Ein weiteres Schmuckstück zieht ins Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried - ein historischer Kiosk. Das vier Quadratmeter große Holzgebäude ist jetzt in Ingoldingen (Kreis Biberach) abgeholt worden, wo es die letzten knapp 60 Jahre als Gartenhäuschen diente.
Erst Tabak, später Sodawasser und Limonade
Seine Premiere hatte der Kiosk mit einer Grundfläche von zwei mal zwei Metern für die Bezirks-Gewerbeausstellung im Jahr 1900 auf dem Biberacher Gigelberg als Verkaufsstelle einer Tabakwarenfabrik. Handwerklich solide und bis in Details liebevoll gefertigt hatte ihn der Zimmerermeister Ignaz Lutz aus Schemmerhofen (Kreis Biberach). Nach dem Ende der Ausstellung kaufte der Biberacher Bäckermeister Adolf Mühlschlegel den Kiosk. Er stellte ihn am Biberacher Bahnhof als Verkaufsstelle für Sodawasser und Limonade auf.
Später übernahm sein Verwandter Gustav Mühlschlegel den Kiosk und verlegte ihn ein Stück Richtung Innenstadt. Er verkaufte sein eigenes Tafelwasser sowie Zeitungen, Snacks und manches mehr. Ende der 1950er Jahre, als immer mehr Autos fuhren, hatte der Kiosk keinen Platz mehr. Die Familie Mühlschlegel baute ihn ab und verkaufte ihn nach Ingoldingen, wo er ab 1966 als Gartenhäuschen genutzt wurde.
Familiengeschichte und Ehrensache
Die Enkelin des damaligen Käufers vermacht es nun dem Freilichtmuseum des Kreises Biberach. Bevor er im Frühjahr dort aufgestellt wird, restauriert ihn ein Biberacher Zimmereibetrieb. Das Ausheben vom bisherigen Standort samt Verladen übernahm das Bauunternehmen Grüner und Mühlschlegel. Dessen Chef Andreas Braun ist der Ururenkel von Adolf Mühlschlegel, der den Kiosk einst am Biberacher Bahnhof betrieben hatte.
Der Kiosk erzählt auch die Geschichte des Siegeszugs von Soda und Limonade vor 125 Jahren.