Lange hatte Mercedes – genauso wie auch andere deutsche Autohersteller – auf einen Extra-Zoll-Deal mit den USA gehofft. Die Chance darauf hat sich mit der Vereinbarung zwischen der EU und den USA erstmal zerschlagen. Mercedes-Chef Ola Källenius sagte heute in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass man nun erst einmal mit dem "Deal" zwischen den Handelspartnern leben müsse:
Somit ist jetzt dieser Deal: der Deal. Ob man das ergänzen kann - durch dann Zusatzvereinbarungen auf Branchen oder Firmenebene - das kann man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Sollte es möglich sein, dann würden wir die Diskussion weiter führen. Aber wir rechnen nicht damit.
Nach derzeitigem Stand sollen künftig 15 Prozent Zoll auf Einfuhren in die USA fällig werden. Das ist zwar weniger als die 27,5 Prozent, die die Hersteller seit April bezahlen müssen. Aber es ist immer noch deutlich mehr als vor der Amtszeit von Donald Trump: da lagen die Zölle bei 2,5 Prozent.
Mercedes exportiert auch aus den USA heraus
Aber: für Fahrzeuge, die aus den USA in die EU exportiert werden, wird künftig wohl kein oder ein deutlich geringerer Zoll anfallen. Davon würde Mercedes profitieren. Der Autobauer exportiert aus den USA heraus in die ganze Welt, so Källenius. Der Abbau der Handelshemnisse dort würde das Geschäft fördern. Mercedes exportiert zwei Drittel der im US-Werk in Alabama gebauten Fahrzeuge (meist SUV) ins Ausland.
Wir sind deutsch-europäisch, amerikanisch und auch in China gut aufgestellt. (..) Aber es gehört auch zur Wahrheit, dass wir mit diesem Produktionsnetzwerk mehr oder weniger in allen Richtungen exportieren und importieren. Das muss man jetzt überprüfen und schauen, wo gibt es dort Optimierungspotenzial.
Bislang trägt der Autobauer die höheren Zoll-Kosten
Insgesamt allerdings werden die negativen Zolleffekte aus Sicht des Unternehmens überwiegen. Schon jetzt hat die US-amerikanische Zollpolitik Mercedes hart getroffen: Bisher hat Mercedes die Erhöhung laut Analysten nicht über die Preise weitergegeben - und hat damit die Kosten des höheren Zolls getragen. Allein bei den Pkw waren das den Angaben zufolge etwa 370 Millionen Euro. Die Zölle belasten nicht nur Mercedes: Auch der Sportwagenhersteller Porsche kämpft mit der Erhöhung. Auf Dauer aber lasse sich diese Preisgestaltung nicht durchhalten, meint der Autoexperte Stefan Bratzel.
Man wird einen Teil sicherlich drauf schlagen und den anderen Teil wird man versuchen durch entsprechende Kosteneinsparungen und Profitmargen-Reduzierungen zu kompensieren.
Stuttgarter Autobauer legte im Februar Sparprogramm auf
Neben den Zöllen macht der schwächelnde chinesische Markt und die immer größere werdende Konkurrenz dort dem Unternehmen zu schaffen. In der Krise setzt Mercedes auf ein Sparprogramm – und will bis 2027 jährlich 5 Milliarden Euro einsparen, auch mit Jobabbau. Mehr als 40.000 Beschäftigte außerhalb der Produktion haben ein Angebot bekommen, das Unternehmen mit einer Abfindung zu verlassen. Der Gesamtbetriebsrat stimmte einem umfangreichen Maßnahmenpaket zu, das auch ein Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen vorsieht. Im zweiten Quartal wurde dafür mehr als eine halbe Milliarde Euro zurückgestellt. Finanzvorstand Harald Wilhelm sagte dazu in der Telefonkonferenz:
Definitiv wird die Zahl im zweiten Halbjahr nach oben gehen, weil wir - denke ich - an der Ecke schon ein attraktives Angbot für die Mitarbeiter gemacht haben.
