Auf dem Plakat vor dem Werk steht bereits seit Tagen: "Klarheit beginnt mit Klartext". Ein Appell des Betriebsrats an das Management. Die Belegschaft wird am Donnerstagnachmittag genau hinhören. Denn dann beginnt im Werk Neckarsulm (Kreis Heilbronn) die dritte Betriebsversammlung dieses Jahres.
Rund 15.000 Beschäftigte arbeiten am Audi-Standort Neckarsulm. In Gesprächen unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor den Werkstoren dominiert vor allem eine Frage: Wie steht es um die Zukunft des Werks?
Audi-Mitarbeitende beschäftigt Zukunft des Standorts Neckarsulm
Ein Mitarbeiter, der im Rohbau des Werks arbeitet, will am Donnerstag vor allem wissen, wie es mit der Arbeitsplatzsicherheit weitergeht. "Neckarsulm muss bleiben, egal was kommt", fordert er.
Audi will wachsen, effizienter werden und sich stärker auf Märkte wie China und die USA konzentrieren. Dort soll sogar ein neues Werk entstehen. Viele Beschäftigte sorgen sich, was diese globalen Zielsetzungen für ihren Arbeitsplatz bedeuten könnten.
Ein Gruppenleiter in der Instandhaltung hofft deshalb auf klare Worte von Finanzchef Jürgen Rittersberger. Er wird bei der Betriebsversammlung sprechen. Er will wissen: "Wie geht’s für das Werk Neckarsulm weiter? Welche Fahrzeuge dürfen wir in Zukunft bauen?"
Unsicherheit über Audi A8: Wie wird weiter am Standort Neckarsulm produziert?
Besonders deutlich wird die Unsicherheit am Beispiel des Audi A8. Das Oberklasse-Flaggschiff ist seit jeher das technologische Schaufenster der Marke mit den vier Ringen und ihrem Slogan "Vorsprung durch Technik". Doch welche Technik wird es künftig sein? Ob ein klassischer Verbrenner, ein Hybrid oder ein vollelektrisches Modell gebaut wird, ist noch immer unklar.
Zuletzt prüfte Audi, den A8 noch einmal als Verbrenner neu aufzulegen. Das sorgt vor den Toren in Neckarsulm für Gesprächsstoff und bei manchen für Hoffnung.
Geteilte Meinungen in der Audi-Belegschaft: Ist ein Verbrennermodell noch zukunftsfähig?
Eine Produktionsmitarbeiterin würde im neuen Achter gerne wieder einen Benziner sehen. Der Elektromobilität steht sie kritisch gegenüber: "Ich weiß nicht, wie das mit dem Stromnetz funktionieren soll. Können wir das überhaupt alles kompensieren, wenn jetzt alle Elektroautos fahren würden?", fragt sich die Mitarbeiterin am Band der A6-Fertigung.
Andere hingegen bezweifeln, ob ein weiteres Verbrennermodell überhaupt noch zukunftsfähig ist oder ob es dem Konzern nur darum gehe, Zeit zu gewinnen.
"Die Zukunft wird elektrisch sein", ist der Instandhaltungs-Gruppenleiter überzeugt. "Ich fahre selbst Elektroautos, und die fahren sich hervorragend." Auch der Mitarbeiter aus dem Rohbau ist sich sicher: "Um Elektro kommt man nicht herum, das wird die Zukunft sein."
Produktion am Standort Neckarsulm läuft noch stabil - Dank der neuen Generation des Audi A5 und A6
Aktuell läuft die Produktion am Standort Neckarsulm stabil, dank der neuen Generation des Audi A5 und A6. Drei Schichten sind nach den schwierigen Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr. Dieses Jahr sollen am Standort insgesamt rund 200.000 Fahrzeuge vom Band rollen. Fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
Doch wie geht es weiter, wenn der Marktanteil der Verbrenner zurückgeht? Welche E-Modelle künftig in Neckarsulm produziert werden und wann, ist unklar. Die Belegschaft erwartet morgen "Klartext" zu diesen Fragen. Außerdem zu der Rolle, die Neckarsulm in der künftigen Audi-Welt spielen wird.