Hoch oben auf dem Funkturm von Cleebronn (Kreis Heilbronn) sitzen sie wieder: die beiden Störche, die dort seit rund zehn Jahren brüten. Ein zerstörtes Nest, mühsamer Wiederaufbau und Bürokratie - all das hat sie nicht vertrieben. Derzeit bereiten sie sich auf die Brutzeit in ihrem fragilen Wildbau vor.
Das verschwundene Nest am Funkturm
Denn eigentlich sollten die Tiere längst eine stabile Nisthilfe vom Funkmastbetreiber erhalten haben. Ihr altes Nest war im Herbst 2024 bei Wartungsarbeiten von Monteuren abgebaut worden - illegal, wie die Behörden nach einem Aufschrei der Cleebronner Bevölkerung feststellten. Doch bis geklärt war, wer verantwortlich ist und eine neue Plattform bauen muss, vergingen Monate.
Brutzeit wartet nicht
Doch das dauerte den Vögeln zu lange. Als sie Anfang 2025 aus ihrem Winterquartier zurückkehrten, war ihr Zuhause verschwunden. Der Turm war inzwischen umgebaut, ein Neubau schien fast unmöglich. Aber die Vögel machten einfach weiter: Sie sammelten Äste und Gras, bauten ihr Nest Stück für Stück selbst wieder auf. Drei Jungvögel zogen sie groß, bevor sie wieder Richtung Süden flogen.
Unsicheres Zuhause für die Störche
Das Problem: Das selbstgebaute Nest ist nicht sicher. "Der jetzige Wildbau ist instabil und nicht an der richtigen Stelle", sagt die baden-württembergische Storchenbeauftragte Judith Opitz. Es besteht die Gefahr, dass er herunterfällt. Außerdem kommt der Betreiber des Turms wegen des Nestes nicht mehr an alle Teile heran.
Zwar lagen Anfang November 2025 alle Genehmigungen für den Bau einer Nisthilfe vor. Auch das Regierungspräsidium gab grünes Licht. Doch Lieferverzögerungen bremsten das Vorhaben.
Das Material für die Stahlkonstruktion kam zu spät. Deshalb konnte der Bau erst auf Mitte Februar terminiert werden.
Nisthilfe kommt wieder zu spät
Wenige Tage vor dem geplanten Baustart sind die Störche nun schon wieder da und besetzten ihr selbst gebautes Nest. Seitdem gilt: Am Turm darf nichts mehr gemacht werden. "Sobald die Tiere da sind, darf man nicht mehr ran. Das wäre eine Störung der Brutstätte", erklärt die Storchenbeauftrage Judith Opitz.
Ob und wann die geplante Nisthilfe nun endlich gebaut wird, ist offen. Fest steht nur: Die Störche waren bisher immer schneller. "Wir beurteilen die Situation im Herbst erneut", sagt Albers von der Deutschen Funkturm GmbH.