Die Wirtschaft schwächelt, die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sind in der Krise, vor allem der Absatz in China und den USA bricht ein. Umso wichtiger ist es aus Sicht des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums neue Handelsbeziehungen aufzubauen. Dazu dienen Repräsentanzen und Auslandsbüros des Landes. Sie sind Ansprechpartner für baden-württembergische Unternehmen, die in die jeweiligen Länder exportieren möchten. Sie halten vor Ort Kontakt zu Wirtschaftsvertretern dieser Länder.
Um die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen neben den USA auszubauen, eröffnet Baden-Württemberg am 1. November eine neue Repräsentanz in Kanada. Die neue Anlaufstelle in Toronto ist bei der deutsch-kanadischen Industrie- und Handelskammer angesiedelt und soll angesichts der Zölle in den USA den Unternehmen aus Baden-Württemberg Alternativen auf dem amerikanischen Markt aufzeigen.
Wirtschaftsministerin: Kanada wird zu einem wichtigen Handelspartner
Toronto als Tor nach Kanada - laut Wirtschaftsministerium soll die neue Repräsentanz vor allem mittelständische Unternehmen unterstützen, die ihre Absatzmärkte diversifizieren wollen. Baden-Württemberg will sich damit in einem Zukunftsmarkt positionieren, der im Bereich Hochtechnologie immer wichtiger wird, sagt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Angesichts der geopolitischen Lage gewinne Kanada als verlässlicher Handelspartner und Lieferant kritischer Rohstoffe wie Lithium zunehmend an Bedeutung, so die Politikerin. Noch rangiert Kanada bei den Wirtschaftspartnern Baden-Württembergs unter ferner liefen und liegt derzeit auf Platz 22 der wichtigsten Exportmärkte. Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von gut zwei Milliarden Euro aus Baden-Württemberg nach Kanada exportiert, vor allem Kfz und Maschinen.
BW hat rund ein Dutzend Repräsentanzen weltweit
Das neue Wirtschaftsbüro in Kanada ist die 13. Repräsentanz Baden-Württembergs, die es rund um den Globus gibt. In Europa hat Baden-Württemberg ein Büro in London, um nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU die Wirtschaftsbeziehungen zum Vereinten Königreich zu pflegen und den Kontakt zu halten. Die übrigen Repräsentanzen und Auslandsbüros sind in Afrika (Äthiopien und Südafrika), in den USA, in Brasilien, in Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die meisten Auslandsbüros Baden-Württembergs befinden sich in Asien: in Indien gibt es mit Pune und Delhi zwei Standorte, außerdem in China, Japan und Singapur.
Die Kosten für die bisher 12 Repräsentanzen beliefen sich nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr auf insgesamt rund eine Million Euro (1,079 Mio. Euro). Die höchsten Ausgaben verzeichnete die Repräsentanz im indischen Pune mit 208.000 Euro, das Auslandsbüro in Japan schlug dagegen nur mit 11.200 Euro zu Buche.