Ende September startet am Südzucker-Werk in Offenau (Kreis Heilbronn) die Rüben-Kampagne. Im Schnitt liefern die Landwirte in Baden-Württemberg insgesamt etwa 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben an. Doch die Ernten schwanken stark. Nach dem hohen Ertrag im vergangenen Jahr, wird dieses Jahr wegen Dürre und Pflanzenkrankheiten mit Einbußen zwischen 20 und 30 Prozent gerechnet.
Der Verband der Baden-Württembergischen Zuckerrübenanbauer (VBWZ) forscht zum Beispiel in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn) an Wegen, wie Rübe und Anbau resistenter werden können. Große Hersteller wie die Südzucker-Group haben verstärkt auch andere Pflanzen als Rüben im Blick.
Schilf-Glasflügelzikade als Problemfaktor
Larissa Klein zieht eine Zuckerrübe aus dem Boden, sie ist deutlich kleiner als gewöhnlich. "Die Lage ist ernst", sagt die VBWZ-Geschäftsführerin. Zu schaffen mache den Zuckerrüben vor allem die Schilf-Glasflügelzikade. Das fliegende Insekt kann Bakterien übertragen und die Rübe erkranken. Kommt eine Dürre hinzu können sich die Pflanzen schlechter wehren, erläutert Nicole Stockfisch vom Institut für Zuckerrübenforschung IfZ.
Südzucker hofft auf Gentechnik und setzt auf Pflanzenschutzmittel
Ein breites Forschungsnetzwerk versucht gegenzusteuern. In einem ersten Schritt wurden bekannte Züchtungen getestet, ob es darunter bereits resistentere Sorten gibt. Denn neue Züchtungen brauchen viel Zeit. Schnellere Ergebnisse könnte die Gentechnik liefern, so Wolfgang Kraus von Südzucker. Doch auch hier reden wir von einigen Jahren. Unabdingbar sei deshalb weiterhin der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, so Krauß.
Alternative Süßungsmittel und pflanzliche Proteine
Hersteller wie die Südzucker-Group stellen sich schon länger breiter auf. Neben den klassischen Zucker-Varianten setzen sie zunehmend auch auf andere Süßungsmittel, pflanzliche Proteine und "Smart Ingredients". Zur Südzucker-Group gehört beispielsweise die BENEO GmbH am Stammsitz in Mannheim. Sie produziert Stoffe, die Herstellern zum Beispiel helfen, Fett oder Kalorien in ihren Produkten zu reduzieren oder die verhindern, dass ein Produkt Feuchtigkeit zieht. Eingesetzt werden diese Zutaten unter anderem in der Lebensmittelindustrie, in Kosmetika oder Medikamenten.
Investiert wird auch in pflanzliche Proteine, die unter anderem aus Fababohnen, Erbsen, Reis oder Getreide gewonnen werden.
Versuche die Zikade zu überlisten
Die Forscherin Lea Hettler zeigt ein Feld in Bad Friedrichshall (Kreis Heilbronn). Hier wurden die Rüben sehr viel dichter als sonst gepflanzt. Die Zikade werde vom grün-braunen Kontrast angezogen, erklärt Hettler. Der werde durch den dichten Pflanzenwuchs verringert. Erste Ergebnisse erwartet sie hier im Januar. Etwa 200 Meter weiter wird auf einem anderen Feld versucht, mit einem dichten Hanfstreifen am Rand eine natürliche Barriere gegen den Anflug der Tiere zu schaffen.
Hoffen auf steigende Zuckerpreise
Larissa Klein ist überzeugt, dass die Zuckerrübe bei uns auf jeden Fall eine Zukunft hat. Auch wenn die Bedingungen dieses Jahr alles andere als gut sind. Eine geringere Erntemenge bedeutet höhere Kosten pro erzeugter Tonne. Dazu bereiten den Landwirten die Preisentwicklung von Energie- und Dünger Sorgen und die Frage, welche Auswirkungen die geplante Zuckersteuer haben wird.
Etwas Hoffnung macht der Blick auf den Zuckermarkt. Lange Zeit war der Preis auf Talfahrt, weil zu viel Menge auf dem Markt war, erläutert Marlen Haß vom Thünen-Institut. Jetzt könnte es sich laut Internationaler Zucker-Organisation (ISO) langsam drehen, doch sicher ist das noch nicht.
Forschung macht Mut
Sehr gute Jahre, wie das Vergangene zeigen, dass sich der Anbau der Zuckerrübe auch in Zukunft lohnen kann. Mut macht Larissa Klein zudem die viele Forschung. Wichtig sei aber, dass die Politik die Landwirte weiter unterstütze. Insbesondere bei der Erlaubnis für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, so Klein.