Sparprogramm könnte nicht ausreichen
Ob das Sparprogramm reichen wird? Dazu meint Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft in Geislingen, man müsse bis Ende des Jahres warten, um eine fundierte Bewertung abgeben zu können:
Wir haben Nordamerika mit den Zöllen das Problem und mit dem chinesischen Markt. Diese Probleme überlagern sich natürlich. Das heißt, man muss die Situation nach dem zweiten Halbjahr nochmal bewerten und dann entscheiden müssen, ob die fünf Milliarden bis 2027 reichen werden“.
Die gute Nachricht aus Reindls Sicht: Die deutschen Hersteller, inklusive Mercedes machen aktuell Gewinne – keine Verluste. Zwar gehen die Gewinne zurück, aber die Ergebnisse sind – trotz des schwierigen Umfeldes – noch positiv.
Autoexperte: Verkauf muss wieder steigen
Autoexperte Stefan Bratzel hält das Sparprogramm für einen wichtigen Schritt. Wenn auch möglicherweise nicht für den letzten. Denn wenn es Mercedes-Benz nicht gelinge, höhere Absatzzahlen und damit auch eine höhere Produktion zu erzielen, so Bratzel, dann seien auf Dauer weitere Kapazitätsreduzierungen notwendig, die auch zu zusätzlichen Sparmaßnahmen führen können.
In diesem Jahr, heißt es bei Mercedes heute, werde der Absatz geringer ausfallen als im Vorjahr. In den nächsten Jahren aber sollen neue Fahrzeuge dann die Wende bringen.
Gewinn bei Mercedes-Benz bricht um mehr als die Hälfte ein
Der Gewinn bei Mercedes-Benz ist im ersten Halbjahr um mehr als die Hälfte eingebrochen. Das Konzernergebnis sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55,8 Prozent von rund 6,1 Milliarden Euro auf rund 2,7 Milliarden Euro abgesackt, wie der Autobauer mitteilte. Als Gründe dafür führten die Stuttgarter unter anderem Zölle, geringere Absatzzahlen und Aufwendungen für Effizienzmaßnahmen an.
Mit Blick auf das laufende Geschäftsjahr rechnet Mercedes nun mit einem Konzernumsatz deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte soll 2025 nur noch zwischen vier und sechs Prozent liegen. Im ohnehin schon schwachen Vorjahr betrug sie 8,1 Prozent. Auch der Absatz werde voraussichtlich deutlich niedriger ausfallen.
Mercedes-Benz: Umsatz auf rund 66,4 Milliarden Euro gefallen
Der Umsatz fiel im ersten Halbjahr um 8,6 Prozent von 72,6 Milliarden Euro auf rund 66,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) ging um rund 55 Prozent von 7,9 Milliarden Euro auf rund 3,6 Milliarden Euro zurück.
Im ersten Halbjahr 2025 verkaufte der Stuttgarter Autobauer 900.000 Autos - sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei den reinen E-Autos ist der Verkauf eingebrochen, und zwar um fast 20 Prozent.
Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Mercedes-Benz einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen müssen. Vor allem wegen des schlecht laufenden Geschäfts in China. Das Konzernergebnis brach 2024 im Jahresvergleich bereits um gut 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro ein. Der Umsatz fiel im Gesamtjahr um 4,5 Prozent auf 145,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern rutschte um fast ein Drittel auf 13,6 Milliarden Euro ab.
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Mercedes-Benz muss sparen. 28 Prozent weniger Gewinn im Jahr 2024 hinterlassen Spuren. Mit einem Plan will der Autobauer wieder profitabler werden und den Absatz steigern.
Luxus-Steuer in China trifft auch Mercedes-Benz
Mitte Juli hat Peking jetzt die Grenze für die Luxussteuer herabgesetzt. Bei einem Pkw-Preis von etwa 110.000 Euro werden nun zehn Prozent zusätzliche Steuerabgaben fällig. Dies wird das ohnehin schon angeschlagene China-Geschäft wohl weiter belasten.