In Stockach (Kreis Konstanz) tagte am "Schmotzigen Dunschtig" wieder das "Hohe Grobgünstige Narrengericht". Es feierte ein besonderes Jubiläum, denn 2026 wird die traditionsreiche Institution 675 Jahre alt.
Die Ursprünge des Stockacher Narrengerichts reichen bis ins Jahr 1351 zurück - zu Kuony von Stocken, dem Gründungsvater des Gerichts. Der Hofnarr soll damals seinem Herrscher Herzog Leopold I. von Habsburg einen weisen Rat gegeben haben, heißt es auf der Internetseite des Narrengerichts.
Obwohl dieser den Ratschlag nicht befolgte, durfte der Narr einen Wunsch äußern. Er bat darum, dass in seiner Geburtsstadt Stockach einmal jährlich, zwischen Lichtmess und Lätare, also zwischen dem 2. Februar und dem vierten Sonntag der Fastenzeit, von den Einwohnern Gericht gehalten werden darf.
Stockacher Narrengericht urteilte ursprünglich über einfache Bürger
1351 wurde das Gerichtsprivileg ausgestellt. Aber über die Jahrhunderte veränderte sich das Narrengericht. Früher wurden alle dummen und närrischen Streiche, alle menschlichen Schwächen und Torheiten von einfachen Bürgern verhandelt.
Seit dem Jahr 1960 werden vor dem Narrengericht prominente Politikerinnen oder Politiker angeklagt. Der oder die "Beklagte" wird in der Regel vom Ankläger parodistisch schuldig gesprochen, vom Fürsprech verteidigt und muss die Strafe in Wein begleichen.
Cem Özdemir (Grüne) zum Beispiel war 2020 zu drei Eimern verurteilt worden. Ein Eimer entspricht etwa 60 Litern. Ein vergleichsweise mildes Urteil ereilte 2025 Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) mit einem Eimer Strafwein. Eine weitaus höhere Strafe bekam der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) 2024 aufgebrummt: 240 Liter Wein und noch einmal so viel Mineralwasser.
Zum zweiten Mal ist ein bayerischer Ministerpräsident der Beklagte
In diesem Jahr musste sich CSU-Chef Markus Söder vor dem Stockacher Narrengericht verantworten. Er war seit Franz Josef Strauß im Jahr 1979 der zweite bayerische Ministerpräsident, der vor dem Stockacher Narrengericht angeklagt wird.
In allen Anklagepunkten schuldig gesprochen Stockacher Narrengericht: Markus Söder zu 150 Litern Wein verurteilt
Am "Schmotzigen Dunschtig" tagte das traditionelle Stockacher Narrengericht. In diesem Jahr stand der bayerische Ministerpräsident Söder vor Gericht und wurde schuldig gesprochen.
Das Stockacher Narrengericht besteht aus bis zu 21 Gerichtsnarren. Es ist das älteste Narrengericht seiner Art und zählt zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Zu sehen war die Verhandlung am Donnerstag, 12. Februar 2026, um 20:15 Uhr, im SWR Fernsehen.