Naturnah am Rande des Spatzenwaldes liegt die Greifvogelanlage Wüstenrot (Kreis Heilbronn). Bei der aktuellen Sommerhitze jedoch zieht es wenige Besucherinnen und Besucher hierher. Auch Reisebusse mit älteren Menschen sagen ab, sagen die Betreiber. Deswegen fehle das Geld für wichtige Reparaturen und Rücklagen. Zur angespannten finanziellen Lage kommt hinzu, dass Mitte Juni Publikumsliebling Uhu Emma gestorben ist - für die Wiesingers ein harter Schlag.
Die Volieren können zum Beispiel diesen Sommer erst repariert werden, sobald Geld aus dem Verkauf von Jungvögeln reinkommt, so Constanze Wiesinger. Sie und ihr Mann Jürgen Wiesinger betreiben die Anlage. Und man brauche einen Puffer, denn auch die Pflege und Tierarztkosten seien teuer.
Also die aktuelle Situation hier im Zoo und auch bei vielen anderen Zooanlagen ist fast immer von der Hand in den Mund.
Ab 30 Grad fallen die Flugshows aus
Aber trotz der finanziellen Probleme machen die Eheleute weiter. Die Vögel seien ihr Leben und ihre Leidenschaft. Mit ihnen wollen sie Wissen über Natur und Tiere weitergeben. Das machen sie in sogenannten lebendigen Biostunden an Schulen oder wie derzeit bei Kindergeburtstagen und beim Ferienprogramm.
Dabei sind die Wiesingers besonders abhängig vom Wetter, egal ob Sturm, Regen oder Sonnenschein. Zum Schutz der Tiere gibt es ab 30 Grad keine Flugshows mehr. Für ausreichend Schatten haben die Betreiber etliche Bäume gepflanzt. Und mittags bekommen die Greifvögel zur Abkühlung eine Dusche - Sprühnebel aus dem Gartenschlauch.
Und auch beim Greifvogel-Kindergeburtstag der siebenjährigen Nayla geh es direkt um das Thema Hitze. Der Star beim Kindergeburtstag ist die Weißgesichtseule Lilly. Mit Seeadler Hannes auf dem Arm fragt Falkner Jürgen Wiesinger in die Runde, warum das Tier aus seinem gelben Schnabel tropft. Die richtige Antwort kommt schnell: Weil ihm heiß ist. Vögel schwitzen nämlich nicht, sie hecheln.
Ein schwerer Verlust
Beim Kindergeburtstag überreicht Nayla der Falknerin Constanze Wiesinger ein selbstgemaltes Bild. Darauf zu sehen ist eine Eule: Emma. Die sibirische Uhudame ist mit den Wiesingers durch Kindergärten und Schulen gezogen. Auch Nayla kennt sie noch aus der lebendigen Biostunde im Kindergarten.
Vor einigen Monaten ist die Uhudame jedoch gestorben. Das war ein harter Schlag für die Familie. Und noch immer schmerzt der Verlust sehr. Emma sei wie ein Familienmitglied gewesen, so Constanze Wiesinger. Und auch die Gäste, darunter die Kindergartenkinder, vermissen den Vogel.
Flauschiger Nachwuchs
Emma kann nicht ersetzt werden, aber es gibt Nachwuchs. Mathilda, auch ein sibirischer Uhu, ist noch ein Baby und hat einen dicken Flaum. In den kommenden Wochen werden ihr echte Federn wachsen. Und nach den Sommerferien kann sie dann als ausgewachsene Uhudame in die Schulen kommen. Bis dahin können sie Kinder bereits in der Greifvogelanlage kennenlernen.