Mit professionell gefälschten Audi-Webdomains und E-Mails ködern Betrüger Kundinnen und Kunden. Audi reagiert mit rechtlichen Maßnahmen und verstärkter Aufklärung. Mittlerweile hat diese Betrugsmasche Hunderte Menschen erreicht.
Gottfried Böhling glaubt, ein gutes Geschäft zu machen. Eine E-Mail, angeblich von der Audi AG, landet Ende Juli in seinem Posteingang. Darin werden verlockende Leasing-Rückläufer angeboten. Auch sein Traumauto ist dabei: Ein Audi Q5 in Gletscherweiß Metallic, sogar mit Panoramadach.
"Davon gibt es nur ganz wenige", schwärmt Böhling. Der Preis: unschlagbar. "Ich musste nicht mal verhandeln", erzählt der langjährige Unternehmer und heutige Rentner. Nach zwei Telefonaten mit einem vermeintlichen Audi-Mitarbeiter folgt eine professionell ausgestellte Zahlungsaufforderung über 37.390 Euro.
Alles wirkte absolut professionell.
Böhling überweist. Doch als er es sich nach der getätigten Zahlung auf seiner Veranda gemütlich macht und sich auf die Lieferung des Geländewagens freut, wird er allmählich stutzig. Die Kontodaten führen zu einer ausländischen Bank. "Eigentlich würde Audi doch über die Audi Bank abrechnen", denkt er sich.
Misstrauisch ruft er beim Audi-Hauptsitz in Ingolstadt an. Dann der Schock: Das Auto existiert gar nicht. Der angebliche Mitarbeiter frei erfunden. Ein professionell inszenierter Betrug.
Zahlreiche Betroffene von Online-Betrugsmasche melden sich bei Audi
Bei Weitem kein Einzelfall: Rund 200 Betroffene haben sich bereits bei Audi gemeldet, berichtet Yves Becker-Fahr, Leiter Vertrieb Deutschland, im Gespräch mit dem SWR. Der Autobauer sieht durch die professionell inszenierten Betrugsversuche auch seinen Ruf in Gefahr. "Natürlich besteht das Risiko, dass der Marke Schaden entsteht", sagt Becker-Fahr.
Audi geht juristisch gegen Betrüger vor
Audi reagiert mit rechtlichen Schritten: Das Unternehmen mit einem Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) beschäftigt auf Markenrecht spezialisierte Juristinnen und Juristen, die gefälschte Webdomains und E-Mail-Adressen sammeln und in allen Fällen Strafanzeige erstatten.
Parallel dazu will der Autobauer verstärkt über die Risiken aufklären und über die Betrugsmasche informieren. Ein zentrales Warnsignal sei, dass die angebotenen Fahrzeuge "in fast allen Fällen auf Rückfrage nicht besichtigt werden können". Bei Audi selbst sei ein solcher Ablauf ausgeschlossen, betont Yves Becker-Fahr.
Verbraucherzentrale warnt vor Online-Betrugsmasche bei Gebrauchtwagen
Auch die Verbraucherzentrale warnt vor Betrugsfällen beim Online-Kauf von Fahrzeugen. "Grundsätzlich sollten Fahrzeuge niemals unbesichtigt gekauft werden", sagt Erich Nolte, Jurist und Berater der Verbraucherzentrale in Stuttgart. Kundinnen und Kunden sollten die Angaben im Angebot stets sorgfältig prüfen und nachforschen – dazu gehört auch, den Unternehmenssitz unabhängig zu verifizieren und sich nicht allein auf die in der Anzeige angegebene Telefonnummer zu verlassen.
Spätestens bei ausländischen Bankverbindungen sollten alle Alarmglocken schrillen.
Denn nach einer Überweisung ist das Geld in der Regel unwiderruflich verloren. Nur in seltenen Ausnahmefällen lasse sich eine Zahlung innerhalb weniger Stunden noch stoppen, erklärt der Jurist.
Opfer von Online-Betrugsmasche kommt mit blauem Auge davon
Gottfried Böhling hatte Glück im Unglück. Seine Sparkasse konnte die Überweisung im letzten Moment noch stoppen. Den Traum von seinem Luxus-Geländewagen mit Panoramadach hat er inzwischen aber aufgegeben. "Ich habe die Schnauze voll", sagt der 74-Jährige. Er fährt nun seinen alten SUV weiter und geht jetzt erst einmal in den Urlaub.