Rund elf Milliarden Euro Schulden

Wie der neue ZF-Chef den Konzern retten will

Für den ZF-Chef Mathias Miedreich ist die wichtigste Aufgabe in den kommenden Jahren der Abbau des Schuldenberges von rund elf Milliarden Euro. Miedreich ist seit Oktober im Amt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Thomas Wagner

Den raschen Abbau des Schuldenberges in Höhe von rund elf Milliarden Euro nannte der neue Vorstandschef des Autozulieferkonzerns ZF Friedrichshafen AG, Mathias Miedreich, als wichtigste Aufgabe in den kommenden zwei Jahren. Miedreich, erst seit Anfang Oktober im Amt, stellte vor dem Stuttgarter Wirtschaftspresseclub ein aus drei Punkten bestehendes Maßnahmenpaket vor.

Programm "Perform 2026" soll Finanzen von ZF in Ordnung bringen

Weißes Hemd, Krawatte, das Sakko eher lässig über den Stuhl gelehnt - vor den Mitgliedern des Stuttgarter Wirtschaftspresseclubs lässt Mathias Miedreich an seiner Entschlossenheit, die Verbindlichkeiten des Konzerns abzubauen, keinen Zweifel.

Für uns sind die nächsten zwei Jahre entscheidend, was die Entschuldung des Unternehmens angeht.

Ein aus drei, wie es Miedreich formuliert, "Handlungssträngen" bestehendes Maßnahmenpaket soll die ZF-Finanzen wieder in Ordnung bringen: Da wäre zum einen das Programm "Perform 2026". Da geht es um Effizienzsteigerungen - und um das Bemühen, durch Produktionssteigerungen wieder die ZF-Klassen klingeln zu lassen.

Frisches Geld braucht der Konzern. Oder wie es Miedreich formuliert: "Cash Flow, Cash Flow - und nochmals Cash-Flow, also Mittel-Zuflüsse." Auch die angekündigte Streichung von bis zu 14.000 Stellen an deutschen ZF-Standorten gehört zu diesem Programm.

Beschäftigte des Autozulieferers ZF Friedrichshafen protestieren im Juli gegen Stellenabbau und Sparmaßnahmen.
Rund 6.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben im Juli vor der ZF-Zentrale in Friedrichshafen gegen Sparmaßnahmen und den geplanten Stellenabbau protestiert.

ZF-Sparte schafft den Weg aus der Verlustzone

Einen ersten Erfolg habe der Konzern da schon erzielen können: Die sogenannte E-Division, die neben der Elektromobilität auch das Geschäft mit der klassischen Antriebs- und Getriebetechnik umfasst, war jahrelang ein Verlustgeschäft, was innerhalb des Vorstands sogar in Verkaufsüberlegungen mündete. "Nun schreiben wir da im dritten Quartal wieder eine schwarze Null", freut sich Miedreich - ein erster Erfolg auf dem weiten Weg Richtung Entschuldung.

Trumps Zölle blockieren Miedreichs Verkaufspläne

Die zweite Maßnahme: Der Verkauf oder der Börsengang einzelner profitabler Unternehmensteile. Längst wurde die Sparte "Airbags- und Sicherheitsgurte" unter der Bezeichnung ZF Livetec als eigenständiges Unternehmen organisiert. Sie befindet sich aber immer noch zu 100 Prozent im Eigentum von ZF. Dass sich dafür bisher kein Käufer gefunden hat, liege laut Miedreich auch "an der Zollpolitik von Trump".

Tatsächlich befinden sich nach SWR-Informationen mehrere ZF Lifetec-Fabriken in Mexiko, die Autohersteller in den USA beliefern - und nun durch die Einfuhrzölle Absatzprobleme bekommen. Außerdem macht Miedreich bei dieser Gelegenheit klar: Unter Wert werde man kein Unternehmensteil verkaufen.

Schließlich der dritte Punkt im Maßnahmenpaket: Miedreich will die Eigenständigkeit der einzelnen ZF-Divisionen stärken. Auch davon verspricht er sich Effizienz- und Kostenvorteile.

Miedreich ist Transparenz gegenüber der ZF-Belegschaft wichtig

Was dem neuen Vorstandschef auch wichtig ist: Transparenz in allen Schritten gegenüber der Belegschaft. Dass schmerzhafte Einschnitte, teilweise verbunden mit Personalabbau, zuweilen nötig sind, um den Konzern als Ganzes zu retten, müsse den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern immer wieder erklärt werden, sagt Miedreich vor dem Stuttgarter Wirtschaftspresseclub.

Eine Erfolgsnachricht kann der ZF-Chef schließlich noch am Schluss verkünden: Der chinesische Auto-Hersteller Leapmotor kauft so genannte "Range Extender"-Technologie von ZF; ein erster Vertrag wurde dieser Tage unterschrieben. "Range Extender" sind kleine Verbrenner-Motoren, die die Reichweite von Elektrofahrzeugen erhöhen. Und auch bei Fahrwerk-Komponenten und Plug-in-Hybrid-Technologien verzeichne man steigendes Interesse asiatischer Hersteller. 

Friedrichshafen

Wegen Chip-Krise Autozulieferer ZF Friedrichshafen plant Kurzarbeit an einzelnen Standorten

ZF in Friedrichshafen bereitet wegen Lieferengpässen des Chipherstellers Nexperia Kurzarbeit an einzelnen Standorten vor. Das bestätigte ein Sprecher dem SWR.

Friedrichshafen

Bis zu 250.000 Euro für Beschäftigte Abfindungsprogramm bei ZF Friedrichshafen geplant

Beim kriselnden Autozulieferer ZF Friedrichshafen soll es offenbar ein Abfindungspaket geben. In den nächsten Jahren sollen 14.000 Stellen abgebaut werden.

Friedrichshafen

Stellenabbau und Kosteneinsparungen Sparkurs bei ZF: Mitglieder der IG Metall stimmen für Sanierungsplan

Mitglieder der IG Metall unterstützen den Sparkurs bei der Antriebssparte des Autozulieferers ZF Friedrichshafen. Bei einer Abstimmung votierten sie für den Sanierungsplan.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Thomas Wagner
SWR-Redakteur Thomas Wagner Autor Bild

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!