Eine neue Erhebung des SWR Data Lab zeigt, wie die Kommunen und Kreise in Baden-Württemberg auf Hochwasser und Starkregenereignisse vorbereitet sind und wo es noch Nachholbedarf gibt.
Schaut man auf den Hochwasserschutz, sehen sich viele Gemeinden und Kreise gut aufgestellt. So gibt der Kreis Ravensburg an, durch entsprechende Einsatzpläne für den Katastrophenfall vollumfassend aufgestellt zu sein. Doch die Vorgehensweise für Alarmierung und Evakuierungen liege bei den Gemeinden. Auch der Kreis Konstanz gibt an, für alle Einsatzszenarien Pläne zu haben. Starkregen sei bei den Einsatzplänen Unwetter/Orkan mitbedacht.
Wenn man aber auf die einzelnen Kommunen schaut, wird schnell deutlich: Viele haben gar keine Alarmierungs- und Evakuierungspläne, auch wenn sie durch Flüsse oder Fließgewässer potenziell gefährdet sind. Im Kreis Ravensburg sind das etwa Aulendorf, Horgenzell oder Wilhelmsdorf.
Im Bodenseekreis sind Gemeinden, die in der Vergangenheit immer wieder betroffen waren, wie etwa Deggenhausertal oder Meckenbeuren, laut Eigenauskunft mit vollständigen Alarmierungs- und Einsatzplänen ausgestattet, inklusive Evakuierungsszenarien.
Gerade beim Blick auf vulnerable Gruppen, etwa Menschen mit Behinderung oder alte Menschen, gibt es aber großen Nachholbedarf. Laut Erhebung des SWR Data Lab haben viele Kommunen entweder keine Evakuierungspläne für diese Personengruppen oder haben auf die Anfrage nicht geantwortet. Nur die wenigsten Kommunen sind darauf vorbereitet.
Ein Blick auf Alarmierungspläne im Starkregenfall zeigt, dass viele Kommunen an Plänen arbeiten, etwa Friedrichshafen (Bodenseekreis), Ostrach (Kreis Sigmaringen) oder Ravensburg.
Seit 2024 haben die Gemeinden viel investiert
Seit dem Jahrhunderthochwasser 2024 haben die besonders betroffenen Gemeinden in der Region viel unternommen. In Meckenbeuren (Bodenseekreis) hatte es damals im Ortsteil Kehlen große Schäden gegeben. Die Gemeinde will in den kommenden Jahren 4,6 Millionen Euro für den Hochwasserschutz ausgeben, unter anderem für leistungsstarke Pumpen. Auch Schutzmauern und selbstschließende Abwasserdeckel sind geplant.
In Leutkirch (Kreis Ravensburg) drohte 2024 ein Damm zu brechen. Dieser Damm soll nun umfassend saniert werden. Außerdem setzt die Gemeinde auf Kamerasysteme, die die Pegel überwachen und eine Überprüfung der Hochwasserrückhaltebecken.
Auch Markdorf (Bodenseekreis) war 2024 vom Hochwasser betroffen. Besonders hatte es damals den Campingplatz dort erwischt. Aufgrund der Topografie sei Markdorf auch zukünftig teilweise als gefährdet einzustufen, heißt es von der Stadt. Deshalb wurde eine Starkregengefahrenkarte erarbeitet. Zudem gab es im vergangenen Jahr Bürgerinformationsveranstaltungen zu der aktuellen Lage.
Hausbesitzer sollen bei Hochwasserschutz mithelfen
Die Stadt Friedrichshafen (Bodenseekreis) verweist in einer Mitteilung darauf, dass durch recht einfache Maßnahmen, die Bürgerinnen und Bürger selbst helfen können, den Hochwasserschutz voranzubringen. So sollten Grünabfälle in Flussnähe vermieden werden, damit diese im Falle eines Hochwassers nicht mitgerissen werden und später Abläufe verstopfen. Zudem sollten die Bewohner in gefährdeten Bereich prüfen, ob ihre Gebäude möglichen Wassermassen standhalten könnten.
Die Stadt Markdorf hat im Juli mehrere Beratungstermine zu diesen Themen angeboten, bei denen ein Ingenieursbüro Bürger zu Hochwasserschutzmaßnahmen berät.