Agentur für Arbeit spürt wenig Nachfrage nach Beratung

Autoindustrie in Heilbronn-Franken: Stellenabbau statt Umschulung?

Mit Weiterbildung und neuen Produkten soll der Jobverlust bei den Autozulieferern in Heilbronn-Franken abgefedert werden. Doch das Interesse in den Betrieben ist offenbar gering.

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Von Autor/in Raphael Moos

Seit einigen Jahren zeichnet sich ein größerer Abbau von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie ab. In Heilbronn-Franken wurde deshalb mit "Transformotiv" ein Beratungsnetzwerk aus Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und staatlichen Stellen geschaffen. Das soll den Unternehmen helfen - unter anderem bei der Umschulung von Beschäftigten in gefährdeten Jobs. Doch die "Resonanz der Unternehmen ist überschaubar", drückt es Manfred Grab von der Heilbronner Bundesagentur für Arbeit gegenüber dem SWR aus. Mehrere Zulieferer hatten stattdessen einen Stellenabbau angekündigt.

Strukturen behindern Innovationen

Auch die Entwicklung neuer Produkte, weg vom Verbrenner oder anderen klassischen Geschäftsfeldern, ist offenbar schwierig. Insbesondere größere Unternehmen hätten teilweise Strukturen, die Innovationen unterdrückten, meint Elisabeth Giesen von der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall/Tauberbischofsheim: "Außerhalb der Box zu denken, wird nicht gefördert". Auch sie nehme wahr, dass einige Unternehmen einfach geschlossen werden.

Sie sieht einen möglichen Ausweg darin, neue Bereiche im Konzern als eigenständiges Unternehmen zu gründen und zu führen - sogenannte Ausgründungen. Ein Beispiel ist BMW mit seinem früheren "Project i". Für die Entwicklung der Elektroautos i3 und i8 wurde ein eigenes Team gegründet, das losgelöst vom Hauptkonzern arbeiten konnte.

Kein flächendeckender Fachkräftemangel

Ein großes Problem für die Unternehmen ist auch der Fachkräftemangel. Es vergeht kaum ein Tag, an dem der nicht beklagt wird. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass es für Menschen, die im Zuge der Transformation nun ihren Arbeitsplatz verlieren, nicht schwer sein dürfte, etwas Neues zu finden. Es gebe auch im Maschinenbau weiter offene Stellen in der Region, betont Elisabeth Giesen, doch man müsse da differenzierter hinschauen.

Auch innerhalb von Branchen und Berufszweigen gebe es Unterschiede. Giesen nennt als Beispiel das Handwerk. Bei Metzgern, Maurern und im Innenausbau seien die Nachwuchssorgen groß. Doch schon bei den Schreinern gebe es eigentlich keinen Engpass mehr. "Selbst in der IT gibt es Sparten, wo kein Mangel existiert", so Giesen. Und auch im Marketing oder Veranstaltungsmanagement fehlt es nicht an Bewerberinnen und Bewerbern, sondern an offenen Stellen.

Beide Seiten schuld: Arbeitnehmer "unflexibel", "alte Rituale" bei Arbeitgebern

Was oft fehle, sei die Flexibilität und zwar auf beiden Seiten, stellt Manfred Grab fest. So halten manche Arbeitgeber "an alten Ritualen" fest. "Da passt ein Bewerber oder eine Bewerberin nur 70 Prozent auf die Stelle und wird deshalb abgelehnt", erklärt er. Oder ältere Bewerber würden trotz Qualifikation nicht genommen. "Ich habe manchmal den Eindruck, so groß kann der Fachkräftemangel gar nicht sein", kritisiert er das Verhalten einiger Unternehmen.

Doch auch auf der Arbeitnehmerseite mangelt es manchmal an Flexibilität. Das gilt zum Beispiel für Weiterbildungen. Während Jüngere nicht direkt weiter die Schulbank drücken möchten, haben Ältere häufig Angst, weil ihre Schulzeit schon länger her ist. Bei Menschen aus bildungsfernen Schichten komme hinzu, dass mit Schule und Theorie oft Misserfolge im Kopf verknüpft seien, ergänzt Elisabeth Giesen.

Falsche Gehaltsvorstellungen bei neuer Jobsuche

Dass sich mancher, der den Job verloren hat, mitunter schwertut, kann weitere Ursachen haben. Eine davon sei das Gehalt, sagt Manfred Grab. Wer mehrere Jahrzehnte einen Tariflohn in der Autoindustrie gewohnt war, muss beim neuen Arbeitgeber möglicherweise größere Abstriche hinnehmen. Diese Erkenntnis aber brauche manchmal etwas Zeit.

Agentur-Chef: "Region wird als Gewinner hervorgehen"

Manfred Grab ist dennoch überzeugt, dass die Region Heilbronn-Franken als Gewinner aus der Transformation hervorgehen wird. Unter anderem auch, weil große Unternehmen wie die Schwarz-Gruppe bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen hätten.

Wie viele der Menschen, die ihren Job verlieren, in solchen neuen Bereichen unterkommen, ist offen. Elisabeth Giesen meint: "Wer flexibel ist, wird auch weiterhin in der Region eine gute Stelle finden."

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