Wer am Bodensee unterwegs ist, kennt das Bild: Große Schwärme schwarzer Vögel fliegen über das Wasser: Kormorane. Sie haben die Schutzgebiete des Bodensees zum Lebensraum gemacht. Aber sie nehmen überhand, finden vor allem Berufsfischer, denen die Vögel die Fische wegfressen. Eine Drohne soll im kommenden Jahr Kormoran-Eier mit Öl besprühen, damit keine Küken mehr schlüpfen. Versuche in der Vergangenheit, die Kormoran-Bestände am Bodensee zu kontrollieren, zeigten meist wenig Wirkung.
Zuletzt ist die Zahl der Kormorane am Bodensee stark angestiegen. Im Jahr 2022 war die Zahl der brütenden Kormorane in manchen Kolonien um 60 Prozent höher als noch zwei Jahre zuvor.
Scheinwerfer gegen Kormorane - umstritten und wenig erfolgreich
Eine besonders umstrittene Maßnahme zum Kormoran-Management fand 2008 bei Radolfzell am Bodensee statt. Die im Naturschutzgebiet Aachried brütenden Kormorane wurden gestört. Mit starken Halogenscheinwerfern wurden sie nachts von ihren Nestern aufgescheucht. Dadurch sollten die Eier auskühlen und die Embryos sterben.
Das Regierungspräsidium Freiburg, das die Maßnahme organisiert hatte, kam später zu dem Schluss, dass 25 Prozent der Brut zerstört wurden. Damit blieb die Aktion hinter den Erwartungen zurück. 2011 erklärte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim den Einsatz der Scheinwerfer im Naturschutzgebiet außerdem für rechtswidrig.
Zahl der Vögel soll sinken Drohnen gegen Kormorane am Bodensee - Test startet 2026
Am Bodensee wird ab dem kommenden Jahr der Einsatz von Drohnen gegen Kormorane getestet. Das Spezialfluggerät soll die Eier der als Fischräuber geltenden Vögel mit Öl einsprühen.
Abschuss von Kormoranen am Bodensee - eingeschränkt erlaubt
Am internationalen Bodensee werden die Vögel mit Vergrämungsabschüssen bejagt. In der Schweiz ist die Jagd zwischen September und Februar erlaubt, in Österreich gibt es Abschussquoten. Derzeit werden dort pro Jahr 200 Tiere erlegt, in Zukunft soll diese Zahl auf 300 steigen, berichtete der ORF.
So berichtete SWR-Reporterin Theresia Blömer 2020 in SWR Baden-Württemberg Aktuell über das geplante Kormoran-Management:
In Deutschland dürfen Fischer an ihren Netzen einzelne Kormorane abschießen. Das ist außerhalb von Schutzgebieten zwischen Mitte August und Mitte März nach der Kormoran-Verordnung erlaubt. Außerhalb dieser Zeiten und in Schutzgebieten gibt es Ausnahmegenehmigungen. Die Fischer berichten von Erfolgen, erklärt Julia Gaye-Siessegger von der Fischereiforschungsstelle Langenargen (Bodenseekreis) auf SWR-Anfrage. Das Hauptaugenmerk solle aber künftig auf der Reduktion des Bruterfolges liegen, denn im großen Stil helfe die Vergrämung nicht.
Einzelne Vögel werden abgeschossen, die anderen lernen dann, hier ist es gefährlich, und halten Abstand.
Seit Jahren Probleme mit Zahlen zu Kormoran-Abschüssen
Die Anzahl der abgeschossenen Vögel soll seit der Jagdsaison 2020/21 eigentlich über eine digitale Meldeplattform erfasst werden. Zuvor mussten Abschüsse bei den Unteren Jagdbehörden gemeldet werden. Das neue System funktioniert bisher kaum. Wurden beispielsweise im Winter 2018/19 nach altem System noch 369 Abschüsse von Kormoranen registriert, wurden für 2024/25 nur acht Abschüsse digital erfasst.
"Das spiegelt selbstverständlich nicht die Realität wieder", so Gaye-Siessegger. Beim Regierungspräsidium Freiburg hingegen wurden 2024/25 allein für eine Ausnahmegenehmigung in Untersee, Gnadensee und Rhein 173 Abschüsse gemeldet. Daten über Abschüsse, die von der Kormoran-Verordnung gedeckt sind, werden dort nicht erhoben. Aufgrund der mangelnden Daten ist laut dem Landwirtschaftlichen Zentrum Baden-Württemberg (LAZBW) auch seit 2021 kein Kormoran-Bericht mehr publiziert worden.
Mithilfe der Unteren Jagdbehörden werden seitdem die Daten ergänzt. Im jüngsten Kormoran-Bericht von 2021 werden aber Zweifel an der Belastbarkeit dieser Zahlen geäußert: "Die Zahl dürfte allerdings höher liegen, da [...] es Probleme bei der Erfassung der Zahlen durch die Umstellung auf die digitale Meldung in das Wildtierportal gab", heißt es dort. Laut Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz sind in der Saison 2022/23 132 Kormorane geschossen worden, aktuellere Zahlen lägen dem Ministerium noch nicht vor.
Drohnen sollen Kormorane reduzieren, ohne andere Vögel zu stören
Das Ministerium teilte auf SWR-Anfrage außerdem mit, der Einsatz einer Drohne sei eine besonders umweltverträgliche Methode, die Zahl der Kormorane zu reduzieren: "Durch die Nutzung einer Drohne müssen die Kormoran-Kolonien, die am Bodenseeufer alle in Schutzgebieten liegen, nicht betreten werden. Der Anflug kann gegebenenfalls sogar vom Boot aus von der Wasserseite erfolgen und wird nur an wenigen Tagen im zeitigen Frühjahr durchgeführt. Begleitet werden die Versuche durch ein enges Monitoring der in den Schutzgebieten vorhandenen Schutzgüter wie zum Beispiel andere Brutvogelarten und der Kormorane", heißt es. Die technische Machbarkeit sei bereits überprüft worden.
Stefan Werner ist Ornithologe an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach. Er sieht den Einsatz von Drohnen gegen Kormorane kritisch: "Wie erfolgreich das Einölen funktioniert in einer Baumbrut, ist noch mit vielen Fragezeichen versehen. Die Versuche, die man gemacht hat, zum Beispiel in Dänemark, die sind bei bodenbrütenden Kormoranen gemacht worden. Da kann man viel besser kontrollieren, wie viel Öl kommt auf welches Ei."
Außerdem bezweifelt der Ornithologe, dass eine Drohne wirklich umweltschonend ist: "Der Komoran, das wissen wir, ist eine Vogelart, die relativ störungsunempfindlich ist. Es gibt aber Vogelarten, die viel sensibler reagieren, dazu haben wir wenige Erfahrungen", erklärt er auf SWR-Anfrage. "Es gibt natürlich in den Schutzgebieten am Bodensee sehr viele seltene und gefährdete Vogelarten und ich denke, man darf nicht einfach riskieren, dass man diese Arten schädigt aufgrund eines Verdachts, dass man jetzt anhand der Maßnahme die Fischarten wieder retten könnte."