Hitzewellen und die Anpassung an den Klimawandel stellen viele Kommunen vor Herausforderungen. In den meisten Innenstädten wird es in den Sommermonaten unerträglich heiß. Gefragt sind Ideen, wie man für Abkühlung sorgen kann. Eine Stadt, die bereits konkrete Maßnahmen ergriffen hat, ist Konstanz am Bodensee.
Maßnahmen gegen die Hitze: Entsiegelung und Begrünung
Die Stadt Konstanz hatte 2019 als erste Kommune in Deutschland den "kommunalen Klimanotstand" ausgerufen. Seitdem setzt sie auf eine Kombination aus Klimaschutz und Anpassung an die Klimafolgen, um sich den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen. Dafür hat Konstanz ein Amt für Klimaschutz geschaffen.
Fünf Jahre Klimanotstand: Klimatag in Konstanz Was ist in Konstanz für den Klimaschutz passiert - was muss noch passieren?
Vor fünf Jahren ist in Konstanz der Klimanotstand ausgerufen worden. Konstanz war die erste Stadt in Deutschland, parallel zu Städten wie Los Angeles und London. Was hat es gebracht?
Die Mitarbeiter des Klimaschutzamtes kümmern sich zum Beispiel um Solardächer auf öffentlichen Gebäuden, um die Konzeption von Fernwärmenetzen und um CO2-arme Heizungsanlagen.
Städte als Verursacher und Leidtragende des Klimawandels
Städte seien die Hauptverursacher und auch die Hauptleidtragenden des Klimawandels, sagt der Oberbürgermeister von Konstanz, Uli Burchardt (CDU). In den Städten werde die meiste Energie, die meiste Wärme benötigt. Gleichzeitig seien in den Städten die Folgen von Hitze und Wassermangel direkt zu spüren. Dunkle Asphaltoberflächen würden die Wärme speichern, Fassaden die Wärme speichern und den Wind bremsen, hinzu käme noch Abwärme von Verbrennungsmotoren.
Flächen in Konstanz entsiegeln und Bäume pflanzen
Oberbürgermeister Burchardt betont, wie wichtig es sei, sowohl Treibhausgas-Emissionen zu reduzieren als auch Maßnahmen für eine lebenswertere Stadt zu ergreifen. Dazu gehört laut Burchardt zum Beispiel die Entsiegelung von betonierten Flächen.
Wir schaffen wieder offene Oberflächen, in denen Regen versickern und Wasser gespeichert werden kann, wo man sich gut aufhalten kann – und gerne aufhält.
Aber nicht nur asphaltierte Plätze und Parkplätze werden aufgebrochen, um offene Oberflächen zu schaffen, die Wasser speichern und abkühlen können. Auch die Begrünung der Stadt steht ganz oben auf der Agenda. Auf dem umgestalteten Areal vor dem Bahnhof wurden zum Beispiel gerade erst besonders klimaresistente Bäume gepflanzt. Man habe jede Ecke in der Stadt darauf überprüft, ob man dort noch Bäume hinstellen könne, sagt OB Burchardt. Und das gelte nicht nur für öffentliche Flächen.
Seit 2019 wurden in Konstanz 3.300 Bäume an Privatpersonen verschenkt, die sie auf ihren Grundstücken pflanzen können.
Kritik an Maßnahmen zum Klimaschutz
Die Umsetzung solcher Maßnahmen sei nicht immer einfach, heißt es von der Stadt. Entsiegelungen etwa von Parkplatzflächen stießen oft auf Widerstand, beispielsweise bei Autofahrern oder Einzelhändlern. Auch die Finanzierung stelle eine Hürde dar: Ein einzelner Baum kostet die Stadt nach eigenen Angaben rund 1.000 Euro.
Klimawandel: Schutz der Bevölkerung durch Aufklärung
Neben baulichen Maßnahmen setzt Konstanz auch auf Aufklärung und Prävention. Das ist Lorenz Heublein, dem stellvertretenden Leiter des Klimaschutzamtes, besonders wichtig. Vor allem mit Blick auf die ältere Bevölkerung. Ziel solcher Informationskampagnen sei es, dass die Menschen auch sich selber schützen - indem sie bei großer Hitze beispielsweise genug trinken oder ihren Kopf zum Schutz vor der Sonne bedecken.
Gegenüber vielen anderen Städten hat Konstanz allerdings im Sommer noch einen besonderen Standortvorteil: Die Lage direkt am Bodensee. "Wir Konstanzer haben ja das große Glück, dass wir zur Abkühlung immer noch in den See springen können", sagt Oberbürgermeister Uli Burchardt.