Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft

Glasfaserausbau stockt: Schlechtes Internet bremst Unternehmen in BW

Die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland leidet unter schlechtem Internet. Das zeigt eine Umfrage auch unter BW-Firmen. Es ist teilweise selbst verschuldet.

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Stand

Trotz milliardenschwerer Förderprogramme leidet die Mehrheit der Unternehmen in Deutschland unter einer schlechten Internetversorgung. 64,5 Prozent klagen über eine Behinderung ihrer Abläufe durch mangelhafte Internetversorgung, wie die Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter mehr als 1.000 Firmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen zeigt.

Besonders hoch ist der Anteil stark beeinträchtigter Unternehmen auch in Baden-Württemberg (36 Prozent fühlen sich eingeschränkt). Am besten schneiden die norddeutschen Länder ab: In Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Hamburg fühlen sich nur 23 Prozent der Firmen deutlich eingeschränkt.

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Glasfaser als Lösung

Das decke sich dem IW zufolge weitestgehend mit dem bisherigen Ausbau des Glasfasernetzes, der im Norden Deutschlands weiter vorangeschritten ist. In Baden-Württemberg haben dagegen weniger als die Hälfte der Haushalte und Unternehmen schon einen Glasfaseranschluss abschließen können. Das hänge mit der schleppenden Glasfaser-Nutzung der Unternehmen zusammen. Viele Unternehmen setzten weiterhin auf VDSL- oder Kabelanschlüsse.

Die Daten zeigen laut IW ganz klar: Dort, wo der Ausbau weit fortgeschritten sei, berichteten Unternehmen deutlich seltener von Beeinträchtigungen und in Regionen mit niedrigen Ausbauquoten klagten Unternehmen besonders häufig über Einschränkungen. Baden-Württemberg wird hierfür vom IW als "markantes Beispiel" aufgeführt: Das Bundesland weist eine der niedrigsten Ausbauquoten auf und zugleich einen der höchsten Anteile deutlich beeinträchtigter Unternehmen.

Vorhandene Anschlüsse werden nicht genutzt

Doch das liegt nicht nur an fehlenden Leitungen: Ein verlegter Glasfaseranschluss bedeutet nicht automatisch, dass er auch genutzt wird. Viele Unternehmen genauso wie viele Haushalte buchen weiterhin Verträge, die kurzfristig zu ihrem Bedarf passen, und bleiben darum auch aus Kostengründen bei den günstigeren Alternativen. "Viele Unternehmen unterschätzen, wie schnell ihr Bandbreitenbedarf etwa durch Cloud-Dienste, KI-Anwendungen oder die Nutzung digitaler Zwillinge künftig steigen wird", schreibt das IW in seinem Bericht.

Entsprechend waren laut Bundesnetzagentur 2025 bundesweit nur 27 Prozent der verfügbaren Glasfaseranschlüsse tatsächlich aktiviert. Gleichzeitig berichtet rund ein Drittel der Unternehmen in Deutschland insgesamt sogar von deutlichen Einschränkungen in ihren Geschäftsabläufen. Die steigenden Datenanforderungen könne langfristig aber nur Glasfaser erfüllen, so das Institut. "Die Ergebnisse zeigen, dass der Netzausbau allein nicht reicht", sagte IW-Digitalexpertin Barbara Engels. "Politik und Wirtschaft müssen dafür sorgen, dass die Anschlüsse auch genutzt werden."

Das sollten Unternehmen jetzt tun

Konkret meint das Institut damit etwa: Unternehmen sollten den eigenen Bedarf an höheren Bandbreiten frühzeitig bei Netzbetreibern oder Kommunen anmelden. Nur so könne der in Ausbauplanungen einfließen, die oft Jahre im Voraus passieren. Schließlich sollten Unternehmen in Gewerbegebieten oder Industrieparks ihre Nachfrage bündeln, indem sie gemeinsam gegenüber Anbietern auftreten. Auch wenn die Verträge individuell abgeschlossen werden, erhöhe eine abgestimmte Nachfrage dennoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Glasfaserausbau wirtschaftlich attraktiv wird und schneller umgesetzt werde.

Von Seiten der Politik könnten Informationsangebote, eine Ausbauplanung, die sich stärker am Bedarf orientiere, oder Anreize, die den Ausbau attraktiver machen, helfen. Laut IW lag die deutsche Glasfaserabdeckung im vergangenen Jahr unter den 27 EU-Ländern auf dem vorletzten Platz.

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Susanne Veil
Bild von SWR-Redakteurin Susanne Veil

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