Deutlich weniger Geld als im Jahr zuvor gibt es in diesem Jahr für bestimmte Naturschutzprojekte in Baden-Württemberg, konkret für Landschaftspflege. Darüber klagen die Landschaftserhaltungsverbände (LEV), die sich auf Ebene der Landkreise um die konkrete Umsetzung von Naturschutz vor Ort kümmern.
Landwirte sorgen für Lebensräume bedrohter Arten
Mancherorts fehlten teilweise zwischen 60 und 70 Prozent der erwarteten Mittel, so Tilo Herbster, Geschäftsführer des LEV Konstanz und Landessprecher aller LEV, gegenüber dem SWR.
Konkret betroffen sind viele Landwirte, die Natur- und Artenschutz-Arbeiten ausführen, zum Beispiel durch Beweidung. Es geht auch um die Bekämpfung invasiver Pflanzenarten, sogenannter Neophyten, durch Landwirte. Die Maßnahmen haben eigentlich das Ziel, Lebensräume für bedrohte Arten zu schaffen und damit das gesamte Ökosystem zu schützen.
Das Problem laut Herbster: Viele Landwirte hätten zu Beginn des Jahres Aufträge von Landschaftserhaltungsverbänden angenommen, solche Arbeiten auszuführen - verbunden natürlich mit der Zusage, dafür entsprechend bezahlt zu werden. Dann sei im Juni plötzlich die Ansage des Umweltministeriums gekommen: Es ist kein Geld mehr da. Aufträge müssen gestoppt werden.
Das ist zum Teil dramatisch und geht an die Existenz von Betrieben, die sich darauf spezialisiert haben, mit Spezialmaschinen oder mit Tierhaltung.
Stark betroffen davon ist Landwirt Florian Riegel aus Eigeltingen (Kreis Konstanz). Ihm fehlen dieses Jahr auf einen Schlag 35.000 bis 40.000 Euro an Einnahmen. Er hat sich auf Naturschutzarbeiten spezialisiert und besitzt rund 800 Weidetiere: Schafe, Ziegen, Rinder und Wasserbüffel. Die lässt er auf Flächen weiden, die für die normale Landwirtschaft nicht gut nutzbar sind.
Er und seine Tiere verhindern so, dass die Flächen mit Büschen und Sträuchern oder eben invasiven Arten wie Goldrute und Drüsigem Springkraut zuwachsen. Stattdessen werden sie zu wertvollen Lebensräumen, zum Beispiel für viele Insekten und Pflanzen.
"Eine Wiese mal ein Jahr nicht mehr mähen, das geht vielleicht noch. Aber was soll ich mit meinen Tieren machen? Die brauchen trotzdem einen Tierarzt, und den Winterstall, den ich für sie gebaut habe, muss ich auch abbezahlen", sagt Florian Riegel.
Landwirte ohnehin skeptisch gegenüber Naturschutz
Der Vertrauensverlust sei immens, klagt Tilo Herbster, Landessprecher des Landschaftserhaltungsverbände. Denn viele Landwirte seien ohnehin skeptisch gegenüber dem Thema Naturschutz und hätten sich nur zögerlich auf eine Zusammenarbeit mit Landschaftserhaltungsverbänden eingelassen.
Das Umweltministerium bestätigt das Loch im Haushalt auf SWR-Anfrage. Die Situation im Naturschutzhaushalt sei aber "ausschließlich im Jahr 2026 besonders". Es gebe unter anderem weniger Fördermittel von der EU, zudem kämen Sondereffekte zum Tragen. Das Ministerium weist außerdem darauf hin, dass die Kürzungen, über die die LEV klagen, nur einen Teil der Naturschutzmaßnahmen betreffen. Man arbeite zudem derzeit an einer Nachfinanzierung. Ob die gelinge, sei aber unklar.
Dass das Land weniger Geld für Naturschutz hat, könnte sich auch auf ein Leuchtturmprojekt des LEV im Kreis Ravensburg auswirken. Es geht um die Aufzucht des bedrohten Moorfrosches.
Die Zahl der Moorfrösche steigt
Das Moorfrosch-Projekt läuft seit sieben Jahren und ist nach Angaben der Verantwortlichen erfolgreich. Biologen haben Jahr für Jahr Laich des Moorfrosches in einer eigens angelegten Aufzuchtstation ausgebrütet und aufgezogen. Der Frosch-Nachwuchs wurde dann ausgewildert. So sollten die Tiere in den ersten Wochen ihres Lebens vor Fressfeinden geschützt werden. Die Zahlen zeigten, dass die Population der Tiere durch das Aufzucht-Projekt langsam wachse, so Moritz Ott, Biologe und Leiter des Projekts beim LEV Ravensburg.
So hat der SWR bereits über das Moorfrosch-Projekt berichtet:
Moritz Ott will das Projekt weiterentwickeln und die Lebensräume für den Moorfrosch in Oberschwaben verbessern. Nur dann könne die Population des Moorfroschs in Zukunft auch ohne Hilfe des Menschen wachsen. Der LEV strebt eine Förderung durch ein EU-Projekt an, bei dem das Land eine Kofinanzierung leisten müsste, sieht sich dabei vom grünen Umweltministerium aber nicht ausreichend unterstützt.
"Das Land Baden-Württemberg hat sich zum Ziel gesetzt, 4.000 Hektar bis 2030 wiederzuvernässen. Und diese Tierart heißt Moorfrosch. Das ist eigentlich die Leitart, wenn es um Moorschutz geht. Und wenn es der gut geht, geht es auch ganz vielen anderen Arten gut", sagt Moritz Ott vom Landschaftserhaltungsverband Ravensburg.
Das Ministerium entgegnet dazu auf SWR-Anfrage, dass bei der angespannten Haushaltssituation im Naturschutz eine Abwägung erforderlich sei, "ob Finanzmittel zugunsten einer Art oder zum Erhalt zahlreicher anderer, ebenfalls bedrohter Lebensräume und Arten eingesetzt werden". Sprich: Die Mittel sollen nicht in Einzelprojekte fließen. Das Ministerium weist außerdem auf die Moorschutzstrategie des Landes hin, die dem Moorfrosch auch nütze, und bietet an, alternative Finanzierungsoptionen mit dem LEV auszuloten.