Die invasive Quagga-Muschel breitet sich seit Jahren im Bodensee aus - und sorgt für verstopfte Leitungen und Probleme für die Schifffahrt. Im Gnadensee (Kreis Konstanz) scheint sie jetzt auszusterben. Forschende der Universität Konstanz haben eine Vermutung, woran das liegt.
Im Gnadensee zwischen Allensbach und der Insel Reichenau scheint die Quagga-Muschel in den warmen Sommermonaten nicht genug Sauerstoff abzubekommen, erklärt Mikrobiologin Sabrina Borusak gegenüber SWR. In einer Tiefe von 14 bis 20 Metern, in der die Muschel im See an anderen Stellen nach wie vor vorkommt, wurde im Sommer zu viel Schwefelwasserstoff gemessen, erklärt die Konstanzer Mikrobiologin. Schwefelwasserstoff ist ein Atemgift. Das könnte für das Absterben der Muschel im Gnadensee verantwortlich sein.
Im Gnadensee finden wir keine Quagga-Muscheln. Und wir denken, dass es eben daran liegt, dass wir über lange Zeit keinen Sauerstoff im Wasser hatten.
Noch sei die Konzentration von Schwefelwasserstoff vor Ort für andere Organismen und auch für Menschen nicht bedenklich, heißt es von den Forschern. Das Team beobachtet nun weiter, wie sich die Wassertemperatur und die entstehenden Wasserschichten auf die Lebewesen im Bodensee auswirken.
Invasive Muschel löst im Bodensee viele Probleme aus
Seit Jahren verursacht die invasive Quagga-Muschel im Bodensee Probleme: Sie verstopft unter anderem Trinkwasserleitungen und Filter oder setzt sich an Schiffen fest.
Baggerarbeiten am Hochrhein Quagga-Muschel behinderte Schiffe - nun wieder freie Fahrt nach Konstanz
Für Kursschiffe auf dem Hochrhein gab es teilweise kein Durchkommen. Doch nun wurden Quagga-Muscheln in der Fahrrinne aufwendig entfernt. Aber nicht alle begrüßen die Arbeiten.
Quagga-Muschel für Zement?
Auch im Rhein breitet sich die Muschel immer weiter aus. Dort soll nun geprüft werden, ob abgestorbene Quagga-Muschelschalen als Kalkersatz genutzt werden können. Rund 100 Kubikmeter Muschelsedimente sollen dafür unterhalb von Stein am Rhein (Kanton Schaffhausen) aus dem Wasser gehoben werden, heißt es vom Amt für Umwelt im Kanton Thurgau in einer Mitteilung. Der aktuell sehr tiefe Pegelstand ermögliche die Baggerarbeiten vom Ufer aus. In einem Zementwerk werde dann geprüft, ob die kalkhaltigen Muschelschalen im Zementherstellungsprozess als Ersatz für natürlichen Kalkstein eingesetzt werden können.