Seit dem Ausbruch der Vogelgrippe sind in Baden-Württemberg schon etwa 15.000 Nutztiere getötet worden. Auch Landwirtinnen und Landwirte am Bodensee und in Oberschwaben haben Sorge um ihr Geflügel. Sie fordern eine Stallpflicht für die Tiere, in Behördendeutsch eine sogenannte Aufstallpflicht. Darüber hinaus schützen sie sich und ihre Betriebe. Das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium lehnt eine landesweite Stallpflicht bislang ab.
Klaus Keppler aus Uttenweiler im Kreis Biberach lässt ab sofort seine 4.500 Freilaufhühner im Stall und fordert eine generelle Stallpflicht im Herbst.
Landwirt aus Mühlingen fordert Stallpflicht zum Schutz
Christoph Hönig ist Landwirt aus Mühlingen (Kreis Konstanz). Er hält an vier Standorten insgesamt rund 60.000 Legehennen. Die Vogelgrippe bedroht auch seine Tiere. Er fordert von der Politik ein entschiedeneres Handeln: "Was die Regierung jetzt tun sollte, ist, die Tiere für drei Wochen mal aufzustallen". Der Zeitpunkt dafür sei gut, da bei dem schlechten Wetter auch die Freilandhühner nicht unbedingt nach draußen drängten. Danach könne man schauen, wie viele Tiere draußen betroffen seien und wie die Lage sei, so Hönig.
Im Alb-Donau-Kreis ist die Vogelgrippe kürzlich ausgebrochen:
15.000 Tiere getötet Vogelgrippe-Ausbruch in BW: Geflügelbetrieb im Alb-Donau-Kreis gesperrt
In einem Geflügelhof in Öllingen (Alb-Donau-Kreis) ist die Vogelgrippe ausgebrochen. Der Betrieb wurde gesperrt, 15.000 Tiere getötet. Das Landratsamt richtet eine Schutzzone ein.
Vogelgrippe breitet sich immer weiter aus
Die Vogelgrippe breitet sich seit Wochen in Deutschland aus. Ungewöhnlich ist nach Angaben des für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Instituts das Ausmaß bei Kranichen. Demnach sind bisher rund 2.000 Kraniche auf ihrem alljährlichen Vogelzug nach Süden verendet.
Es wird vermutet, dass es auch Wildvögel waren, die das Virus in einen Geflügelbetrieb im Alb-Donau-Kreis geschleppt haben. Dort mussten alle 15.000 Tiere getötet werden. Bauern fürchten nun um ihre Hühner, Puten, Truthähne und Gänse. Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür.
Es wäre wesentlich sinnvoller, eine vierwöchige Stallpflicht zu verordnen, während die Zugvögel durchziehen.
Geflügelbauern setzen auch auf Hygiene
Landwirt Tobias Ray hat einen Geflügelbetrieb mit knapp 5.000 Hühnern in Haslach bei Wangen im Allgäu (Kreis Ravensburg). Dort wird es mit der Hygiene genau genommen. "Wir achten darauf, dass wir uns umziehen, bevor wir in den Stall gehen. Dass wir auch keine Gegenstände in den Stall bringen, die kontaminiert sein könnten", sagte Ray dem SWR. Dazu rät auch das Bundesinstitut für Tierseuchen: Strikte Hygiene, Geflügelhaltung im Stall und kein Kontakt zu Wildvögeln oder deren Ausscheidungen.
Landwirt Klaus Keppler aus Uttenweiler (Kreis Biberach) befürwortet eine Stallpflicht während des Vogelzugs. Er lässt seine Tiere derzeit aufgrund einer Empfehlung des Kreisveterinäramts im Stall. Doch weil das nicht alle Tierhalter so machen, drohten weitere Infektionen, sagt Keppler: "So laufen wir jetzt Gefahr, dass manche Tiere doch draußen sind und damit ziehen wir das Ganze unnötig in die Länge."