Analyse des SWR Data Lab

So gefährdet sind Gemeinden am Bodensee und in Oberschwaben bei Hochwasser

Wie sind die Gemeinden in der Region Bodensee-Oberschwaben auf Starkregen und Hochwasser vorbereitet? Erst 2024 hat es Überflutungen in der Region gegeben. Seither hat sich einiges getan.

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Von Autor/in Martin Hattenberger

Eine neue Erhebung des SWR Data Lab zeigt, wie die Kommunen und Kreise in Baden-Württemberg auf Hochwasser und Starkregenereignisse vorbereitet sind und wo es noch Nachholbedarf gibt.

Schaut man auf den Hochwasserschutz, sehen sich viele Gemeinden und Kreise gut aufgestellt. So gibt der Kreis Ravensburg an, durch entsprechende Einsatzpläne für den Katastrophenfall vollumfassend aufgestellt zu sein. Doch die Vorgehensweise für Alarmierung und Evakuierungen liege bei den Gemeinden. Auch der Kreis Konstanz gibt an, für alle Einsatzszenarien Pläne zu haben. Starkregen sei bei den Einsatzplänen Unwetter/Orkan mitbedacht.

Wenn man aber auf die einzelnen Kommunen schaut, wird schnell deutlich: Viele haben gar keine Alarmierungs- und Evakuierungspläne, auch wenn sie durch Flüsse oder Fließgewässer potenziell gefährdet sind. Im Kreis Ravensburg sind das etwa Aulendorf, Horgenzell oder Wilhelmsdorf.

Im Bodenseekreis sind Gemeinden, die in der Vergangenheit immer wieder betroffen waren, wie etwa Deggenhausertal oder Meckenbeuren, laut Eigenauskunft mit vollständigen Alarmierungs- und Einsatzplänen ausgestattet, inklusive Evakuierungsszenarien.

Gerade beim Blick auf vulnerable Gruppen, etwa Menschen mit Behinderung oder alte Menschen, gibt es aber großen Nachholbedarf. Laut Erhebung des SWR Data Lab haben viele Kommunen entweder keine Evakuierungspläne für diese Personengruppen oder haben auf die Anfrage nicht geantwortet. Nur die wenigsten Kommunen sind darauf vorbereitet.

Ein Blick auf Alarmierungspläne im Starkregenfall zeigt, dass viele Kommunen an Plänen arbeiten, etwa Friedrichshafen (Bodenseekreis), Ostrach (Kreis Sigmaringen) oder Ravensburg.

Seit 2024 haben die Gemeinden viel investiert

Seit dem Jahrhunderthochwasser 2024 haben die besonders betroffenen Gemeinden in der Region viel unternommen. In Meckenbeuren (Bodenseekreis) hatte es damals im Ortsteil Kehlen große Schäden gegeben. Die Gemeinde will in den kommenden Jahren 4,6 Millionen Euro für den Hochwasserschutz ausgeben, unter anderem für leistungsstarke Pumpen. Auch Schutzmauern und selbstschließende Abwasserdeckel sind geplant.

