Männer, die Frauen erniedrigen und ihnen Gewalt antun: Dagegen haben am Samstag viele Menschen in Konstanz demonstriert. Das Besondere: Aufgerufen dazu hat ein Zusammenschluss Konstanzer Männer, darunter der Lehrer und Social-Media-Influencer Marcus Göbeler.
Die Demonstration begann in Konstanz am Samstagnachmittag auf dem Münsterplatz. Dort wurden unter anderem anonyme Zitate von Frauen verlesen, die von Gewalt betroffen waren. Anschließend zog der Demonstrationszug in Richtung Stadtgarten. Das Schlusswort hielt eine Vertreterin der Konstanzer Gruppe von Terre des Femmes, einer Frauenrechtsorganisation. Rund 300 Menschen nahmen an der Demonstration teil.
Männer machen in Konstanz mobil: Epstein-Akten als Auslöser
Für Initiator Marcus Göbeler ist es nach den Skandalen um die Epstein-Akten und sogenannte Deepfake-Pornografie höchste Zeit, dass Männer sich positionieren. Es müsse ein Zeichen gesetzt werden, gegen andere Männer, die Frauen unterdrücken und ihnen Gewalt antun. Bei den Skandalen handele es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein System. Gegen dieses System, das Frauen als eigenständige Menschen ignoriere, wolle man demonstrieren, erklärte er im Vorfeld.
Als immer mehr Details zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Jeffrey Epstein bekannt geworden seien, habe er auf Instagram gefragt, wo die Männer seien, die sich über die Gewalt an Frauen empören. Und er habe sich selbst gefragt, was er machen könne. Also habe er die Demonstration angemeldet. Das Ziel: Er und andere Männer sagen "Stopp" gegen diese Gewalt an Frauen.
Wo sind die Männer, wo sind die Väter, die sich jetzt empören? Und ich habe auch mich gefragt, was mache ich eigentlich?
Social-Media-Engagement gegen Gewalt an Frauen
Göbeler, der Lehrer an einer Gemeinschaftsschule ist und in einer Patchworkfamilie mit vier Kindern lebt, betreibt den Instagram-Kanal "ganze_maenner". Sein Thema ist dort toxische Männlichkeit, die seiner Ansicht gefährlich für Frauen, aber auch Männer ist. Er sagt, er wolle mit seinen Instagram-Videos jungen Männern Orientierung geben. Es gehe darum, wie man als Mann glücklich und frei sein könne, um für seine Mitmenschen eine Bereicherung zu sein.
Für seine Postings wird er auch angefeindet. Doch der Zuspruch sei größer, erzählt er. Auch viele seiner Schüler fänden das Engagement ihres Lehrers gut. Die Demo ist für ihn persönlich ein Anfang, die Gewalt an Frauen weiter in den Fokus der Gesellschaft zu rücken.