Das Waldrappteam ist wieder am Flugplatz in Binningen angekommen. Am Dienstag haben Helferinnen und Helfer dort ihr Camp aufgebaut und den neuen Aufzuchtswagen für die 32 Waldrapp-Küken vorbereitet. Damit die Tiere es warm haben, haben die Helferinnen und Helfer Wärmelampen aufgehängt. Am Abend sind dann die Vögel mit einem Auto aus dem Tierpark Rosegg in Tirol angekommen.
Die Ziehmütter füttern von Hand
Die Waldrapp-Küken sind nur wenige Tage nach dem Schlüpfen von ihren Müttern getrennt worden und werden seither von ihren menschlichen Ziehmüttern großgezogen. Dazu gehört auch, dass sie von Hand durch die Ziehmütter gefüttert werden. Auf dem Speiseplan stehen lebendige Mehlwürmer, aber auch Heimchen, pürierte Ratte, Maus oder Küken. Die Ziehmütter bereiten die Mahlzeiten vor, mischen etwas Kalk für das Wachstum der Vögel bei und stopfen es ihnen in den Schnabel.
Flugtraining mit Ultraleichtflugzeug im Juni
Nun dürfen die Waldrapp-Küken erst einmal in Binningen ankommen. Die Küken freuten sich sichtlich, nach knapp acht Stunden Autofahrt die engen Umzugskisten zu verlassen und in ihre mit Moos bedeckten Nester in dem Aufzuchtswagen zu dürfen. Dabei flatterten sie schon fleißig mit ihren Flügeln. Nicht mehr lange und die Tiere werden ihr Nest verlassen und die Umgebung in der großen Voliere erkunden. Dann stehen auch die ersten Flüge an. Und das Waldrappteam gewöhnt sie langsam an ein Fluggerät. Denn im Juni soll das Flugtraining mit einem Ultraleichtflugzeug starten. Die Vögel lernen dann, ihren Ziehmüttern zu folgen, wenn diese in dem Ultraleichtflugzeug sitzen. Das Ziel im Spätsommer: eine Migration nach Andalusien.
Doch kein Camp in Riedlingen
Ursprünglich war geplant, dass das Aufzuchtcamp in diesem Jahr in Riedlingen (Kreis Biberach) aufgebaut werden sollte. Doch in letzter Minute entschied sich das Waldrappteam um. Der Grund laut Waldrappteam: In Riedlingen hätten sich einige Landwirte, die angrenzende Wiesen bewirtschaften, quergestellt. Doch weil diese Wiesen für die Arbeit immer wieder mitbenutzt werden müssten, sei es wichtig, dass da alle Beteiligten mitziehen, so Johannes Fritz vom Waldrappteam. Daher habe man sich für den Umzug nach Binningen entschieden.
Die Landwirte widersprechen: Das Waldrappteam habe sich nicht an die vertraglich vereinbarte Größe der genutzten Fläche gehalten. Man habe das Vorhaben gerne unterstützt, aber wenn Absprachen nicht eingehalten würden, sei eine Zusammenarbeit schwierig, sagte ein Landwirt dem SWR.
In Binningen wurden schon vor drei Jahren erfolgreich Waldrapp-Küken großgezogen.