Nach einem Cyberangriff sind zentrale IT-Systeme der Verkehrsgesellschaft Main-Tauber (VGMT) derzeit außer Betrieb. Die Geschäftsstelle sowie die Mobilitätszentrale in Lauda (Main-Tauber-Kreis) bleiben vorerst geschlossen. Behörden und IT-Experten arbeiten unterdessen mit Hochdruck an der Aufklärung und Wiederherstellung der Systeme. Für Fahrgäste gibt es zunächst Entwarnung.
Cyberangriff trifft wohl nur Verkehrsgesellschaft
Nach Angaben des Landkreises ist ausschließlich die IT der Verkehrsgesellschaft betroffen. Eine Ausbreitung auf das Landratsamt sei nach bisherigen Erkenntnissen ausgeschlossen, erklärte Markus Moll, Pressesprecher des Main-Tauber-Kreises dem SWR.
Das Gute ist, dass die VGMT ein komplett eigenständiges IT-Netzwerk hat, das vollständig getrennt ist vom IT-Netz des Landratsamtes.
Nach aktuellem Stand wurden Server und Daten im Netzwerk der VGMT verschlüsselt. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs habe der Landkreis umfangreiche Schritte eingeleitet, so Moll. Die Cybersicherheitsagentur des Landes Baden-Württemberg wurde eingeschaltet, Anzeige bei der Polizei erstattet und der Landesdatenschutzbeauftragte informiert.
Parallel arbeiten die IT-Spezialisten des Landratsamtes sowie ein externes Unternehmen mit Hochdruck daran, die Systeme zu sichern und wiederherzustellen. Ob bei dem Angriff auch sensible Daten abgeflossen sind, ist derzeit noch unklar und wird intensiv geprüft.
Öffentlicher Verkehr läuft weiter: Busse fahren, Service eingeschränkt
Für die Bürgerinnen und Bürger im Main-Tauber-Kreis gibt es trotz der angespannten Lage eine wichtige Nachricht: Der öffentliche Verkehr läuft trotz des Hackerangriffs weiter. "Die Linienbusse, die Schulbusse und die Ruftaxis im Main-Tauber-Kreis fahren uneingeschränkt", so Moll. Einschränkungen auf den Straßen gebe es keine.
Einschnitte gibt es jedoch beim Service: Die Geschäftsstelle der Verkehrsgesellschaft sowie die Mobilitätszentrale im Bahnhof Lauda sind derzeit geschlossen. Telefonisch oder per E-Mail ist die VGMT aktuell nicht erreichbar, auch der Publikumsverkehr ist bis auf Weiteres eingestellt.
Cyberangriffe auch auf Kommunen auf dem Vormarsch
Erst im Herbst vergangenen Jahres hatte eine Hackergruppe das IT-Netz der Gemeinde Untereisesheim (Kreis Heilbronn) lahmgelegt. Persönliche Daten von Bürgerinnen und Bürgern tauchten danach im Darknet auf. Sicherheitsbehörden warnen, dass solche Angriffe zunehmend gezielter und riskanter werden. Recherchen des SWR zeigen jetzt, welches Ausmaß der Datenabfluss tatsächlich hatte.
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