Die Truppen der Feuerwehr Heilbronn sind bundesweit einzigartig. Sie können nicht nur Brände löschen, sondern sie sind auch alle ausgebildete Berufstaucher. Bei einem tragischen Unglück in Dörzbach (Hohenlohekreis) stießen jedoch auch sie an ihre Grenzen.
"Um Menschenleben zu retten, gehen wir auch mal ein erhöhtes Risiko ein", sagt Markus Widmann, Leiter des Tauchdienstes der Feuerwehr Heilbronn. Doch im Fall Dörzbach wurde schnell klar, dass ein Tauchgang aussichtslos war. Die Einsatzkräfte wussten nicht, wo sich das Fahrzeug befindet. Das Suchgebiet erstreckte sich über mehrere hundert Meter trübes Gewässer, erschwert durch den hohen Wasserstand des Flusses.
Ein verunglücktes Auto, versunken in der reißenden Jagst, dichtes Schneegestöber und keine Spur von Opfern. Die aus Heilbronn angerückten Einsatzkräfte standen am Abend des 13. Februar vor einer schwierigen Entscheidung: Abtauchen oder nicht? Überwiegen die Risiken die Rettungschancen für die Feuerwehrtaucher?
Kleine Flüsse können großes Risiko darstellen
Die Jagst mag zwar nicht die Dimensionen größerer Flüsse aufweisen, ihre Strömung und Tiefe seien jedoch keinesfalls zu unterschätzen. "Kleine Flüsse wie die Jagst sind tückisch", mahnt Widmann. Die Wassertiefe könne sich innerhalb kurzer Zeit verdreifachen.
Stunden nach dem Unglück fanden Rettungskräfte die Fahrerin tot an einer Flussböschung, verfangen zwischen Ästen. Das Unfallfahrzeug verblieb bis zum vergangenen Montag im Flussbett. Erst dann konnte es geborgen werden. Heilbronner Feuerwehrtaucher untersuchten den Wagen unter Wasser, um weitere Todesopfer auszuschließen. Im Anschluss befestigten sie Bergungsseile an der Vorderachse, bevor das Wrack an Land gezogen wurde.
Hohe Sicherheitsstandards bei Feuerwehr Heilbronn
Solche kritischen Einsätze wie in Dörzbach sind nicht selten. Etwa 10- bis 15-mal pro Jahr muss die Feuerwehr Heilbronn zu Wasserrettungseinsätzen ausrücken. Alle bei der Feuerwehr sind auch ausgebildete Taucher. "Das ist bundesweit einzigartig", sagt Markus Widmann, Tauchdienstleiter der Heilbronner Feuerwehr. Die Ausbildung dauert elf Wochen. Neben intensiver Theorie müssen mindestens 50 Tauchgänge absolviert werden, bevor sie in den Einsatz dürfen.
"Es ist wichtig, dass wir die Fälle im Team besprechen und verarbeiten."
Die psychische Belastung bei Taucheinsätzen sei höher als bei Brandeinsätzen, da sie unter Wasser weitgehend allein agieren müssen. "Während man bei einem Brandeinsatz immer zu zweit unterwegs ist", erklärt Widmann. Um das Geschehene zu verarbeiten, stehen den Einsatzkräften Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger zur Verfügung.
Auch wird jeder Einsatz mit den Kollegen auf der Wache ausgiebig reflektiert. "Es ist wichtig, dass wir die Fälle im Team besprechen und verarbeiten", sagt Widmann. Damit die Heilbronner Rettungskräfte auch für kommende herausfordernde Einsätze gewappnet sind. Denn im trüben Wasser braucht es einen klaren Kopf.