Insbesondere unter Kranichen breitet sich die Vogelgrippe in diesem Jahr außergewöhnlich stark aus. Die Zugvögel machen sich jetzt auf den Weg in den Süden. Tausende Kraniche sind bereits verendet. Ende Oktober ist das Virus im Alb-Donau-Kreis angekommen. Ein Geflügelbetrieb wurde gesperrt. Rund 15.000 Tiere wurden getötet.
So verlief die erste Vogelgrippe-Epidemie 2006 am Bodensee
Es ist Freitag, der 24. Februar 2006. Um 9:51 Uhr geht die Eilmeldung über die Nachrichtenagenturen: Vogelgrippe am Bodensee. Eineinhalb Stunden später ist klar: Gefunden worden ist eine verendete Ente in Überlingen. Das Ufer wird desinfiziert, ein Sperrbezirk eingerichtet. Die Beobachtungszone wird auf das gesamte deutsch-Vorarlberger Ufer ausgedehnt. Zuvor gilt bereits die Anordnung, kein Federvieh mehr unter freiem Himmel zu halten.
Bereits einen Tag später kommt vom zuständigen Friedrich-Loeffler-Institut in Riems die Bestätigung: Die Überlinger Ente hatte die auch für Menschen gefährliche Variante des H5N1. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und Zoll suchen mit Hubschrauberunterstützung das Bodenseeufer nach verendeten Wasservögeln ab. Am Folgetag werden auf einer Sandbank bei Lindau 24 tote Kormorane, Möven und Blässhühner entdeckt. Die Sorge, ein Massensterben von Wasservögeln könne einsetzen, wächst. Allerdings haben die Lindauer Vögel keine Geflügelpest.
SWR Baden-Württemberg Aktuell berichtet am 28. Februar 2006 über die ersten Tagen der Vogelgrippe am Bodensee:
Sperrzonen, Stallpflicht und Leinenzwang bei Vogelgrippe 2006 am Bodensee
Landwirtschaftminister Peter Hauk (CDU) ordnet einen Leinenzwang für Hunde und Ausgehverbot für Katzen in den Sperrbezirken an. Die Bodenseeanrainer beschließen, im Kampf gegen die Vogelgrippe eng zusammenzuarbeiten. Die Tierheime in den Sperrzonen verhängen einen Aufnahmestopp. Im Kreis Konstanz sollen auch verendete Katzen auf Vogelgrippe untersucht werden. Innerhalb einer Woche sammeln die Einsatzkräfte fast 600 tote Wildvögel am Bodensee ein.
Bis Anfang April 2006 werden am Bodensee 64 Fälle des ansteckenden H5N1-Virus an toten Vögeln nachgewiesen. Insgesamt werden rund 3.500 Tiere eingesammelt. Meist sind es Enten, vereinzelt aber auch Singschwäne, und ein Mäusebussard in Gailingen (Kreis Konstanz).
Im März 2006 berichtet SWR1 Baden-Württemberg über die Sorgen am Bodensee, dass die Vogelgrippe die Urlauber fern halten könnte:
Vogelgrippe tritt auch am Bodensee immer wieder auf
Das Friedrich-Loeffler-Institut schätzt, dass in diesem Herbst 2025 bislang weit mehr als 200.000 Hühner, Gänse, Enten und Puten nach Geflügelpestausbrüchen getötet und entsorgt wurden, um die Ausbreitung der Seuche einzudämmen. Da das Infektionsgeschehen wesentlich heftiger sei als in den Vorjahren, sei mit einem weiteren Anstieg der Zahl betroffener Unternehmen und getöteter Tiere zu rechnen. Am Bodensee gab es nach 2006 weitere Ausbrüche von Vogelgrippe beispielsweise im November 2016 und im Januar 2021.
Vogelgrippe kann auf andere Vogelarten übergreifen
Im Kreis Biberach und auch im Kreis Ravensburg und im Bodenseekreis werden die aktuellen Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Am NABU-Naturschutzzentrum Federsee in Bad Buchau sind bislang noch keine Fälle von Vogelgrippe aufgetaucht. Da der Federsee nicht auf der Hauptroute der Kraniche liegt, ziehen auch nur kleinere Gruppen vorbei, teilte das Naturschutzzentrum mit. Weil die Vogelgrippe aber auch auf andere Vogelarten übergreifen kann, habe man die Situation im Blick.
Das Veterinäramt im Kreis Biberach ist auf einen möglichen Ausbruch vorbereitet, teilte das Landratsamt dem SWR mit. Tierärzte und Geflügelhalter wurden auf das hohe Infektionsrisiko hingewiesen. Auch im Bodenseekreis sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Virus durch Wasservögel eingetragen werde, so ein Sprecher des Landratsamts. Bisher sei das Virus aber noch bei keinem Verdachtsfall nachgewiesen worden.
Geflügelhalter sollen jetzt Bestand an Veterinäramt melden
Wichtig ist den Behörden zufolge jetzt, dass Geflügelhalter jeden Kontakt ihrer Vögel zu Wildvögeln vermeiden. Darauf weist auch der Kreis Ravensburg hin. Aber auch dort sind laut einer Sprecherin bislang noch keine Vogelgrippe-Fälle aufgetaucht. Eine Stallpflicht sei daher noch nicht notwendig. Halterinnen und Halter von Geflügel werden aber darum gebeten Standort, Art und Anzahl des gehaltenen Geflügels an das Veterinäramt mitzuteilen. Das hilft dem Veterinäramt im Notfall bei einer effektiven Seuchenbekämpfung.