Die Saft- und Mostproduktion am Bodensee und in Oberschwaben läuft in diesen Tagen erst so richtig an. Die frühen Apfelsorten sind schon verarbeitet, auf die späten Sorten warten die Mostereien gerade.
Wenn das Streuobst nicht zur Presse kommt, dann kommt die Presse zum Streuobst. Christian Brugger aus Bodnegg (Kreis Ravensburg) ist mit seiner mobilen "Saftmoschde" derzeit an fünf Tagen in der Woche zwischen Bodensee und Allgäu unterwegs.
Apfelsaft aus dem eigenen Garten
Am Mittwoch hat er Station in Ziegelbach bei Bad Wurzach (Kreis Ravensburg) gemacht. Die mobile Anlage passt auf einen großen Anhänger. Schon am Morgen landen die ersten Äpfel im Trichter vor dem Förderband, das das Obst in eine Häcksel-Schnecke transportiert.
Seine Kunden sind hauptsächlich Privatleute, die das eigene Obst aus den Gärten zu Saft pressen lassen wollen. An diesem Vormittag sind aber auf Einladung des Fördervereins des Kindergartens Ziegelbach auch Kindergartengruppen dabei. Anhängerweise haben sie Äpfel gesammelt - den Saft bekommen sie für den Kindergarten.
Heraus kommt in diesem Jahr ein eher süßer Saft. Denn die Äpfel haben in diesem Jahr viel Sonne abbekommen, sagt Christian Brugger. Der heiße Sommer hat aber gleichzeitig die Wasser- und damit die Saftmenge in den Äpfeln kleiner gehalten. Daher kann er in diesem Jahr aus einem Kilo Äpfel maximal 0,7 Liter Saft pressen. "Normalerweise haben wir bis zu 80 Prozent Ausbeute", so Brugger.
Saft- und Mostsaison: Bilanz fällt gemischt aus
Die bisherige Bilanz fällt daher gemischt aus. Ein Problem sei in diesem Jahr auch, dass einige Sorten bereits sehr früh reif waren und am Boden schnell faulig wurden. So lassen sie sich nicht mehr zu Saft oder Most verarbeiten. Trotz einer guten Apfelernte rechnen auch andere Mostereien in der Region mit einem durchschnittlichen Saft- und Mostjahr.
Die Fruchtsaftkelterei Bentele in Steinhausen im Kreis Biberach erwartet den großen Ansturm in den kommenden Wochen, wenn auch die späten Sorten reif sind. Ein Problem der diesjährigen Saison sei, dass auch aus dem Ausland viel Obst auf den Markt drückt. Das wirkte sich negativ auf den Preis aus, den größere Mostereien an kleinere Betriebe wie den der Benteles für Äpfel zahlen.
Die Lohn-Mosterei Milz aus Leutkirch (Kreis Ravensburg) erwartet nach einem schwächeren Jahr 2025 jetzt mehr Aufträge. Etwa zehn bis 15 Tonnen werden dort jetzt schon pro Tag verarbeitet. In Schemmerhofen bei der Mosterei Freudigmann sehe es derzeit nach einem durchschnittlichen Jahr aus. Die Produktion sei aber bereits gut angelaufen.
Genug Saft gibt es also. Auch für die Kindergärten rund um Ziegelbach reicht die Ausbeute für die kommenden Monate. Was zu viel ist, verkauft der Förderverein, um die Kasse aufzubessern. Das Geschmacksurteil der Kinder in diesem Jahr: "Süß", sagen die einen, "sauer", die anderen. Aber lecker ist er, da sind sich die Kinder einig.