Landestierärztekammer fordert härtere Strafen

Aggressionen, aufgeschlitzte Reifen, Morddrohungen: Gewalt gegen Tierärzte nimmt zu

Tierärzte werden immer öfter Ziel von Aggressionen und Gewalt - auch im Heilbronner Kleintierzentrum AniCura. Laut Landestierärztekammer ist das inzwischen ein bundesweites Problem.

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Die Gewalt gegen Rettungskräfte nimmt zu. Doch auch andere Berufsgruppen sind betroffen: Tierärztinnen und Tierärzte werden ebenfalls vermehrt Ziel von Aggressionen und sogar Gewalt. Psychologinnen und Psychologen sprechen teilweise sogar von einer Gesellschaft in Deutschland, die in den vergangenen Jahren aggressiver geworden sei. Das bekommt auch Heidi Kübler, die Präsidentin der Landestierärztekammer Baden-Württemberg immer wieder mit. Ein Beispiel: Der Fall um eine junge Tierärztin vom Kleintierzentrum AniCura in Heilbronn.

Tierärztin erhält Morddrohungen nach einer Behandlung

Öffentlich über den Vorfall reden möchte die junge Tierärztin nicht. Zu sehr hat er ihr zugesetzt. Sie wurde von einem Tierhalter beschuldigt, dessen Katze umgebracht zu haben. Nach einer Untersuchung empfiehlt die Tierärztin die Weiterbehandlung in einer anderen Klinik. Die Katze überlebt den Transport dorthin nicht. Der Halter droht, die Ärztin zu Hause aufzusuchen, wenn er ihre Privatadresse ausfindig gemacht hat.

Das ist kein Einzelfall, so Heidi Kübler. Eine andere Tierärztin habe sich an die Kammer gewandt, weil sie Morddrohungen erhalten habe. Zudem seien ihr mehrfach die Autoreifen aufgeschlitzt worden.

Gewalt gegen Tierärzte nimmt zu, wenn auch nicht statistisch erfasst

Wie sehr die Aggression gegen Tierärzte zugenommen hat, lässt sich nicht beziffern. Die Taten werden in der Kriminalstatistik nicht gesondert erfasst. "Es ist zunehmend so, dass wir Erfahrungen machen, bei denen vor allem die jüngeren Kollegen und Kolleginnen sehr bedrängt werden, dass sie emotional unter Druck gesetzt werden", erzählt Tierarzt Joachim Fritz vom Kleintierzentrum AniCura.

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Erwartungen an Tierärzte werden immer größer

Fritz arbeitet seit 25 Jahren als Tierarzt. Über die Jahre hinweg meint er, Veränderungen bei den Tierhaltern wahrzunehmen. Er glaubt, die Menschen hätten manchmal den Eindruck, dass sie das Tier wie ein Auto in die Werkstatt bringen könnten.

Man könne aber nicht einfach ein Diagnosegerät anlegen und das Tier dann "reparieren". "So funktioniert es halt leider nicht", so Fritz. Man könne Tierärzte nicht für den Tod des Haustieres oder eine negative Diagnose verantwortlich machen, dennoch seien die Erwartungen extrem hoch.

Hohes Stresslevel für Aggression verantwortlich?

Ramona Maier ist eigentlich Tierärztin im Ruhestand, aber unterstützt das Praxisteam des Heilbronner Kleintierzentrums mit ihrer Erfahrung im Bereich der tierischen Tumorerkrankungen. Auch sie ist schon lange im Geschäft und findet, dass sich teilweise etwas zwischen Haltern und Tierärzten verändert hat. Sie erklärt sich die Aggression bei Herrchen und Frauchen auch damit, dass immer weniger Tierärzte jederzeit in der Nähe verfügbar seien.

"Die Leute haben häufig weite Wege hinter sich, mehrere Tierärzte oder Praxen schon angefahren und finden immer weniger Praxen, wo sie aufgenommen werden." Die Klienten kämen oft schon mit einem sehr hohen Stresslevel in der Praxis an - oftmals eine schwierige Situation. "Da bräuchte man erstmal einen Psychologen", meint Maier.

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Katharina Möhler leitet das Kleintierzentrum AniCura in Heilbronn. Die Sicherheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ihr wichtig. Im Umgang mit den Klienten versucht sie ihre 20 Tierärztinnen und -ärzte anzuleiten, auf Deeskalation zu setzen: "Grundsätzlich reden wir hier alle viel miteinander über solche Situationen, sowohl persönlich, wenn es akut ein Problem gibt, als auch regelmäßig in Teambesprechungen. Da wird dann so eine Situation aufgearbeitet, auch analysiert, ob man etwas hätte besser machen können."

Außerdem wurde beim Bau der Klinik vor zwei Jahren auf besondere Sicherheitsstandards, wie Videoüberwachung, abschließbare Bereiche und Fluchtwege geachtet. Verhindern lässt sich aggressives Verhalten dennoch nicht. Zwei Mal musste Möhler innerhalb der vergangenen sechs Monate die Polizei rufen.

Landestierärztekammer geht von bundesweitem Phänomen aus

Heidi Kübler geht von einem bundesweiten Phänomen aus, wie sie aus vielen Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Teilen Deutschlands weiß. Die Politik sollte entsprechende Gewaltpräventionsprogramme auch für Tierärzte fördern, wie es sie beispielsweise schon für Rettungskräfte gebe, so die Präsidentin der Landestierärztekammer.

Sie fordert außerdem empfindlichere Strafen. Gewalt gegen Tierärztinnen und Tierärzte dürfe nicht als "Bagatelle" angesehen werden. Von höheren Strafen, die auch in die Bevölkerung kommuniziert werden müssten, erhofft sie sich zumindest eine abschreckende Wirkung.

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