Wenn ein Zeppelin heute Urlauber gemächlich über den Bodensee fliegt, dann wirkt das äußerst friedlich. Die Luftschiffe vom Bodensee haben allerdings auch dunkle Kapitel in ihrer Geschichte, vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus. Das greift jetzt das Zeppelin Museum Friedrichshafen auf. In einer neuen Sonderausstellung zum 30-jährigen Bestehen des Museums geht es um "Gefühlte Wahrheiten - Zeppeline und Nationalsozialismus".
Über die Zeppeline in der NS-Zeit halten sich hartnäckig solche "gefühlten Wahrheiten", sagt der langjährige und im September scheidende Kurator des Zeppelin Museums, Jürgen Bleibler: dass beispielsweise Hakenkreuze nur widerwillig auf die Luftschiffe gemalt worden seien, oder dass die Zeppeline nach dem Ersten Weltkrieg nur noch dem friedlichen Luftverkehr und der Völkerverständigung gedient hätten.
Tatsächlich haben sich die Nationalsozialisten der technischen Faszination und der Propaganda-Wirkung dieser emotional aufgeladenen Geräte bedient.
NS-Propaganda am Himmel: Luftschiffe im Dienst der NSDAP
In der Ausstellung erzählt wird daher von Zeppelinfahrten 1936, auf denen bunte Flugblätter der NSDAP abgeworfen wurden und Hakenkreuzflaggen, die an kleinen Ballons herabsegelten. Gezeigt wird ein alter Film über das Luftschiff "Hindenburg", das im selben Jahr bei den Olympischen Spielen über Adolf Hitler kreiste. Auf einer anderen Wand geht es um die "Sudetendeutsche Freiheits- und Befreiungsfahrt“ 1938 über der Tschechoslowakei, die tatsächlich eine Machtdemonstration des NS-Regimes war.
Das ist in der Ausstellung "Zeppeline und Nationalsozialismus" im Zeppelin Museum zu sehen:
Distanz durch Gestaltung: Ausstellungskonzept mit Raster
200 Exponate hat das Kuratorenteam um Jürgen Bleibler aus Archiven zusammengetragen, Dokumente, Fotos und persönliche Erinnerungsstücke. Präsentiert werden sie – anders als im Zeppelin Museum üblich - absolut nüchtern: In den Ausstellungsräumen sind riesige Infowände schräg aufgestellt wie Staffeleien, und alles, was dort und auf großen Tischen zu sehen ist, ist mit einem aufgedruckten Gittermuster überzogen, das kritische Distanz schaffen soll.
Wir haben dieses Raster gewählt um klarzumachen: Wir treten ein Stück zurück. Es geht um eine Rückkehr zu den Objekten, zu den Quellen und darum, sich zu fragen, welche Spuren haben wir eigentlich, wie sind die zugänglich und welches Wissen lässt sich von ihnen ableiten.
Neue Sicht auf Luftschiffkapitän Hugo Eckener und die Zeppelin-Industrie
Erstmals kritisch hinterfragt wird auch die Rolle des Luftschiffkapitäns und Nachfolgers des Grafen Zeppelin, Hugo Eckener, in der NS-Rüstungswirtschaft. Gezeigt wird ebenso der Umgang der Zeppelin-Unternehmen mit Zwangsarbeitern und die Rolle des Werksmuseums der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, des Vorgängers des Zeppelin Museums. Es war 1938 einrichtet worden, mit Reichsadler und Hakenkreuz an der Wand.