Unter anderem zwei Fahrschulbetreiber angeklagt

Größter Prozess um Führerscheinbetrug am Landgericht Heilbronn gestartet

Vor allem im Raum Heilbronn und Göppingen sollen fünf Männer mit sogenannten Stellvertretern bei Führerscheinprüfungen betrogen haben - systematisch und in fast 60 Fällen.

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Einer der größten Fälle von Führerscheinbetrug ist am Donnerstag am Landgericht Heilbronn gestartet. Statt wie bisher nur einzelne Täter, muss sich diesmal die ganze mutmaßliche Bande verantworten: Fünf Männer sind angeklagt - zwei von ihnen betreiben Fahrschulen unter anderem in Heilbronn und Göppingen. Die Staatsanwaltschaft fordert drei bis fünf Jahre Haft wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Laut Staatsanwaltschaft hatten die Männer innerhalb ihrer Gruppe eine klare Arbeitsteilung. Die beiden Fahrschulinhaber sollen als Vermittler agiert haben, also die Prüfungsreife bescheinigt, die Ausweise der Auftraggeber sowie eine Bezahlung entgegen genommen haben. Die anderen drei sollen sogenannte Stellvertreter organisiert haben, die für die angemeldeten Menschen die Theorieprüfung abgelegt haben.

Die [Stellvertreter] haben dann den Ausweis bekommen, sahen den Fahrerlaubnis-Bewerbern entweder ähnlich oder wurden zum Teil auch ähnlich-sehend gemacht mit Perücken und Schminke [...], und haben dann vor Ort die Prüfung für die Fahrerlaubnis-Bewerber abgelegt.

Mehrere Tausend Euro pro Führerscheinprüfung

Für die Prüfung sollen die Auftraggeber mehrere tausend Euro gezahlt haben. Das Geld haben sich die fünf Angeklagten laut Staatsanwaltschaft aufgeteilt. Insgesamt sind 59 Taten angeklagt, aber nicht in allen Fällen soll die Prüfung auch erfolgreich gewesen sein. Kurz vor der Verhaftung im Juni 2025 sollen immer wieder auch Stellvertreter aufgeflogen sein. Die Fälle sind verteilt auf mehrere Städte in Baden-Württemberg und Bayern, darunter Heilbronn, Eppingen (Landkreis Heilbronn) und Göppingen.

Laut Anklage durch Betrug Einnahmen von 180.000 Euro

Zwischen November 2022 und Juni 2025 sollen die Männer durch den Betrug rund 180.000 Euro eingenommen haben. Ein mutmaßlicher Komplize wurde bereits im März zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich als Doppelgänger verpflichtet und sich als als Prüfling ausgegeben.

Betrugs-Methoden werden immer raffinierter

Der TÜV SÜD geht schon lange gegen die Betrugsversuche vor. Das Unternehmen verschärfe kontinuierlich seine Kontrollen bei den Theorieprüfungen und schule die Prüferinnen und Prüfer entsprechend, heißt es auf eine Anfrage des SWR. Denn die Methoden der Betrüger werden immer ausgeklügelter. TÜV-Sprecher Thomas Oberst schätzt beim aktuellen Fall ein: "Das ist sicher einer der größeren Betrugsfälle." Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur wurden im vergangenen Jahr knapp 400 Betrugsversuche in Baden-Württemberg gemeldet.

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SWR

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