Markenexperte ordnet Discounterstreit um Bonus-Apps ein

Ein Preis für alle Kunden? Öffentlicher Werbe-Zoff zwischen Aldi und Lidl

Seit Juli liefern sich Aldi und Lidl einen öffentlichen Streit über Bonus-Apps. Während Aldi sich über Rabatt-Apps lustig macht, schießt Lidl mit Plakaten und Videos zurück.

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Von Autor/in Luca Bauer, Anouk Krafft

"Warum ewig Punkte sammeln?", "Warum Coupon-Chaos" oder "Günstig ohne Bonus-App" - mit solchen Sprüchen wirbt Aldi seit Ende Juli öffentlich. Der Discounter positioniert sich damit klar gegen Bonusprogramme und Bonus-Apps. Die Botschaft dahinter: Alle Kundinnen und Kunden zahlen beim Einkaufen denselben Preis, unabhängig davon, ob sie eine App dafür nutzen oder nicht.

Mit der Kampagne schießt Aldi unter anderem gegen den Hauptkonkurrenten Lidl aus Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn), der in seiner eigenen App mit Vorteilen und Rabattcoupons wirbt. Die Reaktion von Lidl blieb nicht lange aus: In den Sozialen Netzwerken konterte der Konzern und kritisierte die Aufteilung von Aldi in Nord und Süd und damit in regional unterschiedliche Preise. Laut Handelsexperte Stephan Rüschen von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn versuchen damit beide ihr Profil und Image auf Kosten des Wettbewerbers zu schärfen.

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Bonus-Apps: Experte hält Weg von Aldi für erfolgsversprechend

In dem öffentlichen Streit sieht Rüschen keinen klaren Gewinner, denn die Meinungen zu Bonusprogrammen seien unter den Kundinnen und Kunden umstritten. Auch wenn laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens NIQ rund 65 Prozent der Deutschen mindestens eine Händler-App nutzen, seien die Apps für viele auch zu kompliziert und sie würden sich nicht damit beschäftigen wollen. Oft ginge es auch darum, seine Daten nicht hergeben zu wollen, sagt der Heilbronner Experte.

Die aktuelle Werbekampagne von Aldi hält Rüschen jedoch für "erfolgsversprechend und sinnvoll". Der Discounter kommuniziere, dass er im Vergleich zu anderen Discountern ohne Bonus-App auskomme. Damit teile der Discounter im Grunde genommen nicht nur gegen Lidl aus, sondern gegen sämtliche Konkurrenten. Denn in ganz Deutschland ist Aldi der einzige Lebensmittelhändler, der keine eigene Bonus-App anbietet.

Es ist ja nicht nur eine Frage zwischen Aldi und Lidl, es ist eigentlich eine Frage zwischen Aldi gegen den Rest der Welt.

Lidl und Aldi verfolgen unterschiedliche Konzepte und es gewinnen beide

Der grundsätzliche Weg von Aldi, ohne Bonus-App auszukommen, sei konsequent, so der Handelsexperte weiter. Aldi wolle das Einkaufen einfach machen. Ein Bonusprogramm, bei dem man sich jede Woche mit einer App beschäftigen muss, um möglichst günstig einkaufen zu können, passe nicht zu dieser Strategie, sagt Rüschen gegenüber dem SWR. Lidl mache aber auch nichts falsch, die Discounter würden sich lediglich auf unterschiedliche Konzepte konzentrieren. Während Lidl ein lebendiges und aktives Discount-Konzept verfolge, fokussiere sich Aldi auf die Basics wie Sortiment und Preis, meint Rüschen.

Dem Experten zufolge geht es bei dem aktuellen "Battle" um die "Vorherrschaft im deutschen Discount". Gleichzeitig seien Rabatte und Datennutzung Themen, die bei Kundinnen und Kunden polarisieren und zu denen es verschiedene Einstellungen gebe, so Rüschen. Von der medialen Aufmerksamkeit, die der Streit aktuell erhält, würden jedenfalls beide Discounter profitieren. So würden beide gewinnen.

Kein Marketing-Gag über Apps und Bonusprogramme von Aldi

Auch wenn die aktuelle Kampagne von vielen als Werbe-Battle gesehen wird, sei sie für Aldi Süd alles andere als ein Marketing-Gag, sagt Christian Göbel, stellvertretender Geschäftsführer Customer Interaction von Aldi Süd. Man wolle in der Öffentlichkeit lediglich deutlich machen, wofür das Unternehmen steht. Und darin sieht Göbel vor allem das Ziel, die bestmögliche Preisgestaltung für alle zu erreichen und keine "Zwei-Klassen-Gesellschaft" aufzumachen.

Den Vorwurf, durch Bonus-Apps bestimmte Kundinnen und Kunden zu bevorzugen, weist Lidl auf SWR-Anfrage zurück und stellt klar, dass niemand mit einer App bevorzugt werde. Die App biete zwar Zusatzrabatte und Gratisprodukte, die Preise im Regal seien jedoch ohnehin dauerhaft günstig. Die Debatte um Apps würde das Unternehmen humorvoll aufgreifen. Zuletzt gab es unter anderem auch ein Video zu dem Thema. Dabei stänkert Lidl vor allem gegen die App-Ablehnung an sich. Das Einfachheits-Versprechen von Aldi wird nicht entkräftet.

Zwischen Lidl und Aldi gibt es einen Streit um Bonusprogramme und Apps.
Ein neues Werbeplakat von Lidl, mit dem der Discounter Werbung machen möchte für seine günstigen Preise und vor allem die App und Bonusprogramme. Luca Bauer

Bei Aldi Süd steht dagegen Einfachheit im Vordergrund. Eine Bonus-App, mit der man persönliche Daten gegen Rabatte tausche, gehöre da nicht dazu, so Göbel weiter. Gleichzeitig sieht er in Bonusprogrammen keinen wirklichen Mehrwert für die Kundinnen und Kunden. Profitieren würde am Ende immer der Eigentümer der App.

Das ist, glaube ich, in der Interpretation einiger irgendeine Form von Werbe-Battle, aber das ist für uns mitnichten der Fall.

Ob es in Zukunft weitere Kampagnen wie die aktuell gebe, schließt Christian Göbel nicht aus. Auch Professor Rüschen geht davon, dass das Thema in Zukunft immer mal wieder aufgegriffen wird.

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Luca Bauer
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Anouk Krafft

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