Je nach Größe und Einwohnerzahl werden in Heilbronn-Franken zwischen 50 und 500 Fundsachen pro Jahr bei den Kommunen abgegeben. So waren es zum Beispiel in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) im vergangenen Jahr 317. Neben den Klassikern wie Schlüsseln, Geldbeuteln und In-Ear-Kopfhörern gab es in der Vergangenheit auch schon Drogen, Waffen, Hörgeräte und sogar einen Rollstuhl. Einmal sei jemand vorbeikommen, der ein Gebiss abholen wollte, teilte Sprecher Andreas Bracht mit. Nach dem Einsetzen habe die Person es der Mitarbeiterin mit der Bemerkung "das passt nicht" auf den Tisch zurück gelegt.
So gibt es aus vielen Fundbüros in der Region kuriose und rührende Geschichten. "Unser derzeitiger Exot ist ein Schlauchboot", schreibt Angela Steffan aus Wertheim (Main-Tauber-Kreis). In Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) wurde mal ein Koffer voller Grabkerzen abgegeben, in Bad Rappenau (Kreis Heilbronn) waren es ein Rucksack mit Fixerbesteck und eine Sporttasche mit Dildos und Gleitcreme. Auch wertvolle Dinge, wie Eheringe und ein Kuvert mit 2.500 Euro Bargeld, seien schon an die Eigentümer zurückgegeben worden, heißt es.
Freudentränen eines Witwers über gerettete Fotos
In manchen Fällen versuchen die Mitarbeitenden in den Fundbüros auch die Eigentümerinnen und Eigentümer zu ermitteln. In Bad Rappenau (Kreis Heilbronn) wurde ein Handy abgegeben, das am Strand von Barcelona gefunden wurde. Über den Mobilfunkanbieter konnte der Verlierer in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht werden. Der Mann sei überglücklich gewesen, weil tausende Bilder auf dem Handy waren, die er so nicht wieder bekommen hätte.
Ganz ähnlich lief es in Crailsheim (Kreis Schwäbisch Hall). Ein älterer Mann konnte durch Karten im abgegebenen Geldbeutel gefunden werden. Er habe vor Freude geweint, dass er die Fotos seiner verstorbenen Frau und seiner Eltern wiederbekam.
Die Stadt Crailsheim arbeitet daran, das Fundbüro zu digitalisieren. In Öhringen (Hohenlohekreis) gibt es das bereits. Hier können die Menschen auf der Website der Stadt ihre Daten eingeben, wenn sie etwas verloren haben.
Was passiert mit Fundsachen, die nicht abgeholt werden?
Die Fundsachen werden sechs Monate aufbewahrt. Hat sie bis dahin niemand abgeholt und möchte sie auch der Finder nicht, wird unterschiedlich mit ihnen verfahren. Kleidungsstücke und Brillen werden in der Regel gespendet. Schlüssel, Handys und Datenträger werden unbrauchbar gemacht. Schmuck wird verkauft, andere Gegenstände mit einem Wert (von meist über 10 Euro) wie Fahrräder werden versteigert. Die Stadt Weikersheim (Main-Tauber-Kreis) verlangt bei Abholung eine Gebühr, gestaffelt nach Wert des Gegenstands.
Mysteriöser 500 Euro Schein in Weikersheim
In Ilsfeld (Kreis Heilbronn) werden pro Jahr gut 50 Gegenstände abgegeben, vor allem Kinderjacken, Schlüssel und Ausweise. An ungewöhnliche Dinge erinnert man sich hier nicht. Dafür aber in Öhringen, hier wurden mal Spannriemen und eine Barke abgegeben, teilte Sprecherin Monika Pfau mit. In Künzelsau waren unter den 500 Gegenständen pro Jahr eine Briefmarkensammlung und eine Krücke.
In Weikersheim liegt zurzeit ein halber 500 Euro-Schein. Der Finder sei ein bisschen auffällig gewesen, heißt es von der Stadt. Normalerweise kann ein Geldschein ausgetauscht werden, wenn mehr als die Hälfte des Scheins noch zu sehen ist. Keiner wisse so genau, was da passiert sei. Der Schein werde nun einfach im Fundbüro verwahrt.