Das Phänomen der Zeit ist Thema einer neuen Ausstellung im Kunstmuseum Ravensburg. In "It's All About Time" sind sechs raumgreifende Werke von Künstlerinnen und Künstler aus den USA, Polen, Taiwan, Ägypten und Deutschland zu sehen. Es sind Installationen, Filme oder Zeichnungen, die das Vergehen der Zeit sinnlich erfahrbar machen, die Zeitmessung hinterfragen und individuelle Zeiterfahrungen darstellen. Manche Arbeiten wurden schon weltweit in Museen gezeigt.
Künstler nahm ein Jahr lang jede Stunde ein Selbstporträt auf
Die wohl radikalste Arbeit "One Year Performance" stammt vom taiwanesisch-amerikanischen Künstler Tehching Hsieh (*1950). Sie füllt einen ganzen Museumsraum mit Selbstporträts. Hsieh hat ab dem 11. April 1980 ein ganzes Jahr lang pünktlich zu jeder vollen Stunde - also Tag und Nacht - die Zeitkarte einer Stechuhr gestempelt und parallel dazu ein Selbstporträt aufgezeichnet. In dem Jahr hat er nur 133 Stunden verpasst. Manchmal versagte die Kamera, meistens aber hatte er verschlafen, obwohl sein Wecker mit einem Lautsprecher ausgerüstet war. Das Kunstwerk sei legendär, ein Schlüsselwerk der Konzeptkunst überhaupt, erklärt Museumsleiterin Ute Stuffer.
"One Year Performance" von Tehching Hsieh ist eine der kompromisslosesten Meditationen über Zeit.
Auch Fotos, aber ganz anderer Art, zeigt die Porträtserie von Hans-Peter Feldmann (1941-2013) mit dem Titel "100 Jahre", sein "Lebensalterprojekt". Es besteht aus 100 Schwarzweiß-Fotos, die der Künstler von Menschen im Alter von drei Wochen bis 100 Jahren aufgenommen hat, alle aus seinem persönlichen Umfeld. Die Bilder sind wie ein Fries auf Augenhöhe gehängt, so dass man die 100 Jahre abschreiten kann. Die Reihe beginnt mit dem Säugling Felina und endet mit der hundertjährigen Maria Viktoria.
Künstlerin zeigt in Ravensburg Installation aus Uhrengewichten
Während die Porträtserie von Feldmann einen sehr intimen Zugang zum Phänomen Zeit und dem jeweils eigenen persönlichen Lebensalter eröffnet, zeigen andere Arbeiten in der Ausstellung das Phänomen Zeit in abstrakterer Form. Die Installation "Durchbruch durch Schwäche" der aus Polen stammenden Künstlerin Alicja Kwade (*1979) besteht aus 96 Uhrengewichten, die zwischen dem 17. und 21. Jahrhundert hergestellt wurden. Sie hängen an Schnüren von der Decke und man kann zwischen ihnen durchgehen und sich wie im Fluss der Zeit bewegen.
Die kosmische Zeit wiederum, die wiederkehrenden Rhythmen in der Natur, rückt die New Yorkerin Jill Baroff (*1954) ins Bewusstsein. In ihren Zeichnungen spürt sie in konzentrischen Kreisen dem Auf und Ab der Gezeiten nach.
Weiter vertreten im Kunstmuseum sind Rafik Greiss (*1997) mit der Videoinstallation „The Longest Sleep“ und David Horvitz (*1972) mit der Plakatreihe "Proposals For Clocks", die mit alternativen Vorschlägen unser Verständnis von Uhren, den standardisierten Zeitmessern, untergräbt. Auf einem Plakat steht: "A Clock That Falls Asleep" - da schläft eine Uhr also einfach mal ein.
Die Ausstellung "It's All About Time" im Kunstmuseum Ravensburg ist bis zum 19. Juli zu sehen und ihre Zeit ist dann definitiv abgelaufen.