"Hauswirtschaft besteht doch eigentlich nur aus Kochen und Putzen". Gegen solche Vorurteile musste sich Ann-Kathrin Bucher schon oft wehren. Doch hinter dem Berufsfeld stecke heutzutage eigentlich viel mehr, erzählt sie dem SWR. Sie ist derzeit Schülerin an der Landesakademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell (Hohenlohekreis). Dort macht sie eine Weiterbildung zur Hauswirtschaftlichen Betriebsleiterin. Sie möchte später einmal im Altersheim arbeiten oder die Leitung einer Großküche übernehmen.
Von BWL bis Unternehmensführung - auch das gehört zu Hauswirtschaft
Auch Daniela Katz-Raible, die Fachbereichsleiterin für Hauswirtschaft an der Landesakademie ist, kennt die Vorurteile. Hauswirtschaft finde überall statt, wo Menschen wohnen oder zu Gast sind. Die Berufsmöglichkeiten seien daher äußerst vielfältig, sagt sie. Die Schülerinnen und Schüler würden viel über BWL, Unternehmensführung oder auch Kommunikation lernen.
So könne man zum Beispiel in Kantinen, Senioreneinrichtungen oder als Erzieher oder Erzieherin arbeiten. Jobs in der Haus- oder Familienpflege gehörten beispielsweise auch dazu. Im Mittelpunkt der Hauswirtschaft stehe die Versorgung des Menschen - und die finde in vielen Bereichen statt.
Im Hinterkopf hat man immer den Menschen: Was muss ich machen, damit der sich wohlfühlt, damit es dem gut geht?
Immer noch hauptsächlich Frauen in der Hauswirtschaft
Das klassische Rollenbild, dass vor allem Frauen in der Hauswirtschaft tätig sind, spiegelt sich auch an der Akademie in Kupferzell wider. Unter den Auszubildenden im hauswirtschaftlichen Bereich seien aktuell lediglich zwei Prozent Männer, so Katz-Raible. In der Grundausbildung seien es mit 20 Prozent schon deutlich mehr Männer. Die seien jedoch noch nicht in der Weiterbildung angekommen, sagt sie.
"Die perfekte Hausfrau"? Azubis aus Kupferzell wehren sich gegen Klischees
Auch Jessie Jennifer Hedrich, ebenfalls Schülerin an der Kupferzeller Akademie, wurde schon mit Vorurteilen konfrontiert. Sie möchte später einmal im Kindergarten arbeiten oder sich in der Cateringbranche selbstständig machen. Die Weiterbildung im Bereich Hauswirtschaft sei vielfältiger, als die meisten denken. Es gebe Fächer wie Chemie oder BWL. Man lerne aber zum Beispiel auch etwas über Krankheiten, wie man mit diesen umgeht und wie man Menschen hilft, sagt Hedrich.
Anja Hügel macht ebenfalls die Weiterbildung in Kupferzell. Sie musste sich sogar schon anhören, sie sei dann wohl die perfekte Hausfrau. Doch gegen solche Aussagen wehrt sie sich, denn Hauswirtschaft sei unglaublich abwechslungsreich, sagt sie.
Ich durfte mir schon öfter anhören "Du bist doch die perfekte Hausfrau!". Die Hauswirtschaft ist aber so vielfältig und die Aussage passt dazu einfach gar nicht.
Eine weitere Schülerin, Fabienne Mild, erzählt, dass viele den Beruf auch überhaupt nicht kennen würden. Oft müsse sie dann erst erklären, was sich hinter dem Berufsfeld eigentlich verbirgt.
Anzahl der Weiterbildungen nimmt landesweit ab
Rund 30 Schülerinnen und Schüler machen derzeit an der Landesakademie in Kupferzell eine Weiterbildung im hauswirtschaftlichen Bereich. In ganz Baden-Württemberg sind die Zahlen seit mehreren Jahren jedoch rückläufig. Angeboten werden in Kupferzell unterschiedliche Abschlüsse, beispielsweise zum hauswirtschaftlichen Betriebsleiter oder -leiterin oder zum Meister beziehungsweise zur Meisterin der Hauswirtschaft.