Zwei Jahre nach dem Jahrhunderthochwasser in der Region Bodensee-Oberschwaben ziehen die dortigen Kommunen Bilanz. Zahlreiche Schutzmaßnahmen werden umgesetzt: Dämme saniert, Pumpwerke ausgebaut, neue Gefahrenkarten erstellt. Millioneninvestitionen - und für Land und Kommunen gibt es auch weiter viel zu tun beim Hochwasserschutz.
Leutkirch-Urlau: Gefährdeter Damm wird saniert
"Das waren ja wirklich dramatische Tage", sagt Hans-Jörg Henle (parteilos), Oberbürgermeister in Leutkirch im Allgäu. Das Hochwasser vor zwei Jahren war für ihn ein Einschnitt, der seine Sicht auf den Hochwasserschutz noch einmal maßgeblich geprägt hat.
Damals richteten sich die bangen Blicke auf einen Damm bei Urlau, der zu brechen drohte. Denn das Hochwasserrückhaltebecken am Moorgebiet Taufach-Fetzachmoos war vollgelaufen. "Wir alle haben das schmerzhaft erfahren, dass wir uns nicht auf das Becken verlassen können," so Henle. Der Damm konnte stabilisiert werden - zugleich wurde klar: Weitere Maßnahmen sind nötig.
Stadt und Land arbeiten nach Angaben des Oberbürgermeisters an zusätzlichen Schutzmaßnahmen. Die Stadt etwa setzt inzwischen auf Kamerasysteme, um Pegelstände an Bächen ständig zu überwachen. Der damals gefährdete Damm soll laut Regierungspräsidium Tübingen noch in diesem Jahr umfangreich saniert werden. Zudem steht auch das Hochwasserrückhaltebecken im Blick. Derzeit läuft eine Sicherheitsüberprüfung, deren Ergebnisse in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen.
Als eine große Aufgabe für die Zukunft sieht es Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle an, sogenannte Entlastungsflächen zu finden, wohin Wasser abgeleitet werden könne. Diese Flächen seien allerdings schwer zu bekommen.
Meckenbeuren: Millionen für besseren Hochwasserschutz
Die ganze Kraft des Hochwassers zeigte sich 2024 insbesondere in der Gemeinde Meckenbeuren im Bodenseekreis. Im Ortsteil Kehlen überschwemmte das Wasser der Schussen die Wilhelm-Schussen-Schule. Auch die Karl-Brugger-Halle und das Dorfgemeinschaftshaus waren von dem Hochwasser stark betroffen.
Reparaturarbeiten und Hochwasserschutz Die Folgen des Jahrhunderthochwassers in Meckenbeuren
Anfang Juni 2024 hat ein Hochwasser viele Gebiete im Bodenseeraum überschwemmt. Die Gemeinde Meckenbeuren war besonders stark betroffen. Einige Reparaturarbeiten laufen noch.
Um sich künftig besser zu schützen, plant die Gemeinde Investitionen von rund 4,6 Millionen Euro. Ein wichtiger Punkt für die Gemeinde sind Pumpen. Sie sollen helfen, Wasserstände bei künftigen Hochwassern auf einem weniger kritischen Pegel zu halten. Geplant ist so nicht nur die Verbesserung bestehender Anlagen, sondern auch ein Neubau eines Regenwasserpumpwerks.
Zudem hat Meckenbeuren für rund 145.000 Euro eine neue mobile Hochleistungspumpe angeschafft. Sie ist auf einem Anhänger montiert und kann bis zu 5.500 Liter pro Minute, das entspricht etwa 37 Badewannen voll Wasser, in sechzig Sekunden auspumpen. Weitere Schutzmaßnahmen sind laut Gemeinde unter anderem selbstschließende Kanaldeckel für Extremwetter sowie Hochwasserschutzmauern.
Schussenkonferenz: Kommunen stimmen Schutzmaßnahmen ab
Seit über einem Jahr gibt es zudem die Schussenkonferenz. Hier kommen die Bürgermeister entlang des gleichnamigen Flusses zusammen, um über den Hochwasserschutz zu beraten. Gespannt erwartet werden aktuell vor allem die neuen Hochwassergefahrenkarten. Darin sind auch Erkenntnisse aus dem Hochwasser von 2024 eingeflossen.