Die Betrugsmasche erreichte bereits hunderte Privatkunden, doch auch Profis sind betroffen: Ein führender Autohändler aus Schwäbisch Hall mit 22 Niederlassungen in Heilbronn-Franken ist auf die raffinierte Masche mit angeblichen Gebrauchtwagen hereingefallen und hat dabei rund 60.000 Euro verloren. Der Fall zeigt, wie professionell die Täter mittlerweile vorgehen.
Ausgefeilte Betrugsmasche: Selbst Profis tappen in die Falle
Die E-Mail im Posteingang der Koch Autogruppe schien auf den ersten Blick authentisch. Absender war das vertraute DB Autohaus. Auch der Name der Ansprechperson war dem Einkaufsteam aus früheren Kontakten geläufig. Enthalten waren verlockende Angebote für gebrauchte Audi-Modelle - angeblich ausgemusterte Fahrzeuge der Deutschen Bahn (DB).
Wir sind am Anfang nicht argwöhnisch geworden, da wir bereits Geschäfte mit denen gemacht hatten.
Also wurde die Zahlung angewiesen: drei Audi-Modelle, fast 60.000 Euro. Doch die Lieferung der Fahrzeuge blieb aus. "Wir haben dann irgendwann angerufen und gefragt, wo die Autos bleiben, aber der wusste von nichts", erinnert sich Härterich.
Die angebotenen Fahrzeuge existierten gar nicht. Die E-Mail entpuppte sich als täuschend echte Fälschung. Einzig die Bankverbindung der Betrüger war echt, auf deren Konto die hohe Geldsumme unwiderruflich überwiesen wurde.
Audi warnt vor zunehmenden Betrugsfällen bei Gebrauchtwagen
Bei der Betrugsmasche mit ausgemusterten Fahrzeugen der Deutschen Bahn, die gezielt Autohändler ins Visier nimmt, haben sich bereits rund 100 Betroffene gemeldet, teilt ein DB-Sprecher dem SWR mit. Vor wenigen Wochen warnte Audi vor einer Vielzahl von Betrugsfällen, bei denen falsche Angebote des Ingolstädter Autobauers mit Werk in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) kursieren. Rund 200 Kundinnen und Kunden sind laut Audi-Vertriebsleiter Yves Becker-Fahr betroffen.
Gefälschte Websites und E-Mails Audi kämpft gegen Online-Betrugsmasche bei Gebrauchtwagen
Mit falschen Audi-Schnäppchen locken Betrüger immer mehr Kunden in die Falle. Audi und Verbraucherschützer warnen - ein Betroffener erzählt, wie dreist die Betrüger vorgehen.
Autohaus mit neuen Sicherheitsmaßnahmen
Die Koch Autogruppe hat mittlerweile Maßnahmen ergriffen und ihre Abläufe angepasst. Beim Kauf von Gebrauchtwagen gilt jetzt auch bei bekannten Kontakten: Telefon in die Hand nehmen, offizielle Nummer anrufen, IBAN prüfen.
Mit Cybersicherheit ist nicht zu spaßen, das wird immer schlimmer
Die Gefahr endet längst nicht bei gefälschten E-Mails. Cyberkriminalität ist ein wachsendes Problem in der Branche. Die Koch Autogruppe mit 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an 22 Standorten beschäftigt IT-Spezialisten, die gezielt Angriffe abwehren sollen. Es sei ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel, klagt Härterich.
Cyberangriff lähmt Betriebssystem - Erpresser fordern Lösegeld
"Einer unserer kleineren Betriebe wurde vor Kurzem komplett lahmgelegt", erzählt Stefan Härterich. Cyberkriminelle hatten sich Zugang zur IT-Infrastruktur der Niederlassung verschafft und das gesamte System gesperrt. Sie forderten Lösegeld, um es wieder freizugeben. Durch tägliche Datensicherung und regelmäßige Backups konnte Schlimmeres verhindert werden, sodass kein Lösegeld gezahlt werden musste.
Ein anderes Mal seien ihre Online-Inserate gehackt worden. Die Gebrauchtwagen des Autohauses Koch erschienen plötzlich mit stark reduzierten Preisen und falschen Telefonnummern. Wenige Tage später standen Schnäppchenjäger auf dem Hof, um die Fahrzeuge zu erwerben oder abzuholen. Das Autohaus nahm darauf die Seite vom Netz und fügte alle Inserate neu ein.
Cyberkriminalität in Baden-Württemberg auf dem Vormarsch
Die Bedrohung durch Cyberkriminalität nimmt seit Jahren kontinuierlich zu, heißt es beim Landeskriminalamt (LKA). In Baden-Württemberg stieg die Zahl der erfassten Cyberstraftaten im Jahr 2024 um 10,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Bedrohungslage für Unternehmen in Süddeutschland wird vom LKA weiterhin als hoch eingestuft, teilt eine Sprecherin dem SWR mit.
Besonders kleine und mittlere Betriebe sollten deshalb gezielt in ihre IT-Sicherheit investieren, um das Risiko eines erfolgreichen Angriffs gering zu halten, empfiehlt das LKA. Denn die Strafverfolgung gestaltet sich schwierig, weil Täter von überall auf der Welt mit Internetzugang operieren können.