Fellbach fast voll versorgt – Albstadt Schlusslicht
Landkreise schneiden noch schlechter ab
Zieht der Glasfaser-Ausbau bald an?
Glasfaser oder DSL?
Beim Ausbau von schnellem und stabilem Glasfaser-Internet hinkt Baden-Württemberg im Bundesvergleich deutlich hinterher. In den größten Städten des Landes liegt die Glasfaserquote bei durchschnittlich 28,1 Prozent - im bundesweiten Städte-Durchschnitt sind es 39 Prozent. Das geht aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Daten dafür stammen aus dem Breitbandatlas der Bundesnetzagentur (Stand: Juni 2025).
Fellbach fast voll versorgt – Albstadt Schlusslicht
Die Spannbreite in Baden-Württemberg ist groß: Während einzelne Kommunen nahezu komplett versorgt sind, haben andere nur minimale Abdeckung. Spitzenreiter unter den größeren Städten ist Fellbach im Rems-Murr-Kreis: 96 Prozent der Haushalte verfügen dort über einen Glasfaseranschluss im Gebäude oder in der Wohnung. Dahinter folgen Ludwigsburg (95,2 Prozent) und Ostfildern im Landkreis Esslingen (69,4 Prozent).
Insgesamt überschreiten der Analyse zufolge aber nur sechs der 50 größten Städte im Land die Marke von 50 Prozent. Neben den drei Spitzenreitern sind das Lörrach (63,9 Prozent) in Südbaden, Leonberg bei Stuttgart (62,4 Prozent) und Offenburg im Ortenaukreis (55,3 Prozent). Die zehn größten baden-württembergischen Städte landeten hingegen teilweise deutlich weiter hinten in dem Ranking:
- Platz 7: Heilbronn (48,6 Prozent
- Platz 9: Freiburg im Breisgau (47,5 Prozent)
- Platz 13: Reutlingen (36,1 Prozent)
- Platz 14: Mannheim (35,9 Prozent)
- Platz 15: Karlsruhe (34,6 Prozent)
- Platz 16: Stuttgart (34,1 Prozent)
- Platz 18: Heidelberg (33,5 Prozent)
- Platz 29: Esslingen am Neckar (21,2 Prozent)
- Platz 33: Pforzheim (17,0 Prozent)
- Platz 38: Ulm (9,3 Prozent)
Gleich sechs größere BW-Städte erreichen weniger als fünf Prozent Glasfaserabdeckung. Am schlechtesten schneidet Albstadt im Zollernalbkreis ab: Nur knapp ein Prozent der Haushalte ist angeschlossen. Kaum besser sieht es in Weingarten (2,8 Prozent), Schwetzingen (3,5 Prozent), Singen (3,6 Prozent) und Heidenheim an der Brenz (3,9 Prozent) aus.
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Landkreise schneiden noch schlechter ab
In den 35 Landkreisen des Landes ist die Versorgung mit Glasfaser sogar noch etwas geringer: Sie liegt demnach bei rund 26 Prozent - und damit gut zwei Prozentpunkte unter dem Wert der größeren Städte. Besonders schlecht stehen der Zollernalbkreis (4,1 Prozent) und der Main-Tauber-Kreis (7,1 Prozent) da. Die besten Werte erreichen dagegen der Landkreis Heilbronn (72,4 Prozent) und der Landkreis Lörrach (56,4 Prozent).
Zieht der Glasfaser-Ausbau bald an?
Die Glasfaserversorgung im gesamten Land liegt der Analyse zufolge bei 29,8 Prozent. Im Bundesländervergleich bilde Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Saarland und Thüringen das Schlusslicht. An der Spitze liegen Hamburg sowie die Flächenländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen - mit einer mehr als doppelt so hohen Glasfaserquote.
Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg nennt einen Grund: "Beim Netzausbau in flachen Landstrichen gibt es weniger topografische Hindernisse als in landschaftlich abwechslungsreicheren Regionen." Außerdem verweist Schamberg auf lange Förder- und Planungsphasen als weiteren Grund für die schleppende Entwicklung. "Die Landesregierung (...) hat die Dringlichkeit einer verbesserten Glasfaserversorgung erkannt und im Juli 2025 einen Glasfaserpakt zur Beschleunigung des Ausbaus unterzeichnet", sagt Schamberg.
Glasfaser ist sehr schnell
Die analysierten Breitbandatlas-Daten zeigen den Ausbaustand bei Glasfaser - aber nicht, wie viele Menschen sich tatsächlich für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Ein Großteil der Internetanschlüsse in Deutschland wird derzeit immer noch über Kupfer-Telefonleitungen betrieben (DSL/VDSL) - ein Auslaufmodell mit relativ niedriger Übertragungsrate.
Aktuell nutzt der deutsche Durchschnittshaushalt rund 100 Mbit/s. Glasfaserkabel versprechen im Up- und Download potenzielle Bandbreiten von 1.000 Mbit/s und mehr. Sie gelten daher als das richtige Rüstzeug für eine immer datenhungrigere Gesellschaft. Doch nicht jeder brauche diese Geschwindigkeiten, sagen Verbraucherschützer. Selbst hochauflösendes Streaming durch mehrere Personen in einem Haushalt bei zeitgleichem Homeoffice mit Videokonferenzen seien mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s gut zu stemmen. Auch kommen die versprochenen Geschwindigkeiten nicht immer auch in der Wohnung an, etwa wenn ein Haus einen Glasfaseranschluss hat, im Gebäude aber weiterhin Kupferkabel laufen.