Gewaltvolle Übergriffe von Freiern, aber auch schlechtere Chancen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt - Prostituierte sind in hohem Maß Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Auch am Bodensee und in Oberschwaben erleben Sexarbeiterinnen immer wieder Angriffe und Bedrohungen. Hilfe bietet das Projekt SELMA. Das gibt es im Bodenseekreis und im Kreis Ravensburg seit drei Jahren. Seitdem haben 242 Prostituierte Hilfe angenommen. Das teilten die Projektverantwortlichen anlässlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Sexarbeiterinnen am Mittwoch mit.
Meine Kolleginnen, die Gewalt erleben, gehen selten zur Polizei. Sie haben Angst davor, dass sie dort nicht ernstgenommen werden.
Hilfe für Prostituierte durch Ärzte, Schwangerschaftsberatung oder Krankenkasse
Das Projekt SELMA bietet Beratung und Hilfe für Prostituierte, die Gewalt oder Anfeindungen erlebt haben. Es vermittelt diese auch an andere Hilfsangebote weiter, beispielsweise an Ärzte, das Gesundheitsamt, die Schwangerschafts- und Familienberatung sowie die Familien- oder Krankenkasse. Das sei ein wichtiges, niederschwelliges Angebot, so die Verantwortlichen. Denn Prostituierte trauten sich oft nicht zur Polizei oder zu Behörden. SELMA richtet sich auch an Transpersonen und Männer in der Sexarbeit.
Das Projekt läuft noch bis Ende September 2026. Dahinter stehen die Aidshilfe Tübingen-Reutlingen, der Verein "Arkade" aus Ravensburg. Darüber hinaus bietet SELMA Online-Fortbildungen an, mit dem Ziel künftige Mitarbeitende von Behörden für das komplexe Themenfeld "Prostitution/Sexarbeit" zu sensibilisieren.
32.300 Prostituierte in Deutschland angemeldet
Prostitution ist in Deutschland legal und seit 2017 durch das Prostituiertenschutzgesetz geregelt. Darunter fallen Bordelle, Laufhäuser und der Straßenstrich ebenso wie SM-Studios oder Table-Dance-Bars. Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2024 in Deutschland rund 32.300 Prostituierte bei Behörden angemeldet.