Den Einbaum um die Stelzen des Federseemuseums zu lenken, ist gar nicht so einfach. Das Boot reagiert träge und der kleine Teich, in dem das Museum steht, bietet nicht viel Platz für Manöver. Aber Andrea Lerner steuert das Boot problemlos durch die Konstruktion hindurch.
Normalerweise rudert sie Touristen, vor allem Familien, die einen Ausflug zum Federsee im Kreis Biberach unternehmen. Am Mittwoch hat sie SWR-Reporter Johannes Riedel mitgenommen. Der hörte sich an diesem Tag um, was Bad Buchau am Federsee so zu bieten hat.
Im Einbaum geht es einmal um das Federsee-Museum in Bad Buchau
Die Sonne brennt und Ralf Baumeister, Leiter des Federseemuseums, führt uns in ein schattiges Haus vor dem Museumsbau. Der Weg über die Türschwelle bringt uns Jahrtausende zurück.
Gemütlich war es damals nicht, die fensterlosen Bauten waren wohl vollgestopft mit Menschen, Werkzeugen und Vorräten, erklärt der Archäologe. Die Häuser sind zwar als Pfahlbauten bekannt und wurden auch mithilfe von Pfählen in das Moor gesetzt - sie standen aber nicht hoch über dem Wasser wie am Bodensee.
Der Schlamm hat jahrtausendealte Objekte erhalten
Der Schlamm half auch, die Funde am Federsee zu konservieren: "Die Funde erlauben Aussagen, die sonst fast nirgendwo so möglich sind. Wir wissen, wie die Leute gewohnt haben, was sie gegessen haben und wie sie gelebt haben. Außerdem können wir große Teile der Umwelt rekonstruieren."
So fanden Wissenschaftler beispielsweise heraus, dass in der Bronzezeit riesige Wälder gerodet wurden. Das Holz wurde für den Bau der wachsenden Siedlungen gebraucht, dann weideten Rinder auf den Flächen.
"Die Bronzezeit ist das Tor zur Moderne", erklärt Baumeister. Die Straßen hatten noch keinen Asphalt, aber grundsätzlich sei die Umwelt unserer Region damals zu der geworden, die wir heute kennen. Die Menschen und ihre Tiere sorgten dafür, dass die Flächen offen blieben und nicht wieder Wald wuchs.
Die Freiwilligen sorgen dafür, dass der Lebensraum erhalten bleibt
Heute macht das Ronja Illich. Die 20-Jährige leistet gerade einen Bundesfreiwilligen-Dienst im Naturschutzzentrum Federsee. Ohne die Freiwilligen geht dort nichts. Sie sind zum Beispiel für die Landschaftspflege wichtig. Jedes Jahr mähen sie die Ried-Wiesen. Dort würden sonst schnell Sträucher und irgendwann ein Wald wuchern.
Der besondere Lebensraum für seltene Arten wäre dann dahin. Allein über 100 Arten leben hier, erzählt Ronja Illich. Ein Jahr war die begeisterte Naturfotografin jetzt hier, ihr bleiben noch drei Wochen Zeit am Federsee. Alle Arten, die sie sich gewünscht hatte, hat sie schon gesehen, sagt sie. So wie die Biber, die hier regelmäßig zu sehen und zu hören sind.
Am Ried-Rad, einer mobilen Infostation, können Spaziergänger mehr über den Federsee lernen
Mit ihrem mobilen Infostand informiert sie bis zum Ende ihres Dienstes noch Menschen über die Natur am Federsee. Das Team und die Gegend werde sie vermissen. Sie will sich aber auch in Zukunft für die Natur einsetzen.