Anfang Juni 2024 überschwemmte das Hochwasser die Festhalle und die Grundschule von Kehlen, einem Teilort von Meckenbeuren.
Festhalle und Schule in Kehlen standen damals unter Wasser. Die Schussen überschwemmte im Juni 2024 Teile von Meckenbeuren. Besonders betroffen war der Teilort. picture alliance/dpa | Felix Kästle Bild in Detailansicht öffnen
Wilhelm-Schussen-Grundschule in Kehlen steht unter Wasser
Bei der Wilhelm-Schussen-Grundschule drang das Wasser auch ins Kellergeschoss ein. Pressestelle Kreisfeuerwehrverband Bodenseekreis Bild in Detailansicht öffnen
Wilhelm-Schussen-Grundschule in Kehlen im Mai 2026
Zwei Jahre später sind die Schäden von damals außen am Schulgebäude nicht mehr zu erkennen. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Hochwasser an Festhalle und Sportplatz in Kehlen im Juni 2024
2024 überschwemmte das Hochwasser auch die Karl-Brugger-Halle und den Sportplatz davor. Moritz Kluthe Bild in Detailansicht öffnen
Festhalle und Sportplatz in Kehlen im Mai 2026
Jetzt kommen auch der Parkplatz und der Sportplatz wieder zum Vorschein. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Die ganze Nacht hindurch haben Bagger viele Tonnen Kies aufgeschüttet, um das Regenrückhaltebecken abzusichern.
Schlimmeres verhindert wurde in Leutkirch, dank des Regenrückhaltebeckens im Ortsteil Urlau. Kräfte von Feuerwehr und THW sicherten damals den Damm ab. So wurde eine Überschwemmung des Teilorts verhindert. Alfred Knödler Bild in Detailansicht öffnen
Regenrückhaltebecken Urlau bei Leutkirch im Mai 2026
Zwei Jahre später ist am Regenrückhaltebecken Ebbe angesagt. Wolfgang Wanner Bild in Detailansicht öffnen
Pegelstand vor Konstanz am 9. Juni 2024
Auch der Bodensee hatte vor zwei Jahren deutlich mehr Wasser. Der Bodenseepegel an der Imperia-Statue in Konstanz stand am 9. Juni 2024 bei fast fünf Metern. Bild in Detailansicht öffnen
Pegel vor Konstanz am 28. Mai 2026
Knapp zwei Jahre später steht der Pegel am 28. Mai 2026 bei 3,10 Meter, fast zwei Meter weniger. Laut der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg fehlen nur noch wenige Zentimeter zum historischen Minimalwert. Der lag bei 3,01 Meter. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Hoher Bodenseepegel im Juni 2024 an der alten Rheinbrücke in Konstanz
Die Stützen der alten Rheinbrücke waren beim Hochwasser im Juni 2024 fast nicht mehr zu sehen. H. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Alte Rheinbrücke in Konstanz im Mai 2026 bei Niedrigwasser im Bodensee.
Ende Mai 2026 ist deutlich mehr Platz für größere Boote unter der Rheinbrücke in Konstanz. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Konstanzer Stadtgarten im Juni 2024 bei Hochwasser
Der Bodensee war damals bis auf wenige Zentimeter an den Konstanzer Stadtgarten herangerückt. H. Eichenhofer Bild in Detailansicht öffnen
Konstanzer Stadtgarten bei Niedrigwasser im Mai 2026
Zwei Jahre später dagegen ist der Pegel des Bodensees so niedrig, dass man auf den Grund blicken kann. Friederike Fiehler Bild in Detailansicht öffnen
Hochwasser im Bodensee vor Uhldingen im Bodenseekreis
Ab Ende Juni 2024 erreichte die Bodenseeregion ein weiteres Hochwasser. Anfang Juli 2024 war der Bodensee, etwa in Uhldingen-Mühlhofen (Bodenseekreis), unweit der Pfahlbauten, auch deutlich über das Ufer getreten. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Uhldingen Ende Mai 2026. Keine Überschwemmungen am Ufer und Pfahlbauten stehen frei.
Zwei Jahre später, Ende Mai 2026, ist der Kiesstrand am Ufer wieder frei - und auch die Pfähle der Pfahlbauten. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen

In Leutkirch (Kreis Ravensburg) drohte 2024 ein Damm zu brechen. Dieser Damm soll nun umfassend saniert werden. Außerdem setzt die Gemeinde auf Kamerasysteme, die die Pegel überwachen und eine Überprüfung der Hochwasserrückhaltebecken.

Auch Markdorf (Bodenseekreis) war 2024 vom Hochwasser betroffen. Besonders hatte es damals den Campingplatz dort erwischt. Aufgrund der Topografie sei Markdorf auch zukünftig teilweise als gefährdet einzustufen, heißt es von der Stadt. Deshalb wurde eine Starkregengefahrenkarte erarbeitet. Zudem gab es im vergangenen Jahr Bürgerinformationsveranstaltungen zu der aktuellen Lage.

Wassermassen fließen nach dem Unwetter im Juni 2024 über den Campingplatz Markdorf.
Wassermassen fließen nach dem Unwetter im Juni 2024 über den Campingplatz Markdorf. Nadine Ghiba (Archivbild)

Hausbesitzer sollen bei Hochwasserschutz mithelfen

Die Stadt Friedrichshafen (Bodenseekreis) verweist in einer Mitteilung darauf, dass durch recht einfache Maßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger selbst helfen können, den Hochwasserschutz voranzubringen. So sollten Grünabfälle in Flussnähe vermieden werden, damit diese im Falle eines Hochwassers nicht mitgerissen werden und später Abläufe verstopfen. Zudem sollten die Bewohner in gefährdeten Bereich prüfen, ob ihre Gebäude möglichen Wassermassen standhalten könnten.

Die Stadt Markdorf hat im Juli mehrere Beratungstermine zu diesen Themen angeboten, bei denen ein Ingenieursbüro Bürger zu Hochwasserschutzmaßnahmen berät.

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Autor/in
Martin Hattenberger
SWR-Redakteur Martin Hattenberger Autor Bild

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