Unter Bedingungen

Gemeinderat beschließt Finanzhilfen für Bodensee-Airport

Der Friedrichshafener Gemeinderat hat am Montagabend Finanzhilfen für den Bodensee-Airport beschlossen. Diese sind jedoch an Bedingungen geknüpft.

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Von Autor/in Thomas Wagner

Die Stadt Friedrichshafen wird den Bodensee-Airport weiter finanziell mit Millionen unterstützen. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Doch es gab auch Kritik am Flughafen - und das Geld gibt es nur, wenn Bedingungen erfüllt werden.

Der Flughafen in Friedrichshafen muss Passagierzahlen steigern

Ein bereits gewährter städtischer Zuschuss für Investitionen von 2,5 Millionen Euro darf nun zur Deckung laufender Betriebskosten des finanziell klammen Flughafens Friedrichshafen genutzt werden. Hinzu kommt ein jährlicher Zuschuss von 1,5 Millionen Euro für Investitionen für die Jahre 2026 bis 2030. Aber: Das Geld bekommt der Flughafen nur, wenn er seine jährlichen Fluggastzahlen steigern kann, von zuletzt knapp 230.000 auf 290.000 Passagiere.

Friedrichshafens OB Blümcke: Notwendig, um Kontrolle zu behalten

Friedrichshafens Oberbürgermeister Simon Blümcke betonte, die Finanzhilfen seien notwendig, um eine Insolvenz abzuwenden. Nur so könne die Stadt die Kontrolle über den Bodensee-Airport behalten. Doch an der Entscheidung gab es auch Kritik. Christine Heimpel von den Grünen etwa sagte dem SWR: "Der städtische Haushalt krebst vor sich hin. Da haben wir Einsparungen für die Einwohner und wenn der Flughafen so weiter macht, wird er noch mehr Geld brauchen. Dann bleibt weniger Geld für die Themen, die wir eigentlich umsetzen müssen."

Auch von der Fraktion "Netzwerk für Friedrichshafen" und der SPD/Die Linke-Fraktion kam Kritik: Seit vielen Jahren schon, so der Einwand, müsse der Flughafen Friedrichshafen mit öffentlichen Geldern in Millionenhöhe subventioniert werden – ein, wie es hieß, Fass ohne Boden.

Die CDU unterstützte den Antrag auf Finanzhilfen. "Für die Industrie ist er wichtig als Wirtschafts- und Standortfaktor", sagte Franz Bernhard dem SWR. "Er ist wichtig für die Region, die Stadt und die Messe wichtig."

Die Messe braucht den Flughafen

Der Bodensee-Airport ist in öffentlicher Hand. Die Haupteigentümer sind die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis. Auch das Land ist beteiligt.

Bodensee-Airport mit großen Zielen gestartet

Die Passagierzahlen am Bodensee-Airport sind seit Jahren rückläufig. Im vergangenen Jahr wurden am Flughafen Friedrichshafen 230.000 Passagiere abgefertigt. Gut zehn Jahre zuvor waren es mehr als doppelt so viele. Und vor 15 Jahren, als das für 6,5 Millionen Euro fertiggestellte erweiterte Terminal eröffnet wurde, peilte die damalige Geschäftsleitung sogar jährliche Fluggastzahlen von über einer Million an.

Auch Fluggesellschaften haben sich zurückgezogen. Die einzige Verbindung zum Drehkreuz Frankfurt wurde im April 2024 von der Lufthansa auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Am Flughafen in Friedrichshafen wurde 2024 Kurzarbeit angeordnet.

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Bodensee-Airport stellte vor vier Jahren erstmals Insolvenzantrag

Bereits vor vier Jahren musste die Flughafen GmbH Insolvenz in Eigenverantwortung anmelden. Nur durch erhebliche Finanzspritzen der Hauptgesellschafter Stadt Friedrichshafen und Bodenseekreis (Gesellschafteranteile jeweils knapp 40 Prozent) konnte der Airport seinerzeit gerettet werden.

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Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild