Die Wirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben wird sich an 2025 als ein schwieriges Jahr erinnern. Trotzdem blicken die Unternehmen aus Handwerk und Industrie dem neuen Jahr auch positiv entgegen.
Die großen Themen der Weltwirtschaft schlagen sich auch auf die kleinen Betriebe in der Region nieder. Ob amerikanische Zollpolitik oder sinkende Investitionen der klammen Kommunen. All das hatte im Jahr 2025 auch Auswirkungen auf Industrie und Handwerk in der Region.
Unternehmen in der Region bekommen wirtschaftliche Krise zu spüren
"Das bedeutet für einen kleinen Betrieb, dass er nicht richtig kalkulieren kann", sagt Mehlich. Trotzdem gebe es im Handwerk auch gute Nachrichten. "Die Jugend fragt nach dem Handwerk", so Mehlich. Hier werde in seinem Kammerbereich auch kaum Personal abgebaut. Zwar gebe es immer eine Reihe von Unternehmen, die nicht weitermachten. Eine besonders große Zahl von Insolvenzen habe es aber 2025 nicht gegeben.
Im Bereich der Handwerkskammer Konstanz habe es tatsächlich überdurchschnittlich viele Insolvenzen gegeben, sagt Georg Hiltner. Er ist Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Konstanz. Schließlich gebe es in der Region viele Betriebe, die zum Beispiel in die Produktion von Auto- und Metallteilen eingebunden sind.
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Grenznähe hilft vielen Betrieben in der Region
Die Region habe aber auch Vorteile. "Gerade die Nähe zur Schweiz hilft kleinen und mittelständischen Unternehmen", so Hiltner. Dort habe die Wirtschaft nicht die gleichen Probleme. Aber auch in Deutschland hofft er auf eine baldige Besserung der Lage.
Besonderen Wert legt der Chef der Kammer Konstanz auf die Ausbildung der zukünftigen Handwerkerinnen und Handwerker. Denn im Handwerk fänden junge Menschen weiterhin sichere und zukunftsfähige Berufe. Von der Politik erhofft er sich vor allem klare Bedingungen: "Beim Fahrzeugtausch oder Wohnungsbau - die Betriebe müssen glasklar wissen, worauf sie sich einstellen können".
Dieser Forderung schließt sich auch Katrin Klodt-Bußmann von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee an. "Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft", sagt die Hauptgeschäftsführerin. Das Jahr 2025 sei ein schwieriges gewesen. In der Region hätten sich die Daten aus der Wirtschaft im Laufe des Jahres weiter verschlechtert. Und auch die sonst florierenden Branchen hätten Probleme. "Dort ist der Fachkräftemangel entsprechend groß."
Unternehmen sollten wieder als Stütze der Gesellschaft gesehen werden
Für das Jahr 2026 wünscht sie sich vor allem mehr Wertschätzung für das Unternehmertum. "Man muss wieder das Gefühl bekommen, dass Unternehmen und Unternehmer eine Stütze der Gesellschaft sind. Sie bieten Arbeitsplätze und Stabilität." In Krisenzeiten benötigten Unternehmen genügend Unterstützung, um diese zu überstehen oder in die Zukunft zu investieren.
Große Sorge bereite das Thema Rohstoffe, sagt Sönke Voss, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben: "Wir sind eine der industriestärksten Regionen in Baden-Württemberg und brauchen deshalb Rohstoffe. China spielt diese Abhängigkeiten intensiv aus." Er sieht nicht nur eine Krise, sondern einen grundlegenden Wandel der Wirtschaft.
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Hochspezialisierte Unternehmen können schwierigen Bedingungen trotzen
Beispiele für eine positive Entwicklung sieht Voss zum Beispiel in der Verteidigungsindustrie. Aber auch in der Pharma- und Software-Branche gebe es sehr erfolgreiche Unternehmen.
Wir haben eine unglaublich breit aufgestellte Branchenstruktur.
Das seien beste Bedingungen, um Chancen nutzen zu können. Besonders betont Voss die Rolle der sogenannten "Hidden Champions", also der wenig bekannten, aber führenden, hochspezialisierten Unternehmen. "Diese Unternehmen haben auch in der Vergangenheit gezeigt, wie gut sie sich in Krisenzeiten neu aufstellen können". Er hofft, dass die Unternehmen auch im kommenden Jahr ihre Stärken beweisen können.