In allen Anklagepunkten schuldig gesprochen

Stockacher Narrengericht: Markus Söder zu 150 Litern Wein verurteilt

Am "Schmotzigen Dunschtig" tagte das traditionelle Stockacher Narrengericht. In diesem Jahr stand der bayerische Ministerpräsident Söder vor Gericht und wurde schuldig gesprochen.

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Stand

Das "Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken" (Kreis Konstanz), das am "Schmotzigen Dunschtig" getagt hat, hat den bayerischen Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zur Zahlung von 150 Litern Wein verurteilt. Der CSU-Chef wurde in allen drei Anklagepunkten schuldig gesprochen und auch zu einem Oktoberfest-Besuch mit dem Narrengericht verdonnert. Er nahm die Strafe an. 

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er in den Anklagepunkten "Verrat an der guten konservativen Sache", "Täuschung und Chamäleonitis" und "Größenwahn" schuldig gesprochen wird. Die Strafe von zweieinhalb Eimern sei noch relativ mild, sagte der Fastnachts-Richter.

Altmaier als Zeuge eines Justizirrtums

Als Zeuge eines tragischen Justizirrtums trat Ex-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf. "Ich kenne den Angeklagten seit Jahren persönlich", sagte der CDU-Politiker. Er habe ihn immer nur als bescheiden erlebt und verdiene einen Freispruch.

Auch Söder beteuerte in seiner Verteidigungsrede seine Unschuld. Ganz ohne Verkleidung ging es für den Fastnachts-Fan nicht auf die Bühne. Im Büßerhemd war er zur Verhandlung vor dem "grobgünstigen Narrengericht" erschienen. Das Gericht bezeichnete er als "durchgegenderte Bischofskonferenz in grünen Bademänteln". Und: "Ich dachte, Baden-Württemberg ist das Land von Hugo Boss."

Er sei auch mal für einen Abend grün gewesen - als Shrek. "Ich kann nur sagen: Mich hat Grün so gejuckt, dass es einmal fürs Leben reicht." Auch wenn Söder als Beklagter gewählt wurde, weil die CSU bei der kommenden Landtagswahl in Baden-Württemberg nicht auf dem Stimmzettel steht: Ein bisschen Wahlkampf war beim Narrengericht schon.

Markus Söder spricht beim Narrengericht in Stockach.
Markus Söder spricht zu seiner Verteidigung beim Stockacher Narrengericht. Rebecca Lüer

Markus Söder: "Bin total bescheiden"

Er sei wegen Manuel Hagel hier, der ihn überredet habe, die Einladung nach Stockach anzunehmen. Der "Manu" sehe besser aus als sein amtierender Vorgänger. Auch wenn er sich mit seinem Freund Winfried Kretschmann (Grüne) super verstehe.

Bayern und Baden-Württemberg seien die Lastesel der Nation, sagte Söder. "Die anderen machen Party und wir zahlen." Vom Bremen- bis zum Berlin-Bashing gerieten die Anklagepunkte in der Verteidigungsrede zwischendurch in den Hintergrund - aber nur kurz. "Ich bin total demütig und bescheiden. Ich habe nur ein Problem, keiner lobt mich, also muss ich es immer selbst tun."

Er habe definitiv keine Verurteilung verdient, er sei der freundlichste CSU-Vorsitzende seit Langem, sagte der Angeklagte. "Und wenn eine Verurteilung, ja, dann kündigt Bayern die Allianz mit euch, dann gehen wir zu den Sachsen - weil die können auch kein Deutsch." Geholfen hat es nichts. Das Urteil ist "rechtskräftig".

675 Jahre alte Tradition

Der Termin am "Schmotzigen Dunschtig" gilt als Höhepunkt der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Seit dem Jahr 1351 gibt es diese besondere Tradition.

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Am "Schmotzigen Dunschtig" tagt traditionell das Stockacher Narrengericht. In diesem Jahr feiert es Jubiläum - und hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf der Anklagebank.

Seit den 1970er-Jahren nehmen bekannte Politiker auf der Anklagebank Platz. Rund 1.200 Eintrittskarten waren kurz nach Verkaufsstart vergriffen. Das Interesse ist riesig. Söder gilt als Publikumsmagnet.

Ein amtierender bayerischer Ministerpräsident vor dem Narrengericht - das gab es zuletzt 1979. Damals saß Franz-Josef Strauß auf der Anklagebank. Er musste zehn Tonnen bayerisches Bier liefern. Eine Strafe, die bis heute legendär ist.

Prominente Gäste: Angela Merkel, Karl Lauterbach und Peter Altmaier

Auf der närrischen Anklagebank saßen bereits bekannte Politikerinnen und Politiker wie Angela Merkel (CDU), Karl Lauterbach (SPD) und Wolfgang Kubicki (FDP). Auch diesmal war politische Prominenz vor Ort.

Der ehemalige Politiker Peter Altmaier (CDU) tritt als Zeuge für den beklagten Ministerpräsident Söder (CSU) vor dem Stockacher Narrengericht auf.
Der frühere CDU-Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier unterstützte den bayerischen Regierungschef. Er sprach als Zeuge für Söder. Rebecca Lüer

Der Ablauf folgt festen Regeln. Der Angeklagte verteidigt sich mit Witz und Schlagfertigkeit. Das Publikum reagiert lautstark. Das Narrengericht ist kein echtes Gericht. Doch die Urteile haben Symbolkraft. Meist geht es um Wein oder Bier.

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SWR

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