"Es hat plötzlich einen Schlag getan" - Joscha Loibl aus Ludwigsburg saß am Sonntagabend in dem Unglückszug, der bei Riedlingen im Kreis Biberach entgleiste. Loibl habe gleich hinter der Fahrerkabine gesessen, berichtet er dem SWR. Ob am Fenster, das wisse er nicht mehr. Der Waggon sei plötzlich wie in einem Cartoon gehüpft, erst komplett auf eine Seite gekracht, dann auf die andere.
"Am Anfang habe ich gedacht, ich sterbe", so Loibl. "Ich war eingeklemmt zwischen Sitzen, die heruntergekracht waren, und Koffern. Neben mir zwei andere Menschen, die auch eingeklemmt waren, über uns weitere. Diesel lief mir über das Gesicht, in meine Augen, meinen Mund."
Passagiere im entgleisten Zug befreien sich gegenseitig
Der junge Mann war zufällig in dem Zug, auf dem Weg von einem Familienbesuch nach Hause. Seine eigentlich geplante Reiseroute war aufgrund von Bauarbeiten gesperrt. Nach dem Aufprall am Sonntagabend sei es sekundenlang still im Waggon gewesen, "wie eine Blase". Dann hätten die Passagiere sich gegenseitig befreit.
Wie krass das Miteinander plötzlich war.
Gemeinsam hätten sie die Sitze angehoben, damit ein Fuß herausgezogen werden konnte. Kindern zuerst geholfen, einer Schwangeren. Eine Frau habe mit einem Schlüssel seinen Pulli zerschnitten, damit er frei kam. Dann sei die Feuerwehr mit Leitern gekommen und habe alle nach und nach herausgeholt.
Loibl hat bei dem Entgleisen des Regionalzugs von Sigmaringen nach Ulm Prellungen erlitten. Er hat das Uniklinikum Ulm am Freitag nach dem Unfall verlassen.
Mir geht's gut. Den meisten geht's gut. Und man muss halt irgendwie weitermachen.
Drei Menschen haben das Zugunglück bei Riedlingen nicht überlebt: der 32-jährige Lokführer, ein 36-jähriger Auszubildender und eine 70 Jahre alte Reisende.
Nach dem Zugunglück als erstes die Familie informiert
Er habe in der Vergangenheit bereits einen schweren Autounfall überlebt, sagt Loibl. Deshalb sei es nicht das erste Mal, dass er sich "wie bei einem zweiten Geburtstag" fühle. Auch sein Laptop habe überlebt. Er habe als erstes, als er aus dem entgleisten Zug herausgekommen war, "einen Hotspot abgecheckt" und seiner Mutter eine Kurznachricht geschickt. "Glück gehabt", sagt Joscha Loibl.