Gestörte Lieferketten, Mitarbeiter im Krisengebiet

So wirkt sich der Krieg im Nahen Osten auf die Wirtschaft am Bodensee aus

Der Krieg im Nahen Osten beschäftigt auch Unternehmen am Bodensee - nicht nur wegen gestörter Lieferketten. Zum Teil haben sie Mitarbeiter vor Ort, die vom Konflikt betroffen sind.

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Von Autor/in Florian Peking

Der Krieg im Nahen Osten hat auch Folgen für die Wirtschaft in der Region Bodensee-Oberschwaben. Unternehmen müssen sich auf steigende Öl- und Gaspreise sowie gestörte Lieferketten einstellen. Zum Teil haben Firmen aber auch Mitarbeiter im Nahen Osten, für die Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden müssen.

"Die Lage ist aktuell noch unübersichtlich", sagte ein Sprecher von ZF Friedrichshafen dem SWR. Der weltweit aktive Autozulieferer beschäftigt sich seit Samstag mit dem Thema. So prüfe derzeit zum Beispiel der Bereich Materialwirtschaft, inwieweit der eingeschränkte Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus Folgen für die Lieferketten von ZF hat.

Knapp 70 Mitarbeiter von ZF arbeiten in der Krisenregion

Der ZF-Konzern beschäftigt in der Region außerdem knapp 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. "Sie arbeiten überwiegend im Kundendienst und im Ersatzteilgeschäft", so der Sprecher. Die ZF-Mitarbeiter seien an verschiedenen Standorten in Staaten außerhalb des Irans beschäftigt. "Es gibt keine Erkenntnisse, dass die Kollegen bisher durch Angriffe gefährdet waren", sagte er.

Trotzdem rate ZF ihnen, bestimmte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen – zum Beispiel, dass sie keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen oder im Homeoffice arbeiten sollen. Vieles sei aktuell noch in der Schwebe, heißt es vom Unternehmen. Bis man die Auswirkungen konkret überblicke, werde es wohl noch Tage oder Wochen dauern.

Zeppelin-Konzern ist wegen Konflikt im Austausch mit den Behörden

Auch Beschäftigte des Zeppelin-Konzerns aus Friedrichshafen arbeiten in der Region - größtenteils an einem Standort in Saudi-Arabien. "Darüber hinaus befindet sich derzeit eine kleine Anzahl weiterer Mitarbeitender, zum Beispiel im Rahmen von Serviceeinsätzen, in anderen Teilen der Region", sagte ein Konzernsprecher dem SWR.

Die Sicherheit der Mitarbeiter habe oberste Priorität. "Wir stehen in engem und kontinuierlichem Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort, beobachten die Lage fortlaufend und bewerten diese gemeinsam mit unseren lokalen Partnern sowie den zuständigen Behörden", so der Sprecher.

Viele Unternehmen müssen sich angesichts des Kriegs im Nahen Osten zudem auf steigende Öl- und Gaspreise sowie gestörte Lieferketten einstellen. Ein weiterer internationaler Konflikt – das sorge in der regionalen Wirtschaft für Unsicherheiten, berichtete Martin Buck, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben und Chef des Sensorenherstellers IFM in Tettnang (Bodenseekreis).

Handel mit dem Nahen Osten ist in vergangenen Jahren wichtig geworden

Zudem hätten sich viele Unternehmen in den vergangenen Jahren wichtige Geschäftsbeziehungen in den Nahen Osten aufgebaut, so Buck. Es könnten also auch Exporte wegbrechen. Das bestätigt Uwe Böhm, Leiter des Geschäftsfeldes International bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee. "Im Zusammenhang mit der Diversifizierung der Absatzmärkte - weg von China und den USA - ist der Nahe Osten ziemlich ins Blickfeld gerückt", sagte er. Der Krieg dürfte in dieser Hinsicht große Auswirkungen auf Investitionen der Unternehmen haben.

Unsicherheit ist immer eine schlechte Basis für Wirtschaften.

Und er weist noch auf einen weiteren Aspekt hin: Nicht nur der eingeschränkte Schiffsverkehr störe Lieferketten, sondern auch wegfallende Flüge. "Man muss immer bedenken, dass Passagierflugzeuge im unteren Bereich auch Waren transportieren", sagt er. Und Dubai sei einer der Hauptdreh- und Angelpunkte im Passagierbereich. "Das ist so ein bisschen wie während der Corona-Pandemie, als keine Passagierflugzeuge flogen - und plötzlich auch keine hochwertigen Teile mehr ankamen", sagt er. Es sei möglich, dass viele Flugrouten völlig neu definiert werden müssen, weil mehrere Krisengebiete nicht mehr überflogen werden könnten, so Böhm.

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Florian Peking
SWR-Redakteur Florian Peking Autor Bild

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