Eine Ryanair-Maschine ist nach einem Zwischenfall kurz nach dem Start zum Flughafen zurückgekehrt. Das Flugzeug war auf dem Weg von Thessaloniki nach Memmingen, nahe der baden-württembergischen Grenze. Während des Fluges sei ein Knall zu hören gewesen, dann sei eine Fensterscheibe zerbrochen, sagte eine Passagierin der Deutschen Presse-Agentur. Nach SWR-Informationen ereignete sich das Unglück in einer Höhe von etwa 6.000 Metern.
Mitreisende zogen Passagier am Fenster zurück und hielten ihn fest
Der Passagier, der an dem Fenster saß, wurde ein Stück hinausgezogen. "Sein Kopf und seine Schultern ragten aus dem zerbrochenen Fenster heraus", sagte eine weitere Augenzeugin im griechischen Rundfunk ERT. Andere Passagiere hätten den Mann zurückziehen können. In der Kabine fielen Sauerstoffmasken herab.
Der Pilot habe daraufhin den Flug nach Memmingen abgebrochen und sei nach Thessaloniki zurückgekehrt, berichtet die Passagierin. Der Rückflug habe nach dem Zwischenfall noch etwa 20 Minuten gedauert.
Beim Kurznachrichtendienst X kursieren Videos, die den Vorfall zeigen sollen:
Ermittlungen zum Vorfall aufgenommen
Der Passagier, der neben der beschädigten Scheibe gesessen habe, sei vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus in Thessaloniki gebracht worden, berichtete der griechische Rundfunk. Die Ermittlungen seien aufgenommen worden.
Passagiere mit Ersatzflugzeug von Thessaloniki nach Memmingen gebracht
Ryanair bestätigte den Vorfall auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Passagiere seien am Flughafen Thessaloniki ins Terminal zurückgekehrt. Nach Informationen des SWR war im Flugzeug Platz für 189 Menschen. Die Maschine sei fast voll besetzt gewesen.
Ein Passagier habe vor Ort um medizinische Hilfe gebeten und diese auch erhalten, so Ryanair. Um die Verspätung so gering wie möglich zu halten, sei ein Ersatzflugzeug organisiert worden.
So erklärt ein Experte den Vorfall mit der Fensterscheibe
"Eigentlich kommt so etwas sehr selten vor", sagte der emeritierte Professor für Luftfahrtelektronik, Harald Hanke, der Deutschen Presse-Agentur zu dem Vorfall in der Ryanair-Maschine. Der ehemalige Pilot erklärt das Phänomen mit dem großen Druckunterschied zwischen dem Kabineninnenbereich und dem Außenbereich des Flugzeugs.
Die Passagierkabine werde im Flug auf einem für Menschen erträglichen Luftdruck gehalten, der in großer Höhe deutlich über dem der Umgebungsluft liege. "Wenn in der Kabine nun plötzlich ein großes Loch entsteht, gleicht sich der Druck schlagartig aus", sagt Hanke. In der Folge würden Gegenstände oder auch nicht angeschnallte Passagiere durch die Öffnung angesaugt. "Je größer die Öffnung ist, desto schneller geschieht das", so der ehemalige Pilot. Mit dem Druckabfall verbunden sei ebenfalls das Herabfallen von Sauerstoffmasken in der Kabine, was Zeugenaussagen zufolge in dem Ryanair-Flugzeug auch geschehen ist.