Geflügelhalter fordern zwar eine bundesweite Stallpflicht, um die weitere Ausbreitung der Vogelgrippe einzudämmen. Allerdings ist eine solche landesweite Anordnung in Baden-Württemberg kein Thema - und wird es bis auf weiteres auch nicht werden, wie das Landwirtschaftsministerium betont. "Mit einer Stallpflicht ist hier nicht zu rechnen", sagte ein Sprecher auf Anfrage.
Bei einer Stallpflicht müssen Geflügelhalter ihre Tiere aus dem Freiland in geschlossenen Ställen oder unter einem sicheren, überdachten Auslauf halten. So soll verhindert werden, dass sich Tierseuchen wie die Vogelgrippe ausbreiten können. Wird gegen eine Stallpflicht verstoßen, drohen Bußgelder.
Vogelgrippe: Könnte eine Stallpflicht helfen?
Die Geflügelbranche macht sich für ein bundesweites "Aufstallungsgebot" stark. "Das ist eine der wichtigsten Maßnahmen, die die Politik treffen kann", sagte der Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft, Hans-Peter Goldnick, im ZDF.
Das Bundesagrarministerium in Berlin verweist dagegen auf die generelle Zuständigkeit der Länder für die Tierseuchenbekämpfung und auf unterschiedliche Situationen vor Ort. Zudem müsse eine solche Entscheidung auch wegen Tierschutzaspekten sorgsam abgewogen werden.
Und auch das Stuttgarter Ministerium verweist auf "regionale Risikofaktoren, wie beispielsweise den Vogelzug und Gewässerverlauf", von denen eine Stallpflicht abhänge. "Auch im Jahr 2020/2021 gab es in Baden-Württemberg keine landesweite Aufstallpflicht", sagte der Ministeriumssprecher zum Vergleich. Damals wurden deutschlandweit mehr als zwei Millionen Tiere gekeult.
15.000 Tiere in Betrieb in BW getötet Wie gefährlich ist die Vogelgrippe für den Menschen? Antworten nach erneutem Ausbruch im Land
Nicht nur bei uns, auch in anderen Teilen Deutschlands mussten zuletzt zehntausende Hühner, Gänse und Puten gekeult werden. Dazu verenden immer mehr Kraniche - die Vogelgrippe breitet sich derzeit ungewöhnlich stark aus. Was man nun wissen muss.
Vogelgrippe breitet sich seit Wochen aus
Die Vogelgrippe breitet sich seit Wochen über ganz Deutschland aus und trifft zunehmend Geflügelbetriebe. Nach Angaben des in Greifswald ansässigen Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben bislang etwa 30 kommerzielle Geflügelhalter ihre Tiere töten müssen. Mittlerweile sind nach Angaben des Instituts in Betrieben in acht Bundesländern mehr als 500.000 Hühner, Enten, Gänse und Puten betroffen.
In Baden-Württemberg ist nach Angaben des Ministeriums bislang ein Betrieb betroffen. Auf dem Hof in Öllingen (Alb-Donau-Kreis) wurden als Folge rund 15.000 Tiere getötet.