Bürgermeister gibt Statement ab

Bombenattrappe vor Haustür des Bürgermeisters von Langenbrettach

Unbekannte haben dem Bürgermeister von Langenbrettach eine Bombenattrappe vor die Haustür gelegt. Der Bürgermeister äußert sich zur Tat und sieht eine Gefährdung der Demokratie.

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Stand

Von Autor/in Juliane Pyper, Ulrike Schirmer, Annina Klingebiel

Vor dem Wohnhaus von Bürgermeister Timo Natter (parteilos) in Langenbrettach (Kreis Heilbronn) ist eine Bombenattrappe entdeckt worden. Wie die Polizei am Donnerstagmorgen bestätigte, ereignete sich der Vorfall bereits am Sonntag, den 6. Juli. Er könnte möglicherweise im Zusammenhang mit dem Abriss des örtlichen Freibads 2021 stehen.

Polizeieinsatz wegen Bombenattrappe in Langenbrettach bestätigt

Am ersten Juliwochenende lag auf einmal ein DHL-Paket mit einer Zündschnur, einem Wecker und einem Zettel vor Natters Haustür. Auf der beigefügten Notiz wurde der Bürgermeister als "falsche Schlange" bezeichnet. Außerdem der Vorwurf: Timo Natter sei Schuld am Abriss des Freibads im Teilort Langenbeutingen.

Auch Spezialkräfte des Landeskriminalamts rückten an, um die verdächtige Vorrichtung zu untersuchen und zu entschärfen. Inzwischen ist klar: Es handelte sich nicht um eine echte Bombe. "Es wurde kein Sprengstoff gefunden", sagte eine Polizeisprecherin.

Trotzdem ermittelt der Staatsschutz der Kriminalpolizei Heilbronn gegen Unbekannt wegen "Bedrohung und Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten", heißt es.

Freibad-Streit: Steckt Frust hinter der Drohung?

Die beigefügte Nachricht legt nahe, dass sich die Tat auf den Abriss des Freibads In Langenbeutingen bezieht. Das Bad wurde bereits 2021 abgerissen, da es für die Gemeinde wirtschaftlich nicht mehr tragbar war. Damals entfachte der Beschluss einen lokalen Streit.

Warum genau jetzt, vier Jahre später, so eine Tat folgt, kann auch Natter nicht genau sagen. "Das ist wahrscheinlich das heiße Wetter", meint er im SWR-Interview. "Das tut manchen Menschen offensichtlich nicht gut." Einen anderen aktuellen Anlass gebe es im Bezug auf das Freibad nicht.

Bürgermeister äußert sich zur Tat

Knapp zwei Wochen nach der Tat gibt Timo Natter dem SWR ein offizielles Statement ab. Ihm und seiner Frau gehe es gut, trotzdem sei Natter selbst schockiert über die Bombenattrappe. "Es ist bedauerlich, dass es in unserer Gesellschaft immer mehr Menschen gibt, die offenbar unsere demokratischen Entscheidungen nicht mehr als Grundlage für unser gesellschaftliches Leben akzeptieren", meint der Bürgermeister im SWR-Gespräch.

Bei dem ganzen Thema geht es mir eigentlich in erster Linie darum, die Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, dass solche Sachen nicht gehen. Das ist einfach komplett daneben.

Dass Politikerinnen und Politiker für demokratische Entscheidungen verantwortlich gemacht und in ihrem persönlichen Umfeld angegriffen werden, verurteilt er scharf. "Da sehe ich unsere Demokratie grundsätzlich als gefährdet an", meint Natter. Dennoch brauche es politisch aktive Menschen, die sich für die "westliche Demokratie" einsetzen. Aus diesem Grund werde er auch in Zukunft seinen Pflichten als gewählter Bürgermeister nachkommen. Sein Statement hat er auch auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht.

Posted by Timo Natter on Thursday, July 17, 2025

Wird der politische Diskurs aggressiver?

Auch wenn es in Langenbrettach keine echte Bombe war: Anschläge auf Lokalpolitiker häufen sich in Baden-Württemberg. Auch Timo Natter ist aufgefallen, dass der politische Diskurs rauer wird - auch auf Lokalebene. Trotzdem sei beispielsweise seine Arbeit mit dem Langenbrettacher Gemeinderat immer sehr konstruktiv. Deshalb sei der Vorfall jetzt nochmal umso schockierender für Natter. In der nächsten Gemeinderatssitzung wolle man dann auch gemeinsam eine Stellungnahme zu der Bombenattrappe abgeben.

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Der Verband Baden-Württembergischer Bürgermeister und Bürgermeisterinnen zeigte sich ebenfalls sehr betroffen von diesem Vorfall. Solche Taten führten auch dazu, dass das Amt des Bürgermeisters für junge Menschen immer unattraktiver werde, erklärte Kai Kohlenberger (parteilos), Vorsitzender des Kreisverbands Heilbronn. Er selbst ist Bürgermeister in Ittlingen (Kreis Heilbronn).

Auch er stelle fest, dass der Ton in den Rathäusern rauer geworden ist. Vor Jahren habe man noch nicht über Kameraüberwachung in Rathäusern und Panikknöpfen an den Telefonanlagen nachdenken müssen, so Kohlenberger. Inzwischen sei das auch in kleinen Gemeinden Standard. Einige Bürgerinnen und Bürger denken auch, dass ein Bürgermeister allein für eine Entscheidung verantwortlich ist. Aber "dass das Freibad geschlossen und abgerissen wird, ist immer eine Entscheidung des Gemeinderats", so Kohlenbeger weiter.

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