Bei der dritten Betriebsversammlung des Jahres von Audi in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) hat der Betriebsrat am Donnerstagnachmittag deutliche Forderungen an die Unternehmensleitung gestellt. Im Fokus waren dabei die ungewisse Zukunft des Audi A8 sowie mögliche Werkpläne in den USA. Vorstand und Arbeitnehmervertretung präsentierten zudem die neue Unternehmensstrategie. Ein Neustart, der aber viele Fragen offen lässt.
Ungewisse Zukunft für den A8
Die Produktion des Flaggschiffs A8 läuft 2026 in Neckarsulm aus. Wie es danach weitergeht, ist bislang noch offen. Die beiden ursprünglich angekündigten elektrischen Luxusmodelle verschieben sich. Sie trugen den Arbeitstitel "Landjet" und "Landyacht". Betriebsrat Robin Lörcher forderte vom Vorstand hier eine schnelle Entscheidung, wie die Lücke zwischen dem aktuellen A8 und seinem Nachfolger geschlossen werden soll. "Wir brauchen zeitnah eine Entscheidung", forderte Lörcher vor rund 3.000 Beschäftigten. Audi-Finanzvorstand Jürgen Rittersberger äußerte sich dazu am Donnerstag zurückhaltend. Eine konkrete Entscheidung zum Nachfolgemodell steht weiter aus.
Große Erleichterung bei Betriebsrat und Beschäftigten Audi-Werk Neckarsulm wird ab 2027 neue elektrische Luxusmodelle bauen
Nach monatelangem Warten ist heute im VW-Konzern die Entscheidung gefallen, welche E-Modelle künftig im Neckarsulmer Audi-Werk gebaut werden.
US-Werk nur unter Bedingungen
Auch der mögliche Bau eines neuen Audi-Werks in den USA war Thema auf der Betriebsversammlung. Für Audi wäre es ein strategischer Schritt, um näher am Wachstumsmarkt Nordamerika zu produzieren und mögliche Handelsbarrieren zu umgehen. Der Autobauer hat bislang kein eigenes Werk in den Vereinigten Staaten.
Das mögliche Audi-Werk in den USA dürfe nicht zulasten der deutschen Standorte gehen, so der Betriebsrat. Eine Verlagerung der Produktion sei nur akzeptabel, wenn die Werke in Deutschland langfristig ausgelastet bleiben. Zudem fordert die Arbeitnehmervertretung eine Verlängerung der Beschäftigungssicherung über das Jahr 2033 hinaus.
Ein Werk in den USA kann nur auf Basis klar definierter Bedingungen entstehen.
Auch hierzu äußerte Audi-Finanzvorstand Jürgen Rittersberger keine verbindlichen Zusagen. Er betonte die aktuell herausfordernde Gesamtsituation des Unternehmens. "In über 25 Jahren in der Autoindustrie habe ich viele Phasen erlebt, aber noch nie ein so komplexes und herausforderndes Umfeld wie aktuell", sagte er. Audi müsse die Transformation mit voller Kraft vorantreiben, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
Audi zeigt "Concept C" der Neckarsulmer Belegschaft
Als Zeichen des Aufbruchs und Hoffnungsträger für den Standort wurde das neue Audi-Modell "Concept C" am Donnerstag den Beschäftigten in Neckarsulm erstmals live präsentiert. Ab 2027 soll der Sportwagen im Heilbronner Industriegebiet Böllinger Höfe gebaut werden. Nun konnten die Mitarbeitenden es erstmals aus nächster Nähe bestaunen.
Schönes Auto, aber Elektro kann nicht die Zukunft sein.
Bei Audi stehen damit weiterhin wichtige Entscheidungen an und ungeklärte Fragen im Raum: Wie geht es nach dem Aus des A8 konkret weiter? Kommt ein neues Werk in den USA? Und welchen Schwung bringt das neue Modell "Concept C" für Audi? Die Beschäftigten vor Ort bleiben also erst einmal mit vielen offenen Fragen zurück.
Wechsel an Spitze des Neckarsulmer Audi-Betriebsrats
Am Ende der Versammlung richtete Rainer Schirmer noch persönliche Worte an die anwesenden Kolleginnen und Kollegen. Der Vorsitzende des Neckarsulmer Audi-Betriebsrates teilte mit: "Nach reiflicher Überlegung werde ich für die kommende Wahl nicht mehr kandidieren." Im Jahr 2026 stehen die Betriebsratswahlen an. Schirmer ist in seiner Funktion auch Mitglied des Aufsichtsrates der Audi AG und stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender.