahme der Konstanzer Hussenstraße. Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Hussenstraße in Konstanz
...und so sieht es hier heute aus. Steffen Mierisch Bild in Detailansicht öffnen

Gügel betont den internationalen Charakter der Bodenseeregion. Die Grenzen hätten damals keine sonderlich große Rolle gespielt: "Die sind heute so fest in den Köpfen, so fest konnte man aber damals noch nicht von ihnen ausgehen."

Der junge Prinz Napoleon hatte einen Teil seiner Kindheit und Jugend im Schweizer Exil verbracht. Auf Schloss Arenenberg bekam er Unterricht, sogar Schweizerdeutsch lernte er. Und die Region erinnerte sich an ihn. Ein ausschweifendes Leben soll er hier geführt haben, bevor er zum Kaiser wurde. Einige Nachfahren von unehelichen Kindern bevölkern angeblich die Region um Konstanz. Museumsleiter Gügel erinnert sich an Gespräche mit seiner Großmutter und deren Freundinnen, bei denen auch Geschichten über den Prinzen und späteren Kaiser erzählt wurden.

Wissen von Besuchern aus der Bodenseeregion ist gefragt

Nach Erinnerungen suchen die Museumsmacher auf dem Arenenberg aktiv. An zwei Bildschirmen kann man sich durch die Bilder klicken, zu denen den Historikerinnen und Historikern noch Informationen fehlen. Sie hoffen, dass Besucher vielleicht einen Verwandten von eigenen Familienbildern wiedererkennen oder zum Beispiel Hinweise zum Aufnahmeort geben können.

Hochzeitsgesellschaft auf Schloss Arenenberg
Kommt Ihnen jemand von dieser Hochzeitsgesellschaft aus einem alten Familien-Album bekannt vor? Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Kutsche im 19. Jahrhundert an unbekanntem Ort
Oder wissen Sie, wer hier wo auf seiner Kutsche sitzt? Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Unbekanntes Haus in der Bodensee-Region
Wo steht oder stand dieses Haus? Solche Informationen sucht das Napoleonmuseum für einen Teil der Sammlung historischer Fotografien Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen

Viele der Fotografien stammen aus der Sammlung des Museums oder des Konstanzer Stadtarchivs. Ein Teil der Fotografien ist aber aus einem privaten Speicher ins Museum gekommen. Die Bilder waren im Besitz eines Unternehmers, der schon seit langem immer wieder Maleraufträge auf dem Arenenberg bekommt. "Die Vorfahren vielleicht seit den Zeiten Napoleons", lacht Gügel. Der brachte eines Tages die Kisten mit alten fotografischen Glasplatten vorbei. Zum Erstaunen des Museumsteams befanden sich darauf regionale Ansichten aus der Zeit Napoleons III.

Auch das Schloss Arenenberg selbst ist in der Fotosammlung verewigt.
Auch das Schloss Arenenberg selbst ist in der Fotosammlung verewigt. Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg

Briefe der Familie Bonaparte sind wichtige Quelle für das Museum

Was den Kaiser außer Kindheitserinnerungen genau in die Region brachte und was er sich hier erhofft haben könnte, das bleibt Spekulation, so Gügel: "Außer, wir finden den einen entscheidenden Brief". Denn Briefe der Napoleons tauchten immer wieder auf, nicht nur in Frankreich oder der Schweiz, sondern überall auf der Welt, bis nach Australien. In Kürze hofft Gügel, dass sein Museum wieder einmal eine Sammlung von Briefen bekommt. Was darin steht - weiß er auch noch nicht.

Der Dampfer Arenenberg fährt durch den Seerhein.
Der Dampfer "Arenaberg" fährt durch den Seerhein. Pressestelle Napoleonmuseum Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Seerhein bei Petershausen
Die Dampfer sind verschwunden: der Seerhein heute Steffen Mierisch Bild in Detailansicht öffnen

Tausende solcher Briefe müssen noch erschlossen werden. Seine Kollegin Christina Egli und er wollen sich so der privaten Seite der legendären Familie Bonaparte nähern. Gemeinsam mit einem Verlag transkribieren und übersetzen sie Briefe und machen sie der Öffentlichkeit online zugänglich. Französisch ist die Muttersprache der stellvertretenden Museumsdirektorin, das ermöglicht den Zugang zu den historischen Dokumenten. Ungefähr 1.300 Briefe können Interessierte bereits lesen.

Bahnhof Konstanz im 19. Jahrhundert
Hier kamen die Züge schon an, als die Bahnlinie noch neu war. Pressestelle Napoleonmuseum Schloss Arenenberg Bild in Detailansicht öffnen
Bahnhof Konstanz
Hier sieht es noch fast gleich aus: der Bahnhof in Konstanz heute Steffen Mierisch Bild in Detailansicht öffnen

1865 besuchte das kaiserliche Paar Napoleon III. und Eugénie den Arenenberg. Dieser Besuch ist zentral für die Ausstellung auf dem Arenenberg. Die Kaiserin war zuvor noch nie hier gewesen. Die beiden erkundeten den Bodensee, ganz touristisch mit Dampferfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Seeufer. Vier Tage Ausblicke wie bei einem Urlaub, den Einheimische und Touristen ganz ähnlich auch noch erleben können.

"Was der Kaiser" noch sah, können Besucher täglich von 10 bis 17 Uhr herausfinden, die Ausstellung läuft noch bis zum 20. September 2026.

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Steffen Mierisch
SWR-Reporter Steffen Mierisch Autor Bild

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