Zu lange Genehmigungsverfahren und fehlende Förderung

Solarstrom vom Acker: Politik bremst Landwirte in Oberschwaben aus

Sie könnten ein wesentlicher Teil der Energiewende sein: Agri-PV-Anlagen. Doch laut einer Ravensburger Firma fehle nach wie vor die Unterstützung durch die Politik.

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Von Autor/in Dirk Polzin

Photovoltaikanlagen über Obst- und Ackerflächen - sogenannte Agri-PV-Anlagen - könnten Landwirten ermöglichen, gleichzeitig Nahrungsmittel und Solarstrom zu erzeugen. Doch nach Angaben von Landwirten und Herstellern wie der Ravensburger Firma Solmotion sind die bürokratischen Vorgaben für den Bau weiterhin hoch. Auch die von der Politik zugesagte Förderung sei bislang ausgeblieben.

Solmotion: Landesregierung hat Versprechungen nicht eingehalten

Die Versprechen der Landesregierung, etwas zu ändern, seien ausgeblieben, so Solmotion-Geschäftsführer Michael Keil gegenüber dem SWR. Man stehe einem ganzen Bündel von Problemen gegenüber und erlebe dies derzeit wieder beim Vorhaben, in Waldburg (Kreis Ravensburg) zwei große Agri-PV-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 18 Megawatt zu bauen. Sie könnten Süddeutschlands größte Agri-PV-Anlage werden.

Da muss man sich mal auf vier Jahre einstellen, bis dann die erste Kilowattstunde auch ins Netz fließt.

Doch vom Entschluss, solche eine Anlage zu bauen, dauere es vier Jahre, bis die erste Kilowattstunde ins Netz fließe. Das eine seien etwa Probleme mit den Netzbetreibern. Oft fehlten Netzanschlusspunkte, mit denen man Agri-PV-Anlagen überhaupt verbinden könne. Und: Die Netzbetreiber haben Solmotion zufolge weitaus längere Bearbeitungszeiten dafür als sie dürften. "Eigentlich sollten es acht Wochen sein, aber wir warten zum Teil ein Dreivierteljahr, wir haben auch schon zwölf Monate gesehen", erklärt Geschäftsführer Keil.

Das andere seien die Flächennutzungs- und Bebauungspläne der Kommunen. Erstere müssten für den Bau von Agri-PV-Anlagen geändert werden. Und das könne dauern. Keil spricht von bis zu eineinhalb Jahren, im besten Fall dauere es drei bis sechs Monate.

Knackpunkt Fördergelder: Sie fließen bisher nicht

Ein großes Problem sei zudem die fehlende Förderung solcher Anlagen. Ohne sie könnten Landwirte Agri-PV-Projekte nur schwer umsetzen. Zwar sehe das sogenannte Solarpaket I der einstigen Ampelkoalition Förderungen vor. Aber die EU blockiere das neue Gesetz. All das führe am Ende dazu, dass die Nachfrage zurückgegangen ist. Von 140 interessierten Landwirten bei einem Solmotion-Infoabend etwa seien nur wenige übrig geblieben, die Projekte umsetzen wollten, erklärt Michael Keil.

Man würde sich daher von der Politik wünschen, endlich auf Fördertöpfe zurückgreifen und solche Projekte innerhalb von zwei bis drei Jahren umsetzen zu können. Einfach, damit man Planungssicherheit habe, so Keil.

Landesregierung weist Kritik zurück

Etwas anders sieht das die Landesregierung. Es habe bei Genehmigungsverfahren sehr wohl Erleichterungen auf Bundes- und Landesebene gegeben, so das Landwirtschaftsministerium gegenüber dem SWR. Und für das Thema Förderung sei man nicht zuständig. Hier sieht das Landwirtschaftsministerium, ähnlich wie auch Solmotion-Geschäftsführer Keil, den Zwist zwischen dem Bund und der EU als den derzeit zentralen Hemmschuh für interessierte Landwirte.

Die EU-Kommission habe das Solarpaket I der damaligen Bundesregierung bis heute nicht genehmigt, heißt es aus Stuttgart. Die Ampelregierung hatte es im Mai vergangenen Jahres verabschiedet. Es sieht vor, Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien weiter zu vereinfachen und Förderungen zu bieten. Doch genau sie stören die EU-Kommission. Sie fürchtet, die Fördergelder könnten den freien Wettbewerb in der EU verzerren. Eine Lösung ist bislang nicht in Sicht.

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Dirk Polzin
SWR-Redakteur Dirk Polzin Autor Bild

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