Endspurt im Wahlkampf um die Landtagswahl: Auch im Wahlkreis Ravensburg haben die Kandidatinnen und Kandidaten noch bis zum Wochenende die Möglichkeit, auf Stimmenfang zu gehen. Zwei der insgesamt sieben Männer und Frauen tun das allerdings unter besonderem Vorzeichen: Anna Wiech (Grüne) und Antje Rommelspacher (CDU) sind seit Jahren befreundet und Schwägerinnen.
Seit über 20 Jahren befreundet, politisch hart im Nehmen
Wenn die Grüne-Kandidatin Anna Wiech und CDU-Frau Antje Rommelspacher gegeneinander antreten, fliegen verbal auch mal die Fetzen. Dabei sind die beiden schon seit über 20 Jahren befreundet. Dass sie Schwägerinnen sind, liegt am Umstand, dass Anna Wiech eine geborene Rommelspacher ist und die Verbindung ihrem Bruder zu verdanken hat. Der nämlich heiratete einst Antje Bücher, die danach Antje Rommelspacher hieß.
Politisch aber liegen beide Frauen weit auseinander. Fassen sie sich da im Wahlkampf mit Samthandschuhen an? Keineswegs, sagt Antje Rommelspacher im SWR-Interview: "Ich vertrete ganz klar immer meine Positionen, Anna Wiech genauso ihre. Ich bin aber eine, die nicht persönlich wird. Ich mag das nicht: unter die Gürtellinie. Das ist nicht mein Stil. Wenn man mit Argumenten nicht überzeugen kann, dann hilft das andere auch nicht."
Landtagswahl: Kandidatinnen sind politischen Schlagabtausch gewöhnt
Auch für Anna Wiech schließen sich ein engagierter Wahlkampf und das Verhältnis zueinander nicht aus: "Wir arbeiten ja heute schon politisch zusammen. Frau Rommelspacher ist Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat Ravensburg von der CDU, ich bin es von den Grünen. Wir sind oft unterschiedlicher Meinung, aber wir müssen auch zu Lösungen kommen und das ist auch nach dem Landtagswahlkampf noch so."
Es sei ein Schalter, den sie nach einem politischen Schlagabtausch umlegten, erklärt Antje Rommelspacher. Nach einer hitzigen Gemeinderatssitzung stehe man am Stehtisch wieder zusammen und könne auch schnell wieder über nicht-politische Dinge reden. Man führe eine Freundschaft, die auch diesen Wahlkampf überstehen werde.
"No politics" bei Familienfesten
Draußen bleiben muss die Politik, wenn's privat wird. Dann gelte "No politics", sagt Anna Wiech vehement. Man sehe sich ja immer wieder bei Familienfesten, auch an Weihnachten, und da würden politische Diskussionen alles verderben, zu unterschiedlich seien die Positionen, vor allem bei den Themen Klimaschutz und Bildung. Auf eher gleicher Linie sei man bei den Themen Verkehrsinfrastruktur und der Wirtschaft, deren Zustand oberste Priorität habe.
Und so können sich die Schwägerinnen durchaus eine Fortführung der Koalition vorstellen. Antje Rommelspacher allerdings unter einem Ministerpräsidenten Manuel Hagel (CDU), Anna Wiech unter Cem Özdemir (Grüne) als Landesvater.